Volvo Ocean Race: Protest gegen „Scallywag“-Skipper und -Navigator abgewiesen – Hayle „geht“ dennoch

„Unangebracht“

Skipper Witt und die Holländerin Annemieke Bes © Konrad Frost/VOR

War das zu erwarten? Die World Sailing Race-Jury  hat nach „eingehenden Untersuchungen und Befragungen“ zum strittigen „Scallywag“-Video kein grobes Fehlverhalten nach „Rule 69“ feststellen können. 

Eine Internationale Jury der „World Sailing“, die eigens für diesen Fall nach Kapstadt reiste, hat nun die von einer „außenstehenden, nicht dem Volvo Ocean Race zugehörigen Partei“ eingereichte Beschwerde respektive den eingegangenen Protest gegen „Scallywag“-Skipper David Witt und den „Scallywag“-Navigator Steve Hayles zurückgewiesen. Nachdem das strittige Video (SR berichtete)  mit vermeintlich sexistischen Äußerungen während der „Skipper’s Morning Show“ von Bord tagelang unbeanstandet auf der VOR-Seite im Internet stand, war es nach einer Beschwerde wieder aus dem Netz genommen worden. 

Geklärt?

Im Anschluss an diese Maßnahme und nachdem bekannt geworden war, dass eine „Internationale Jury der World Sailing“ zur Klärung der Vorwürfe eingesetzt werden sollte, begann eine aufgeregte Diskussion in den weltweiten Sozialen Netzwerken. 

War die Aufforderung zu einer „Behandlung zwischen den Beinen“ in Richtung Annemieke Bes, der einzigen Frau im Scallywag-Team nun sexistisch, gar ein verbaler sexueller Übergriff, ein Missbrauch von Macht durch den allgewaltigen Skipper oder „nur“ ein derber Scherz, wie er häufig in Crews, die wochenlang auf engstem Raum und Hoher See unterwegs sind, gerissen wird?

Annemieke Bes

Annemieke Bes bei der Arbeit. © Scallywag

Die Internationale Jury gab nun bekannt, dass „David Witt und Steve Hayes sich keines Vergehens im Sinne der Regel 69 schuldig gemacht haben“, da das strittige „Video keine weltweit verbreitete Beleidigung oder Kränkung darstellt und den Sport nicht in Verruf gebracht habe.“ 

Wohlgemerkt: Den Sport nicht in Verruf gebracht – von Annemieke Bes und ihrem Empfinden war im Statement nicht die Rede. 

Ein Witz, mehr nicht?

Zum Thema äußerte sich mittlerweile auch Dee Caffari, VOR-Skipperin auf „Turn the Tide on Plastic“: „Dieser Fall hat uns allen gezeigt, dass Geplänkel und Witze, die ein wesentlicher Teil des Bordlebens sind, nicht immer gut auf dem Land ankommen,“ wird sie in der offiziellen Notiz zum „Urteil“ der Internationalen Jury auf der Website des VOR zitiert. „Doch dass die beiden Männer nun unter Anklage gestellt wurden, obwohl klar ist, dass sich niemand auf dem Boot in irgendeiner Weise gekränkt fühlte, kommt mir unangebracht vor.“

Antonio Fontes, neuer/alter Navigator an Bord der Scallywag © VOR

Unabhängig von den Begebenheiten während der „Morning Show“ und dem anschließenden Shitstorm, der sich über Skipper und Navigator der „Scallywag“ wälzte, nimmt Navigator Steve Hayles nun sein Besteck und überlässt seinen Platz Antonio Fontes. Der Portugiese war fest bei Scallwag als Navigator vorgesehen und trainierte Monate vor dem Start mit dem Team und navigierte im Race 0. Er wurde dann aber für das erste VOR-Rennen an das „Akzo Nobel“-Team „ausgeliehen“, das aufgrund des Last-Minute-Abgangs des früheren Skippers Simeon Tienpont „personell unterbesetzt“ war. 

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Michael Kunst

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