Volvo Ocean Race: Vestas Team auf Mauritius – Navigator Verbraak schweigt noch

"Was die Dunkelheit wohl bringen wird?"

Die Crew der Vestas ist beim Volvo Ocean Race wohlbehalten in Mauritius angekommen. Skipper Chris Nicholson übernimmt die Verantwortung für den “menschlichen Fehler”.

Skipper Chris Nicholson (45) war froh, “die schlechten Dinge” von Bord geborgen zu haben. Damit meinte er Öl und Treibstoff, die eine Verschmutzung in der Lagune zur Folge haben könnte, wenn das Schiff nicht geborgen wird. Es sei außerdem gelungen, wichtige, teure Teile wie die Satellitenanlage zu sichern.

Vestas Sprecher Morten Albæk bestätigte noch einmal, dass alle Optionen geprüft werden, um das Rennen zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen zu können. Das werde aber nicht für die dritte Etappe funktionieren.

Vestas

“Was uns die Dunkelheit wohl bringen wird?” Eines der letzten Zitate und Fotos von Vestas Reporter Carlin

Derweil gibt es nach wie vor keine neuen Informationen zum Ablauf des Unglücks, bei dem Vestas mit 19 Knoten in der Nacht auf das Riff gerast ist. Die Segler werden bis zum Wochenende nach Abu Dhabi gebracht, und dort sollen der Ablauf rekonstruiert werden.

Derweil zeichnet sich immer mehr ab, dass die Untiefe einfach übersehen wurde. Diverse Spezialisten haben beschrieben, dass einige elektronische Seekarten in verschiedenen Zoom-Stufen das Hindernis kaum erkennen lassen.

In einem Almanach ist zudem beschrieben, dass es drei Meilen weiter südwestlich liegen soll, als in den Karten angegeben. Dongfeng Reporter Yann Riou hat beschrieben, wie sein Skipper erst einige Tage vor der Passage die Untiefen bemerkte. Sie seien sehr schwer auf der Karte zu sehen gewesen. “Um sie auf dem Plotter zu finden, musste man genau da darüber zoomen. Aber warum sollte man das tun, wenn man dort kein Riff vermutet. Wir wissen nicht genau, was auf Vestas passierte, aber wir können es uns vorstellen.”

So beschäftigt sich die aktuelle Diskussion auf die generelle Genauigkeit von elektronischen Seekarten. In wenig befahrenen Seegebieten kann man sich auf die Angaben nicht immer verlassen, sagt Yachting World Kommentatorin Elaine Bunting. So sei es bekannt, dass ein anderes Atoll im Pazifik sechs Meilen entfernt von seiner tatsächlichen Position auf der Karte verzeichnet ist. Gewässer außerhalb der normalen Schiffahrtsrouten seien einfach nicht so genau untersucht.

Es habe einen ähnlichen Fall 2010 beim Clipper Race gegeben, als die Yacht “Cork” auf ein Riff bei Indonesien gekracht war. Es befand sich ein Kilometer östlich der auf der Karte verzeichneten Position.

Wenn ein Kartenfehler das Problem gewesen wäre, hätte allerdings die Konkurrenz  zuvor nicht so eng am Hindernis vorbei segeln können. Sie absolvierten die Passage zwar überwiegend bei Tageslicht, hätten aber wohl Alarm geschlagen, wenn das Riff an einem falschen Platz verzeichnet gewesen wäre.

Navigator Vouter Verbraak muss es jedenfalls schlimm ergehen. Er erlebt die schwärzeste Stunden seiner Karriere. Er wird bewusst aus der Schusslinie genommen und ist kaum auf Fotos zu sehen. Sein Skipper stellt sich öffentlich vor ihn. Aber bis Verbraak, zweifellos einer der besten Navigatoren der Welt, sich nicht erklärt hat, werden die Spekulationen nicht beendet sein.

 

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Vestas Team auf Mauritius – Navigator Verbraak schweigt noch“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Das mit dem Ein/Ausblenden von Details beim Ein/Auszoomen kann Euch sonst auch nochmal ein Kreuzfahrtkapitän aus Italien erklären… Kommt sicher öfter vor.

