Vorschlussrunde der ORC-WM vor Kiel

„Silva Neo“ auf Bronze-Kurs

Vor dem Finale aus Bronze-Platz: die Crew der GP42 'Silva Neo'.  ©segel-bilder.de

Vor dem Finale auf dem Bronze-Platz: die Crew der GP42 ‘Silva Neo’. ©segel-bilder.de

Die bei Knierim gebaute Kieler 'Desna' von Sven Wackerhagen überraschte am vorletzten WM-Tag mit zwei zweiten Rängen und ist Gesamtvierte in der Klasse ORC-A.  ©segel-bilder.de

Die bei Knierim gebaute Kieler ‘Desna’ von Sven Wackerhagen überraschte am vorletzten WM-Tag mit zwei zweiten Rängen und ist Gesamtvierte in der Klasse ORC-A. ©segel-bilder.de

Führungen für die norwegische „Santa“ (ORC A), die starke „Forte“ aus Estland (B) und die kleine „Low Noise“ (Italien) – das ist die Ausgangsposition vor der letzten und entscheidenden Wettfahrt der ORC-Weltmeisterschaft am Sonnabend in Kiel. Zurück im Medaillenkampf der großen Yachten ist die deutsche „Silva Neo“ von Dennis Gehrlein (Flensburg). Die erste Langstrecke setzte das GP42-Team zwar in den Sand. Durch den Streicher und eine konstante Serie danach kletterte es aber auf einen soliden dritten Platz. Mit einem fünften und siebten Platz am vorletzten Tag verschaffte sich die „Silva Neo“ ein Zwölf-Punkte-Polster vor der „Desna“ von Sven Wackerhagen (Kiel), die mit zwei zweiten Rängen glänzte.

Und das Titelrennen der Großen ist wieder spannend. Denn Claus Landmark (Norwegen) verteidigte mit seiner „Santa“ (Landmark 43) bei mäßiger Seebrise zwar die Spitzenposition, doch die hoch eingeschätzte TP 52 „Enfant Terrible“ von Alberto Rossi aus Italien hat mit zwei Tagessiegen bis auf sechs Zähler aufgeschlossen. Der zweimalige Weltmeister punktete nach schwachem Start in die WM bereits in der zweiten Langstrecke und durfte sich zudem über die Neuberechnung des vierten Rennens freuen. Dort hatte das Wertungssystem den Wind falsch umgesetzt und zunächst die „Santa“ auf Platz eins gesehen. Nach Korrektur ging dieser Sieg aber an die „Enfant Terrible“, die dadurch auf Gesamtrang zwei kletterte.

Die 'Enfant terrible' rundet die Luvtonne auf dem Weg zum Tagessieg der ORC-A, der den Titel wieder möglich macht.  ©segel-bilder.de

Die ‘Enfant terrible’ rundet die Luvtonne auf dem Weg zu einem Tagessieg der ORC-A, der den Titel wieder möglich macht. ©segel-bilder.de

Die deutschen Hoffnungen in der ORC-Gruppe B liegen auf der „Imagine“ von Holger Streckenbach, die sich mit beständiger Leistung auf Platz fünf vorgeschoben hat, gefolgt von der „Leu“ mit Skipper Albert Schweizer (Bremen) und der „Sporthotel“ von Kalle Dehler (Greifswald). Der Umstieg von der GP42 auf eine X-41 scheint sich für das „Imagine“-Team aus Greifswald auszuzahlen. In der Klasse der mittleren Schiffe hat sich die Crew schnell gefunden. „Wir sind selbst erstaunt, dass es so gut läuft. Eigentlich war nur das Erreichen der Goldflotte unser Ziel. Wir haben in diesem Jahr aber ganz gut trainiert und auch bei der X-41-WM Erfahrungen gesammelt“, berichtete Streckenbach.

Der Umstieg auf die X-41 erfolgte vor allem aus familiären Gründen, um das Schiff auch für den Urlaub nutzen zu können. Allerdings ist die Familie mit zwei Söhnen und einer Tochter auch während der WM an Bord vertreten. „Für den Abschluss nehmen wir eine Top-Ten-Platzierung ins Visier. Und beste deutsche Yacht zu sein, wäre natürlich toll“, so Streckenbach. An der Spitze stehen weiterhin die Esten von der „Forte“ (Jaak Jögi), die mit einem vierten und einem ersten Platz ihre Position festigten und 17 Punkte Vorsprung vor den nächsten Verfolgern haben.

Hinter der überlegenen Esten der 'Forte' ist ab Rang zwei in der engen Gruppe ORC-B - hier auf dem Vorwindgang - noch alles offen.  ©segel-bilder.de

Hinter den überlegenen Esten mit der ‘Forte’ ist in der engen Gruppe ORC-B – hier auf dem Vorwindgang – noch alles offen. ©segel-bilder.de

In der Klasse ORC-C blieb die „Sportsfreund“ von Axel Seehafer aus Heiligenhafen als Siebte bestes deutsches Schiff, büßte allerdings ihre Medaillenchancen weitgehend ein. Die X-332 Sport machte in den ersten WM-Tagen durch ihre spezielle Genua für Leichtwindbedingungen auf sich aufmerksam. Sie kann über ein Cunningham im Vorliek getrimmt werden. Sofort kam die Frage nach einer eigenen Bewertung in der ORC-Formel auf. Ein entsprechender Protest der Konkurrenz wurde zwar aus formalen Gründen abgelehnt. Und DSV-Vermesser Boris Hepp erklärte, dass das ORC das Segel bereits im Vorwege für legal erklärt hatte, auch wenn es nicht dessen Intention entsprach: „Wir hatten eine Anfrage und haben es zunächst als korrekt angesehen.“

Tatsächlich nutzt diese Konstruktion eine Lücke in der Formel, die das Segel in seinen aerodynamischen Eigenschaften wie eines mit loose luff, also losem Vorliek berechnet. Tatsächlich kann das Vorliek per Cunningham gestrafft werden (tight luff), wodurch die „Sportsfreud“ bei sehr leichten Winden höher fahren kann. Da ein Cunningham aber nicht verboten ist, war es als legal zu bewerten. Für die extremen Leichtwindbedingungen war diese Genua bei dieser WM in einigen Rennen das bessere Segel. „Aber es entspricht nicht dem Grundgedanken der ORC-Formel. Daher wird es im Herbst eine entsprechende Anpassung geben“, meint Hepp.

Die „Sportsfreund“-Crew durfte sich über die neidvollen Blicke der Konkurrenz freuen und hat auch am Freitag mit einem fünften und einem elften Platz bewiesen, wie gut sie bei Mittelwind unterwegs ist. „Wir sind nah an unserem Optimum gesegelt, auch wenn die Resultate diesmal nicht ganz so waren, wie erhofft“, sagte Taktiker Jesper Radich. „Aber die Starts waren sehr gut, und auch die Manöver passten. Es gibt da nur Details zu verbessern. Die Vorhersage für den Schlusstag mit Starkwind kommt uns gerade recht, da wollen wir noch mal alles geben.“ Sicher auf Goldkurs scheint allerdings die erfolgsverwöhnte „Low Noise“ aus Italien zu liegen. Duccio Colombi erwirtschaftete mit seiner Crew und den beiden Tagessiegen einen komfortablen Vorsprung von 13 Punkten auf Platz zwei.

Die vollständigen Ergebnisse stehen unter http://www.orcworlds.com/index.php/official-noticeboard/results/

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