WM Laser, 49er, 49erFX und Nacra17: Philipp Buhl sorgt für strahlende deutsche Bilanz

Lohn der harten Arbeit

Viel Licht in Melbourne, etwas schattiger ist es dagegen auf der anderen Seite der Port-Phillip-Bucht in Australien. So ließe sich die Stimmungslage der deutschen Segler bei den Weltmeisterschaften in vier Olympiadisziplinen beschreiben. Während Philipp Buhl in unglaublicher Beständigkeit Spitzenresultate zur Laser-WM vor Melbourne einfährt, gab es zum Start der Finalrunde der Skiffs und bei den Nacra17 vor Geelong wechselhafte Ergebnisse für das German Sailing Team.

Philipp Buhl segelt vor Melbourne derzeit in einer eigenen Liga. Foto: Tom West

Laser WM

Die Serie, die Philipp Buhl aktuell vor Melbourne auf das Wasser zaubert, ist respekteinflößend: Nach sechs Rennen lautet seine Bilanz: vier Siege, ein zweiter und ein vierter Platz. Damit zieht er als Führender und in der Gewissheit, bisher kein Streichresultat in der Serie zu haben, in die Finalrunde ein.

Nur der Franzose Jean-Baptiste Bernaz kann der Performance von Buhl annähernd folgen, hat nach den Gruppenrennen ebenfalls vier Siege in der Liste stehen und als schlechtestes Resultat einen siebten Platz. Lediglich zwei Punkte trennen die beiden Führenden. Die WM-Entscheidung bleibt also weiterhin spannend.

Die intensive Arbeit in den vergangenen Monaten scheint sich für Philipp Buhl auszuzahlen. Foto: Tom West

Grundlage für den starken Auftritt der deutschen Olympia-Hoffnung ist die klar auf die WM ausgerichtete Vorbereitung. Im November vergangenen Jahres war Buhl bereits für einen kompletten Monat in Melbourne bereitete sich mit kleineren Regatten und internationalem Vergleich auf 2020 vor. Den Dezember nutzte er zur Erholung und physischen Vorbereitung in Deutschland und reiste Mitte Januar wieder nach Melbourne.

Die internationale Sail-Melbourne-Regatta, die Bernaz gewinnen konnte, ließ Buhl hingegen aus, um weiter an der Bootsbeherrschung und der Kondition zu arbeiten. Das scheint sich jetzt auszuzahlen. „Das Ziel der Vorbereitung war, an meiner Konstanz zu arbeiten, die ich in 2017 und 2018 hatte. In 2019 gab es dagegen zu viele Downs, sicher auch weil das internationale Niveau deutlich angezogen hat“, berichtete Buhl im Interview mit dem australischen Reporter Jon Emmet.

Der Plan scheint bisher voll aufzugehen. Doch der Fokus für 2020 liegt auch weniger auf den Weltmeisterschaften als vielmehr auf den Olympischen Spielen im Sommer in Enoshima. Daher will das deutsche Team nach der Rückkehr nach Europa intensiv in einer Trainingsgruppe mit den Skandinavier Jesper Stalheim (Schweden), Hermann Tomasgaard (Norwegen) und Kaarle Tapper (Finnland) arbeiten. Dazu zählt auch Nik Aaron Willim. Der junge Schleswiger läuft nach längerer Verletzung allerdings noch seiner Form hinterher und verpasste als 62 von Melbourne das Goldfleet der WM.

Zwischenergebnisse Laser-WM

49er WM

Justus Schmidt/Max Boehme (GER 59) erwischten einen guten Start in die Finalserie. Foto: sailing energy

Der erste Tag der Finalrunde mit vier Rennen in der Goldflotte der besten 25 Teams wirbelte die Spitze des 49er-WM-Feldes vor Geelong kräftig durch. Kaum ein Team kam ungerupft davon. Eine der beständigsten Leistungen zeigten indes die Kieler Justus Schmidt/Max Boehme, die mit den Platzierungen 7, 4, 6, 10 einen Sprung von Rang 14 bis auf Platz sieben machten. Damit hängen sie nun Erik Heil/Thomas Plößel direkt im Nacken, die arg gebeutelt von der Bahn kamen.

Live-Übertragung von der 49er und Nacra-Bahn:

Mit der Serie 10, 25, 12 hatten sie zwischenzeitlich den Kontakt zu den Medaillenrängen verloren, rückten durch einen Tagessieg zum Abschluss aber wieder auf Platz vier vor. Die deutsche Ausscheidung um das Olympiaticket gewinnt wieder an Fahrt. Sollten Schmidt/Boehme weiter ihren Trend nach oben fortsetzen können, könnten sie möglicherweise ihren Punkterückstand auf Heil/Plößel nach der WM 2019 verkürzen und hätten damit vor der entscheidenden Ausscheidungsregatta (Princess Sofia) zumindest noch eine Chance auf Tokio.

An der Spitze des aktuellen WM-feldes hat nach dem ersten Tag der Finalrunde die Führung gewechselt. Die Österreicher Benjamin Bildstein/David Hussl liegen nun vor Peter Burling/Blair Tuke (Neuseeland).

Zwischenergebnisse 49er-WM

49erFX WM

Victoria Jurczok/Anika Lorenz machen als derzeit WM-Fünfte die deutsche Olympia-Ausscheidung wieder spannend. Foto: sailing energy

Spannung zieht auf jeden Fall in die deutsche Olympia-Ausscheidung der Skiff-Frauen ein. Denn nach ihrem starken Auftakt rutschen Tina Lutz und Ersatzvorschoterin Lotta Wiemers im Ranking weiter ab. In den drei Rennen der Top-25-Teams musste das Duo gleich zwei 24. Ränge verkraften, erst ein vierter Platz zum Abschluss brachte wieder etwas Ruhe ins Geschehen.

Mit Gesamtplatz 14 haben sie aber die nationalen Konkurrentinnen um Olympia, Victoria Jurczok/Anika Lorenz, deutlich vor sich. Die Berlinerinnen halten eine Topplatzierung (5.), obwohl auch sie mit nur mäßigen Ergebnissen (13, 17, 12) in die Goldflotte gestartet sind. Die beiden ersten WM-Plätze sind damit schon in weite Ferne gerückt, aber das Podium ist für Jurczok/Lorenz noch in greifbarer Nähe.

Zwischenergebnisse 49erFX-WM

Nacra17 WM

Ohne Aufteilung des Feldes segelt die Flotte der 33 Nacra17-Teams durch die WM. Für die deutsche Crew Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer geht es weiterhin darum, die Zugehörigkeit zur erweiterten Weltspitze nachzuweisen. Als aktuell Elfte haben sie weiterhin gute Chancen auf das Erreichen des Medal Races. Aber das Feld ist zwischen Platz sieben und 15 eng gestaffelt.

Zwischenergebnisse Nacra17-WM

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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