Weltcup Hyères: Trotz Nasenbeinbruch – Französische Vorschoterin mit Leonie Meyer vierte

Gemischte Bilanz

Die deutsche Segel-Nationalmannschaft konnte sich in den Medalraces nicht mehr entscheidend verbessern. Nur Meyer/Vandame glänzten im 49er FX.

Das deutschfranzösische Duo Meyer/Vandame im 49er FX

Das deutschfranzösische Duo Meyer/Vandame segelt im 49er FX überraschend auf Rang vier. © Marina Könitzer

“Ich bin wirklich mit einer Heldin gesegelt!”, sagt Leonie Meyer nach dem überraschenden vierten Platz beim Weltcup in Hyères. “Caroline hat sich am Mittwoch vor dem letzten Rennen bei einer Kenterung die Nase gebrochen, und obwohl sie echt viel Blut verloren hat, war sie auf keinen Fall davon abzubringen, weiter mitzusegeln. Und am nächsten Tag? Na da gings dann mit Protektor gleich wieder aufs Wasser! Ohne ihren Kampfgeist wären wir auf keinen Fall bis ins Medal Race gekommen.”

Das 49er FX Not-Team, das nach dem Kreuzbandriss von Elena Stoffers in Palma, auf die Schnelle zusammengewürfelt wurde, sorgte aus deutscher Sicht für die größte Überraschung bei den Medalraces. Bei sehr schwachem Wind konnte Meyer mit der Europe-Seglerin Vandame, die bei der WM 2012 im Frauen-Feld Platz 23 ersegelte, zwei der drei doppelt zählenden Finalläufe gewinnen. Damit überholte das Duo noch Tina Lutz und Susann Beucke, die auf Rang acht zurück fielen.

Nasenbein gebrochen im 49er FX

Caroline Vandame bricht sich bei einer Kenterung das Nasenbein segelt die Serie im 49er FX aber dennoch zuende. © Meyer

Auch die 49er Jungs Heil/Plößel konnten bei den Finalrennen im 49er nicht mehr punkten und landeten schließlich auf Rang acht. Sie zeigten aber wie ihre Kolleginnen, dass sie sich ihren festen Platz in der Weltspitze erobert haben. Zwei Disqualifikationen (Protest und Frühstart) verhinderten ein Top fünf Ergebnis.

An der Weltspitze sind auch wie erwartet Bochmann/Panuschka bei den 470er Frauen angekommen. Im Medalrace zeigten sie mit den Plätzen 2/7, dass die Fußstapfen von Kadelbach/Belcher und Lutz/Beucke nicht zu groß sind und das unglückliche Ergebnis in Palma ein Ausrutscher war. Platz acht ist eine starke Basis für die weitere Arbeit.

Freude über die erste Medalrace-Teilnahme in einem gut besetzten Weltcup Feld zeigten Jasper Wagner und Dustin Baldewein im 470er. Mit 7/9 konnten sie sich zwar nicht verbessern, aber die Erfahrung dürfte für Selbstvertrauen gesorgt haben. Ferdinand Gerz und Patrick Follmann hatten als 33. die Goldfleet um einen Platz verpasst, erledigten aber professionell in der Silberflotte die ungeliebte Pflicht diesen Platz zu verteidigen. Sie siegten dreimal.

Damit kann sich die Bilanz der Olympiasegler durchaus sehen lassen mit fünf Medalrace-Teilnahmen. Im Nacra 17 ist allerdings noch kein deutsches Boot in Sicht, das annähernd an der Spitze mitmischen könnte. Und Finn-Segler Lennart Luttkus segelt für einen Einsteiger sicher gut, dürfte es aber als bisheriger deutscher Einzelkämpfer (Platz 29) nicht einfach haben, sich in die Weltspitze vorzukämpfen.

Absoluter Überflieger der Rennwoche war wieder einmal der australische 470er Olympiasieger  Mathew Belcher mit seinem neuen Vorschoter Will Ryan. Sie zementierten die zweijährige Siegesserie mit zwei Medalrace Siegen und einem Vorsprung von 32 Punkten.

In diese Region stieß auch die Laser Radial Siegerin und Ainslie Freundin Marit Bouwmeester vor, die es bei ihrem Sieg auf 17 Punkte Vorsprung brachte. Altmeister Robert Scheidt (40) verpasste zwar den Sieg bei den Lasern landete bei seinem Weltcup Comeback aber immer noch auf einem nicht für möglich gehaltenen zweiten Platz.

