Volvo Ocean Race: Vendée-Dritter Beyou bei Dongfeng – Optionen für die Frauen-Quote

„Besser mit als gegen uns!“

Charles Caudrelier baut sich ein Siegerteam für das Volvo Ocean Race zusammen. Ein ex Illbruck-Held ist dabei. Aber wie löst er das Frauen-Thema? Eine bekannte Olympionikin hat beste Chancen.

„Es gibt so einige Typen in der Hochseeszene, die holt man sich besser ganz schnell ins Team, wenn sie zur Verfügung stehen. Bevor es andere tun…“, meldete ein gut gelaunter Charles Caudrelier. Der französische Skipper des chinesischen Dongfeng Race Teams (Dritte beim letzten Volvo Ocean Race), konnte sich drei der derzeit stärksten Hochseesegler ins Dongfeng-Team holen – zwei VOR-Kenner und einen VOR-Rookie. „Wenn wir das in gesegelte Hochseemeilen aufrechnen, dürfte unser Teamzuwachs jedenfalls nur schwer zu toppen sein!“ freute sich Caudrelier. Am 22. September 2017 startet das Volvo Ocean Race in Alicante. Und Dongfeng gehört diesmal zu den Top-Favoriten für den Sieg.

Im Sieger-Modus weitermachen

Der Neuseelänger Stuart Bannatyne, 45 Jahre jung, hat bereits sieben Teilnahmen beim Whitbread (Vorgänger des VOR) und Volvo Ocean Race hinter sich. Er gehörte auch zum deutschen Illbruck-Gewinnerteam 2002, einer von drei Siegen. „Ich liebe diese Segelei draußen auf den großen Meeren, ganz besonders im Southern Ocean. Um ehrlich zu sein: Nicht die Sieger haben mich beim letzten VOR beeindruckt, sondern vor allem Charles und seine Dongfeng-Crew. Da ist noch viel Potential drin und ich freue mich drauf, in diesem Team dabei zu sein!“ sagte Bannatyne. 

Volvo Ocean Race, Dongfeng Team,

Mr. Bannatyne at work © dongfeng

Das sieht sein 35-jähriger Landsmann Daryl Wislang ähnlich. Er gehörte zum Abu-Dhabi- Siegerteam beim vergangenen Volvo Ocean Race, und will unbedingt weiter im Winner-Modus bleiben: „Ich bin ziemlich sicher, dass Dongfeng diesmal um den Sieg segeln wird. Und für mich kommen sowieso nur Siegertypen als Skipper in Frage!“

Für Wislang wird dies die fünfte Teilnahme bei einem Volvo Ocean Race sein und gemeinsam mit seinem zehn Jahre älteren Kollegen Bannatyne, sollen die beiden im Duo vor allem auf den schwierigen Passagen im Southern Ocean, Pazifik und südlichen Atlantik eingesetzt werden. 

Volvo Ocean Race, Dongfeng Team,

Daryl Wislang beim Training vor Lorient © Dongfeng

Aus Sicht der Franzosen ist jedoch die Rekrutierung des Vendée Globe-Drittplatzierten Jeremie Beyou ein echter „Scoop“, wie sie Sensationelles bezeichnen. Der meistens im Einhand-Modus aktive Segler (Figaro-Champion und Vendée Globe-Enthusiast, Drittplatzierter auf umgebautem Foiler „Maitre Coq“) ahnt jedoch schon, worauf er in Zukunft besonders achten muss:

„Ich bin nicht gerade ein Team-Player, hier gibt es für mich als gelernter Einhand-Segler noch reichlich Verbesserungswürdiges. Und dennoch ist die Teilnahme beim Volvo Ocean Race für mich ein lang gehegter Traum. Ich bin mir sicher, dass ich vor allem bei der Wetter-Diagnose und bei der Taktik meinen Beitrag leisten kann!“ 

“Logischer Schritt”

Für Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier war die Rekrutierung von Jeremie Beyou letztendlich nur ein „logischer Schritt“: Er habe viel zu oft gegen Beyou auf dem Figaro verloren – endlich gebe es die Chance, gemeinsam wirklich Großes zu leisten!

Volvo Ocean Race, Dongfeng Team,

Jeremie Beyou während der Überführung von Portugal in die Bretagne © dongfeng

Das Boot scheint schon mal in Hochform zu sein: Nach einem mehrmonatigen 1-Million-Euro-Refit in einer portugiesischen Werft in Lissabon, trainiert Caudrelier mit provisorischen und festen Crew-Mitgliedern derzeit bereits heftig vor Lorient.

Noch ist die Crew-Liste bei Dongfeng jedoch nicht komplett. In den nächsten Wochen werden weitere Segler, die  beim VOR 2017 auf Dongfeng mitsegeln sollen, bekannt gegeben. Als sicher gelten die Schlüsselfiguren des vergangenen Dongfeng-Erfolges. Navigator Pascal Bidegorry (48), der schon den Mega-Tri “Banque Populaire” um die Welt geskippert hat, wird wieder an Bord erwartet und Einhand-Spezialist Thomas Rouxel.

Mit beiden war er schon auf ungewohntem Terrain unterwegs. Es könne aber noch die eine oder andere weitere Überraschung geben, ist im Trainingsort Lorient zu vernehmen. So müssen zwei Segler jünger als 30 Jahre alt sein.

Besonders spannend ist auch die Frage, wie Caudrelier die Frauen-Frage löst. Nach der Regeländerung sind verschiedene Optionen möglich, weibliches Personal zu verpflichten. Die erlaubten Team-Kombinationen für das Rennen 2017-18 lauten wie folgt:
7 Männer
7 Männer plus 1 oder 2 Frauen
7 Frauen plus 1 oder 2 Männer
5 Männer und 5 Frauen
11 Frauen

Einige Teams überlegen, ohne Frauen zu segeln. Beim Dongfeng Team steht aber die Französin Marie Riou kurz vor einer Verpflichtung. Die dreifache Weltmeisterin im Nacra 17 an der Vorschot von Billy Besson scheint körperlich bestens geeignet für die Belastungen eines Volvo Ocean Races. Nach der Olympia-Enttäuschung, als sie wegen Rückenproblemen des Skippers das schon sicher geglaubte Gold verpasste, würde eine neue Herausforderung gut passen. Mit ihr zusammen hat außerdem eine Chinesin umfangreiche Tests durchlaufen.

Harte Tage bei der Vendée Globe für Beyou:

 

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