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  2. avatar Christian1968 sagt:

    Ich finde es jedenfalls bewundernswert, dass das Team sich vor den/die Schuldigen stellt, wer es auch immer sein mag. Wir haben sicherlich ALLE schon mal richtige fette Fehler gemacht und in die Sch…. gegriffen, wie man so schön sagt.

    Nur meistens bekommt es kaum jemand mit und hier guckt eben die ganze (Segler)Welt zu.

    Es ist zwar ein teurer Fehler, aber es ist kein Mensch zu Schaden gekommen und das ist das einzige, was wirklich zählt.

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  3. avatar Hannes sagt:

    Sind diese Boote für das Rennen eigentlich versichert? Und müssen die das Ding nicht wenigstens bergen?

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  4. avatar Maxi sagt:

    @ Christian1968: So sehe ich das auch. Am schlimmsten geht es demjenigen der es tatsächlich verbockt hat, und derjenige weiß was er damit dem Team angetan hat.
    Da müssen auch nicht noch irgendwelche anderen ihren Senf dazugeben.

    Aber wie sagt man so Schön: wer denn Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen.

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    • avatar dubblebubble sagt:

      Na ja wenn die Leutchen eine Regatta gewinnen, wollen sie auch gefeiert werden. Wer als Vollprofi so einen kapitalen Bock schiesst, muss dann auch mal Kritik aushalten.

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      • avatar Kluchschieter sagt:

        Natürlich muss man da auch kritikfähig sein, aber wenn sie gewinnen, dann wird auch die gesamte Crew gefeiert und nicht nur einer.
        Insofern finde ich es sehr fair von der Crew in diesem Augenblick Geschlossenheit zu zeigen.

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  5. avatar rumpel sagt:

    Gibt es eigentlich eine Google-maps basiertes Navi Programm? Da sind dann vermutlich immerhin die Inseln an der richtigen Stelle. Bitter, dass an der gleichen Stelle schon ein Wrack-Symbol in der Karte verzeichnet ist.

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    • avatar senf sagt:

      Ganz interessanter Punkt der mir auch schon über den Weg gelaufen ist! Wenn man sich etwas in die Fragestellung OpenCPN und Verfügbarkeit von Kartenmaterial einliest lernt man recht schnell, das eine große Zahl der Südsee-Buchtenbummler sich zuhause GoogleMaps-Overlays für openCPN bastelt. Man muss nur mal im cruisers-forum querlesen…

      Offenbar ist in weiten Teilen der “Südsee” GoogleMaps bei weitem genauer und aktueller als Seekarten, die gerne auf Daten von vor x*10 Jahren beruhen. Ausgemessen mit damals der Zeit angemessenen aber dann im Detail doch ungenauen Geräten. Da ist dann schnell ein Riff ein paar Kabel näher dran als man erwartet hat. GPS ist ja so schön genau, doof wenn es die Karten nicht sind;)

      Man liest auch, das sogar getauchte Riffe ohne Brandung in GoogleMaps sehr gut erkennbar sein sollen. Die Perfektion ist dann das Overlay aus amtlichen Karten und GoogleMaps. Da sieht man wohl schnell wo es ungenau wird…

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      • avatar dead rabbit sagt:

        irgendwo auf einer englischsprachigen Seite glaube ich gelesen zu haben, der Navigator von Alvimedica hat sich eine halbe Stunde vor dem crash noch mit der Regattaleitung über den merkwürdigrn Kurs der Vestas unterhalten. Rüberrufen hätte wohl geholfen. Vielleich irre ich mich auch. sollte es nicht möglich sein, all diese Riffs vorher als Hindernisse zu programmieren?

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  6. avatar dead rabbit sagt:

    Hab grad das crash video gesehen, sieht so aus, als ob die Jungs die brechenden Wellen vom Riff gesehen haben, sich aber keinen Reim drauf machen konnten, hätte ja auch nicht geholfen, eine crash-halse vielleicht.

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