Der Brasilianer fand allerdings harsche Worte für das neue Weltcup Format. Die Medalraces bei Flaute hielt er für unwürdig. Und auch die geringe Bedeutung der Qualifikationsrennen fand bei ihm wenig Begeisterung. Er mahnt, dass man auch die Segler zu Wort kommen lassen sollte bei der Entscheidung, wie sehr man den Sport den Medien zuliebe verändern sollte:

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Weltcup Hyères: Trotz Nasenbeinbruch – Französische Vorschoterin mit Leonie Meyer vierte“

  1. avatar GER1692 sagt:

    Leonie Meyer scheint ihren Vorschotfrauen kein Glück zu bringen 🙂

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    • avatar Marc sagt:

      Oder 49er FX segeln ist sau gefährlich. Finger gebrochen, Nase, was kommt als nächstes?

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      • avatar Christian sagt:

        das mit den relativ vielen Verletzungen wird sich schon geben, wenn die Frauen erstmal mehr trainiert haben und sie a) weniger kentern und b) wenn doch, dann geschickter kentern.

        Respekt übrigens vor Vandame, da können wir Jungs uns mal ne Scheibe abschneiden in Sachen Kampfgeist.

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      • avatar Carl sagt:

        Ist doch von der Isaf so gewollt: spektakulär und medial gut einsetzbar, fehlt jetzt nur noch die Reporterpaparazzischar, die auf den Bahnen Blut sehen wollen. Dann kommt es auch garantiert auf die erste Seite der Bild.

        Bei den beiden neuen Olympischen Klassen gab es schon seit Einführung Bein- und Handbrüche, Bänderrisse, Schnittwunden an allen möglichen Körperteilen, Bandscheibenvorfälle usw.

        Die hohe Ausfallquote könnte sich zum Problem entwickeln….

        PS : der jungen Seglerin gute Besserung.

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        • avatar Hobby-Regatteur sagt:

          Neue Olympia-Bootsklassen sind kausal für Bandscheibenvorfälle? Na ja.

          Jenseits der Sturzverletzungen, die sich auch aus der höheren kinetischen Energien und Fall-Höhen bei Skiff/Katamaran ergeben, sollten die langfristigen Belastungen auf die Wirbelsäule der Segler durch exzessives Ausreiten nicht unterschätzt werden.
          Sowohl Laser als auch Finn Dinghy sind für den Rücken regelhaft belastender als die mit Trapez ausgerüsteten Boote.

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          • avatar Carsten Kemmling sagt:

            na ja. eine seit geraumer zeit angewandte regeländerung hat gerade bei den 470ern dazu geführt, dass der vorschoter ab einer bestimmten windstärke exzessiv am draht rocken darf. er hängt dabei nur am arm. dabei kommt das achterliek wie bei den surfen in schwingung und beschleunigt die strömung am segel. für den rücken ist das bestimmt schlechter als klassisches ausreiten. aber die typen sind athleten, die genau für solche spezifischen belastungen trainieren.

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        • avatar Super-Spät-Segler sagt:

          Früher war alles besser!

          Siehe http://www.aerzteblatt.de/archiv/15887/Sportmedizinische-Aspekte-beim-Segeln

          Bei einer Umfrage in den 1980er Jahren an 100 Seglern (4, 7) klagten 40 Prozent der Teilnehmer während der Kieler Woche über Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule. Das Beschwerdebild war abhängig von der gesegelten Bootsklasse. So wurden die häufigsten Beschwerden bei den Finnseglern, die wenigsten bei den Steuerleuten der 470er angegeben.

          Die akuten Verletzungen (6) betreffen überwiegend die Hände, den Kopf sowie Kniegelenke und Füße.

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  2. avatar Ballbreaker sagt:

    Zitat:
    “Der Brasilianer fand allerdings harsche Worte für das neue Weltcup Format. Die Medalraces bei Flaute hielt er für unwürdig. Und auch die geringe Bedeutung der Qualifikationsrennen fand bei ihm wenig Begeisterung. Er mahnt, dass man auch die Segler zu Wort kommen lassen sollte bei der Entscheidung, wie sehr man den Sport den Medien zuliebe verändern sollte:”

    Danke! Damit wäre eigentlich auch alles zu dem neuen Format gesagt!

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  3. avatar Janninger sagt:

    Schade, dass Sonar und 2.4m in Eurer Berichterstattung vom Weltcup in Hyeres keine Rolle spielen.
    Für alle, die es interessiert:

    2.4m Heiko Kröger / Germany: 1 Platz
    Sonar Jens Kroker, Siggi Mainka, Robert Prem / Germany: 2. Platz

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