Volvo Ocean Race: Von einer Wolkenfront gebremst – Mutiger Angriff von Mapfre

Das Warten hat kein Ende

Immer noch hängt die Volvo Ocean Race Flotte auch nach der Äquator-Passage in den Doldrums fest. Die Entscheidung steht kurz bevor. Mapfre hat die Brechstange ausgepackt.

“So schlimm war es noch nie”. Selbst ein alter Haudegen wie der Neuseeländer Tony Mutter (49), der sein sechstes Volvo Ocean Race segelt, kann sich nicht an eine mühsamere Passage der Flautenzone am Äquator erinnern. Die Doldrums im Atlantik waren noch kaum zu spüren, und Neptun gewährte ein fast ungebremstes Durchkommen. Aber nun werden die Nerven und Proviant-Reserven der sieben Teams besonders strapaziert.

Volvo Ocean Race

Hannah Diamond visiert auf Vests die nächste Regenwolke an. © Amory Ross/Volvo Ocean Race

Gerade Mutter hätte gestern schon hoffen können, dass es nun endlich vorbei ist. Sein Vestas-Team schien den engen Schlagabtausch gen Norden zum stabilen Ostwind zu gewinnen und zuerst den Kurs Richtung Westen nach Hong Kong einschlagen zu können.

Aber dann blockierte eine massive Wolke den Weg zum Wind. Auf der Tracker-Karte wird das durch die Ausbuchtung des Flautenfeldes visualisiert. Die drei Spitzenboote Vestas, AkzoNobel und Dongfeng lagen wieder in der Flaute.

Die Flotte stach in eine Art Ausbuchtung des Flautenfeldes und konnte immer noch nicht zum Wind durchdringen.

Eine Wolke blockierte den Weg nach Norden und Mapfre versuchte westlich durchzuschlüpfen.

Mapfre hatte den Zug zuvor verpasst und etwas den Anschluss zu den Dreien verloren. Da öffnete sich für Navigator Juan Vila plötzlich eine Türe im Westen. Der Split mutet ein wenig an, wie ein Versuch mit der Brechstange und passt bisher so gar nicht zum Verhalten der Spanier. Aber sie zogen an dem Führungstrio vorbei. Wieder schien ihnen der Super- Coup in der wohl entscheidenden Phase des Rennens zu gelingen.

Mapfre (weiß) ist auf westlichem Kurs am Führungstrio vorbei gezogen.

Doch dann setzte sich erneut die Ost-Option durch. Die Wolke zog durch und bringt nun Mapfre, Turn The Tide und Brunel an fast gleicher Position zum Stillstand.

Das Führungstrio zieht doch im Osten an Mapfre vorbei.

Immer noch führt ein nördlicher Kurs auf direktem Weg zum Windfeld.

AkzoNobel Wachführer Chris Nicholson betont noch einmal (Video), dass auch diese Flautenzonen wenig mit Glück zu tun haben. “Normalerweise kommen die besten Teams am besten durch.” Und so könnte auch der Mapfre-Move ein im Nachhinein entscheidender strategischer Fehler gewesen sein. Aber möglicherweise sahen sich die Spanier schon so unter Druck, dass sie diese Möglichkeit nutzen mussten, um vorne noch einmal ranzukommen.

So ist auch die Kurswahl von Scallywag zu verstehen. Das Heimteam segelt wieder erschreckend weit dem Feld hinterher, auch wenn es zur Zeit in der Führungsposition gezählt wird. David Witt hat einen direkten Weg zum Ziel eingeschlagen, um es mit einer Abkürzung zu versuchen. Aber es deutet wenig darauf hin, dass es sich um mehr als eine Verzweiflungstat handeln könnte. Beim Wettlauf zum Wind im Norden liegt er fast 40 Meilen hinter dem vorletzten Boot zurück.

Volvo Ocean Race Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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