Volvo Ocean Race: Starkes Dongfeng-Video aus dem Southern Ocean – Mapfre “lutscht”

"Ich beginne, das rote Boot zu hassen"

Die dritte Etappe beim Volvo Ocean Race ist zu einem Match Race an der Spitze geworden. Dongfeng-Skipper Caudrelier spricht über die Speed-Probleme und zeigt starke Bilder aus der Luft.

Vor gut einem Jahr bei der Vendée Globe war es eine Sensation, dass Armel Le Cleac’h und Alex Thomson bei ihrer Kerguelen-Passage im Southern Ocean aus der Luft gefilmt wurden. Das Video wurde aus einem Helikopter der französischen Marine gedreht und ging um die Welt.

Dongfeng

Dongfeng im Southern Ocean. © Martin Keruzore / Volvo Ocean Race

Bei dieser Auflage des Volvo Ocean Races dagegen hat man sich schon fast daran gewöhnt, dass uns selbst aus den unwirtlichsten Seegebieten dieser Erde Bilder der segelnden Yachten aus der Luft erreichen. Alle Teams haben Drohnen dabei, die von den Onboard-Reportern eingesetzt werden, um das eigene Schiff zu filmen.

Jüngstes Beispiel sind die Bilder vom Dongfeng aus dem Southern Ocean. Bisher war Skipper Charles Caudrelier gar nicht angetan davon, sein Schiff in voller Fahrt bei starkem Wind zu zeigen. Teilweise verbot er dem Reporter, Bilder nach draußen zu geben, weil die Konkurrenz hinter das Speed-Geheimnis des französisch-chinesischen Bootes kommen könnte. Die Trimmeinstellungen und die Segelwahl sollten verborgen bleiben.

Caudrelier Dongfeng

Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier am Rad. © Martin Keruzore / Volvo Ocean Race

Aber diese Zurückhaltung hat er in den vergangenen Tagen aufgegeben. Und so gelang es Reporter Martin Keruzore, seine Fertigkeiten im Umgang mit der Drohne zu zeigen.

Mapfre “lutscht am Hinterrad”

Charles Caudrelier äußert parallel nun auch seine Meinung zur aktuellen Rennsituation. Vielleicht weil ein wenig Entspannung eingetreten ist. Denn in den vergangenen neun Stunden hat Dongfeng seinen Vorsprung zu Mapfre von 3 auf 7,4 Meilen ausbauen können

“Mapfre hat sich wie ein Radfahrer an uns dran gehängt. Nach neun Tagen im Rennen und mehr als 3000 Meilen beginne ich langsam, das rote Boot unserer spanischen Freunde zu hassen.” Er habe gehört, dass Xabi (Fernandez) ein ehemaliger Rad-Champion sei, und das erkläre vielleicht, warum er “an unserem Hinterrad lutscht – das sagt man so bei Radfahrern”. Insbesondere wenn sich ein Fahrer nicht nach vorne in den Gegenwind wagt und Kräfte sparen will. Das funktioniert so beim Segeln nicht, dennoch ist Caudrelier genervt, dass Mapfre alle Manöver kopiert und auf die Möglichkeit zur Attacke lauert.

Dongfeng

Dongfeng unter Vollzeug mit vier gesetzten Segeln. Ob das die schnellste Kombination ist? © Martin Keruzore / Volvo Ocean Race

“Diese Etappe ist ein Match Race. Gestern sind wir entlang der Eisgrenze wohl 30mal gehalst. Dabei müssen mehr als 400 Kilogramm im Boot nach Luv bewegt werden und vier Segel draußen, die jeweils 100 Kilogramm wiegen, wenn sie trocken sind. Im nassen Zustand sind es wohl jeweils noch 50 Kilo mehr.” 

“Man kann sich verlieren”

Mapfre habe gut aufgeholt mit gutem Speed. “In 24 Stunden kamen sie langsam immer näher und haben uns unter Druck gesetzt. Wir mussten hart arbeiten, um einen Weg zu finden, ihre Geschwindigkeit zu erreichen. Dabei probierten wir verschiedene Trimm-Möglichkeiten und Segelkombinationen. Das ist immer schwierig. Der Speed fehlt, man ändert viele Dinge, und dabei kann man sich verlieren.

Dann hat uns Mapfre eingeholt, und wir entschieden zu unseren alten Trimm-Referenzzahlen zurückzukehren. Der Speed wurde besser, wir überholten sie mit zwei guten Aktionen, und nun sind sie sieben Meilen hinter uns. Das ist aber nichts, wenn man die nächsten sechs Tage betrachtet, die wir bis ins Ziel benötigen werden. Selbst Vestas und Brunel können noch das Comeback schaffen.”

Auch der gegnerische Skipper Xabi Fernandez meldet sich von Bord: “Wir machen nun viele Meilen Richtung Melbourne gut, und das fühlt sich gut an. Dongfeng vor uns fährt etwas davon und wir kratzen uns an den Köpfen. Wir versuchen, den Abstand klein zu halten und warten auf unsere Möglichkeit zum Überholen. 2300 Meilen liegen noch vor uns und viel Arbeit. Die Stimmung ist gut, denn wir glauben, eine sehr gute Etappe zu segeln. Der Vorsprung auf die Verfolger wächst.”

Volvo Ocean Race Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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2 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Starkes Dongfeng-Video aus dem Southern Ocean – Mapfre “lutscht”“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Der eine lutscht am Hinterrad, der andere hasst den nächsten. Alles ganz schon versaut und total übel hasserfüllt. Hier muss sofort die Jury wg. 69 zusammenkommen! Wo bleibt der Aufschrei der Massen?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 5

  2. avatar waterman 2000 sagt:

    Hat eigentlich jeder von denen eine Drohne an Bord?

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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