Volvo Ocean Race: Scallywags Drama im Finale – Bekking verabschiedet sich mit einem Sieg

Dumm gelaufen

 

Das Volvo Ocean Race ist mit dem Inport-Race in Den Haag endgültig beendet. Brunel hat sein Heimspiel gewonnen, und es gab sogar noch eine Verschiebung in der Gesamtwertung. Denn Scallywag erlebte einen Schocker.

Scallywag hängt an der Tonne fest. © Scallywag

Das musste nicht auch noch passieren. David Witt, der mit seinem Scallywag Team seit dem Verlust von John Fisher ohnehin genug gebeutelt ist, wollte beim letzten Inport-Race noch einmal alles geben. Es ging um einen versöhnlichen Abschluss auch zu Ehren des verlorenen Freundes und darum, in der Endabrechnung nicht Letzter zu werden.

Denn die punktgleiche Dee Caffari konnte mit Turn The Tide on Plastics noch ein finales Überholmanöver starten, wenn sie in der Inport-Rasce-Serie vorbeiziehen würden. Dafür musste sie drei Punkte aufholen. Ein sehr unwahrscheinliches Szenario nach fünf letzten Plätzen in elf Rennen. Noch nie konnte TTT in einem der Kurzrennen zwei Boote zwischen sich und Scallywag bringen.

Zwischen Wahnsinn und Genialität

Und das sah auch diesmal nicht so aus. David Witt, dessen Starts zwischen Wahnsinn und Genialität rangieren, gelang diesmal wieder eine Eröffnung der besseren Art, und am Leetor hatte er sogar kurz die Führung inne.

Starker Start von Brunel beim Inport-Race. © Sam Greenfield / Volvo Ocean Race

Peter Burling am Steuer hat den VO65 nach einigen Anfangsschwierigkeiten nun voll im Griff. © Pedro Martinez / Volvo Ocean Race

Bouwe Bekking verabschiedet sich nach einer starken Vorstellung. © Pedro Martinez / Volvo Ocean Race

Aber dann musste er Brunel nach einer schlechten Rundung ziehen lassen, verlor auf der linke Kreuzseite gleich drei weitere Boote ziehen lassen. Das tat zwar weh, wäre in der Gesamtwertung aber nicht besonders schlimm gewesen. Denn Turn The Tide segelte wie üblich bei diesen Kurzrennen hinterher.

Dann der unforced Error: David Witt bleibt bei der zu engen Luvtonnenrundung mit dem Lee-Ruderblatt an der Verankerung der Marke hängen. Wie ärgerlich, wie peinlich. Genau so will man sich eigentlich nicht von der Weltöffentlichkeit des Segelsport präsentieren und beim letzten Auftritt in Erinnerung behalten werden.

Aber wenn es einmal mies läuft, dann richtig. Denn Scallywag hängt nicht nur lange Zeit hilflos an der Tonne, sondern das Team muss auch noch mit ansehen, wie Dee Caffari auf der letzten Kreuz das nicht für möglich gehaltene Überholmanöver von Vestas gelingt. Eine Linksdrehung katapultiert die mit den meisten Frauen (fünf) angetretene Crew in diesem Lauf auf Rang vier. In der Inport-Wertung ist sie damit punktgleich mit Scallywag weist aber als bestes Resultat einen vierten Platz  mehr auf, liegt dadurch vorne und entscheidet damit auch die Gesamtwertung für sich.

Inport-Wertung

Gesamtwertung

Abenteuer-Törn für große Jungs

Damit schließt sich der Kreis fürDavid Witt und sein Team. Die Platzierung passt zum Verlauf seines Volvo Ocean Races. Die Platzierung ist eigentlich längst nicht mehr wichtig, seit dem Verlust seines Freundes. Wie schlimm muss das für den Australier sein, der dieses Projekt zusammen mit John Fisher wie einen Abenteuer-Törn für große Jungs angegangen ist.

Auf den ersten Etappen schienen sie noch überrascht, wie professionell die Gegner dieses Rennen bestreiten und segelten nahezu chancenlos hinterher. Das Spaß-Projekt schien zu kippen, als Witt einer seiner derben Männetörn-Späße um die Ohren flog, und plötzlich der Vorwurf der sexuellen Belästigung im Raum stand. In der Folge ging Navigator Steve Hayles von Bord, und der Spaß schien endgültig vorbei.

Aber dann holte der vermeintliche Frauen-Diskreminierer ausgereichnet eine Frau auf die Navigator-Position. Und mit Libby Greenhalgh gewann er urplötzlich die vierte Etappe und segelte danach auf Rang zwei. Die Strategie setzte auf hohes Risiko und viel Glück, aber es funktionierte. Plötzlich schien Scallywag konkurrenzfähig.

Drama um John Fisher

Aber dann passierte das Drama um John Fisher, der im Southern Ocean verloren ging. Danach war das Rennen eigentlich für die Scallywags vorbei, und niemand hätte sich gewundert, wenn sie die Weltumsegelung nicht beendet hätten. Aber sie hielten durch, und das wahr vermutlich die größte Leistung bei diesem Volvo Ocean Race.

bewegender Moment: John Fishers Sohn Brian übernimmt auf den letzten Metern das Steuer auf Scallywag. © Scallywag

Wie hart muss jede einzelne Meile nach dem Verlust eines Crewmitglieds gewesen sein. Die folgenden drei letzten Plätze und ein vorletzter zeugen davon. Und nun auch noch dieses Inport-Race. John Fishers Sohn Brian übernahm auf den lezten Metern das Steuer. Ein emotionaler Moment für die Beteiligten. Witt und seine Crew werden froh sein, dass diese Regatta vorbei ist!

An der Spitze hat Brunel mit einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg noch einmal gezeigt, was für ein Niveau die Crew inzwischen erreicht hat. Er hatte nur noch marginalen Wert, um AkzoNobel vom dritten Platz der Inport-Wertung zu verdrängen, aber für Bekking war er nach der enttäuschenden finalen Etappe psychologisch sehr wichtig.

 

Wie Scallywag an der Leetonne hängt:

Der Start zum letzten Inport-Race:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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