Volvo Ocean Race: VO-65 und IMOCA – mit- aber nicht gegeneinander!

Zweiklassengesellschaft

Alex Thomson

Eines ist sicher: beide Boote werden mehr unter als über Wasser gesegelt © Hugo Boss

 

Zwei Bootsklassen in getrennter Bewertung sollen 2021/22 von ihren Crews beim VOR um die Welt gejagt werden. Ein Kompromiss – zum Vorteil des Rennens? 

Es war eine „schwierige Geburt“ und hinter den Kulissen muss es wohl das eine oder andere Mal hoch hergegangen sein. Doch nun informierte die Organisation des Volvo Ocean Race offiziell darüber, was in der Szene schon seit einiger Zeit gemunkelt wurde: Die nächste Ausgabe des Volvo Ocean Race wird auf zwei unterschiedlichen Bootsklassen gesegelt. Und nicht wie bereits früher verlautbart, ausschließlich auf modifizierten IMOCAs.

Zum dritten Mal sollen beim VOR-Rennen 2021/22 die VO-65-Racer als One-Design-Klasse zum Einsatz gebracht werden. Und erstmals sollen zeitgleich (wie bereits mehrfach berichtet) fünf bis sechs Personen starke Crews die innovativen IMOCAs um die Welt peitschen – eine Klasse, die bisher ausschließlich einhand oder zweihand gesegelt wurde. 

One-Design für die Jungen

Dabei sollen die VO-65-Racer mit „jungen Crews“ besetzt werden, die beim vergangenen Volvo Ocean Race im besonderen Maße „Flagge zeigten“ – darunter Olympia- und America’s Cup-Sieger bzw. Teilnehmer. „Hier werden die Stars von morgen geboren,“ gab sich Johan Salén, einer der neuen Eigentümer des VOR optimistisch. Man wolle so junge Talente, auch aus kleinen Bootsklassen, fördern und ihnen die Gelegenheit geben, in die Welt des Hochseesegelns einzusteigen. 

Mapfre wird von einer Welle erwischt. © Ugo Fonolla/Volvo Ocean Race

Mit dem Einsatz der IMOCA wolle man wiederum erreichen, dass sich die besten Designer und Teams auf das Abenteuer Volvo Ocean Race einlassen. So werden Design- und Konstruktionselemente ins Spiel gebracht, die das technologische Leistungsvermögen entscheidend verbessern. 

Beide Bootsklassen werden getrennt gewertet und es sei durchaus möglich, dass Rennställe in beiden Kategorien an den Start gehen werden, mutmaßte Salén weiter. 

Wird die Schere größer?

Somit sind die VOR-Organisatoren und neuen Besitzer des Rennens mehrere Kompromisse eingegangen. Denn nach der Ankündigung, man werde in Zukunft auf semi-foilenden IMOCA das VOR bestreiten, ging ein Aufschrei durch die Szene. Vor allem die Anhänger einer One-Design-Class wie dem aktuellen VO-65-Racer sahen sich hintergangen – ausgerechnet nach einem der spannendsten Rennen in der VOR-Geschichte, bei dem es (bei technischem Gleichstand der Boote) tatsächlich auf die Crew-Leistung ankam und genau dies von Millionen Fans auch gewürdigt wurde, wolle man zu einer konstruktionsbedingt eher „offenen“ Klasse wie den IMOCA zurückkehren.

Der ex Rothschild IMOCA, mit dem jetzt Boris Herrmann segelt. © Martinez/Gitana

Andrerseits waren viele kleinere IMOCA-Rennställe (vor allem) in Frankreich mehr als beunruhigt über die Aussicht, dass mit dem Eintritt des VOR ins IMOCA-Geschehen zukünftig die Schere zwischen den ganz großen Kampagnen mit ihren zweistelligen Millionenbudgets und den eher kleineren Kampagnen noch größer würde. Von den Veränderungen der strategischen Gefüge innerhalb der Klasse ganz zu schweigen. 

Zudem wurde und wird bei den IMOCA befürchtet, dass die zukünftigen Designs sich allzusehr von der bisherigen Ausrichtung „fort bewegen“: IMOCA seien nun mal per se Boote, die für den Einhand- und Zweihand -Gebrauch konzipiert wurden, basta. 

Und bei den Anhängern der One-Design-Boote beim Volvo Ocean Race wurde bereits geunkt, dass man in Zukunft eine maximale Körpergröße für die Crews der IMOCA festlegen müsse – das Platzangebot auf den Einhand-Rennern sei derart bescheiden, dass jeder Zentimeter zähle.

Erstmal beruhigen

Doch auch hier gilt: Erstmal abwarten und sehen, was da noch kommt. Es wird mit Sicherheit die eine oder andere weitere Überraschung geben, was die Zukunft des Volvo Ocean Race anbelangt.  Alles wird jetzt darauf ankommen, genügend bestehende und potentielle Rennställe in das Rennen einzubeziehen und für eine (finanziell bekanntlich sehr aufwändige) Kampagne 2021/2022 zu bewegen – egal ob in der einen oder anderen Bootsklasse (oder gar beiden!).

Die Volvo 65 fliegen auch ohne Foils über die Wellen. © Stichelbaut/Dongfeng

Fest steht jedoch, dass sich die Gemüter unter den derzeitigen  IMOCA-Seglern erstmal beruhigen werden. Denn unter ihnen haben nur sehr wenige die Ambition, beim nächsten Crew-Etappen-Rennen rund um den Globus teilzunehmen. Ihr erklärtes Ziel heißt Vendée Globe – und die wird bekanntlich einhand gesegelt. 

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Volvo Ocean Race: VO-65 und IMOCA – mit- aber nicht gegeneinander!“

  1. avatar ydun sagt:

    Soweit ich mich erinnere waren die VO-65 Boote für eine Lebensdauer von zwei Rennen geplant. Sie sind also eigentlich abgeschrieben. Ich finde auch, dass das Design der Boote auf diesem hohen Niveau abgeschrieben ist.
    Mit großem Interesse habe ich täglich das VOR verfolgt. Wohl auch wegen der erstklassigen Berichterstattung. Ich muss aber sagen, dass die enorm schnellen Booten mit den extrem offenen Cockpits unmenschlich zu segeln sind. Am Ende einer Etappe von zwei bis drei Wochen entscheiden wenige Minuten über den Sieg. Das ist hart und evtl. ungerecht. Hat mal jemand die prozentualen Leistungsunterschiede errechnet? Es heißt aber auch die Teams sind eigentlich absolut ebenbürtig. Der Fan kann nicht mehr erkennen wo die Leistungsunterschiede liegen, ist es am Ende Zufall wer gewinnt?
    Beispiel: Auf der letzten Etappe zieht das siegreiche Team den Lottoschein und segelt den weiteren Weg durch die deutsche Bucht. Für die anderen Teams kommt ein erwarteter Winddreher dreißig Min zu spät. Der Lottoschein war der Hauptgewinn….
    Leider glaube ich, dass diese zweigleisige Strategie zu viel ist. Die Veranstalter werden sich verzetteln. Eigentlich richtig wäre ein neues aktuelles One-Design zu kreieren, aber ich vermute, dass das Geld dazu fehlt.

    Wir können gespannt sein…..

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

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