World Sailing: Drohende Pleite nach Olympia-Verschiebung – Streit um Unterschriften

Schwere Schlagseite

Der Weltseglerverband stand schon vor der Corona-Krise finanziell schwer unter Druck. Nach dem Olympia-Aus für 2020 wird es für Präsident Kim Andersen noch schwieriger, die Pleite abzuwenden.

Der dänische World Sailing Präsident Kim Andersen in Bermuda. © Tom Robertson/World Sailing

In Zeiten der Krise ist bei World Sailing (WS), dem internationalen Dachverband für Segelsport, ein heftiger Streit um die Interpretation der aktuellen Finanzlage ausgebrochen. Sie könnte Präsident Kim Andersen den Job kosten.

Die Diskussion gab es schon vor der Corona-Krise. Der Däne wurde von verschiedenen Seiten wegen seines Finanzmanagements gerügt. Dabei lag ein Großteil der Verantwortung bei dem Briten Andy Hunt, der World Sailing dreieinhalb Jahre als CEO vorstand, aber im Oktober das Amt aufgegeben hatte. Bisher wurde die Stelle nicht neu besetzt.

Die Finanzlage von World Sailing war angespannt und hatte durch hohe Kosten in verschiedenen Bereichen einen Zugriff auf die Rücklagen erfordert. Man versuchte die Zeit so lange zu strecken, bis die erwarteten Gelder von den Olympischen Spielen fließen. Doch aus diesem Topf ist nun erst einmal nichts zu erwarten.

Die Miete drückt

WS-Vizepräsident Scott Perry hat gegenüber der norwegischen Zeitschrift ‘Seil’ zugegeben, dass die Situation äußerst prekär ist. Mehrere Maßnahmen seien erforderlich, um die Pleite abzuwenden:

Die Löhne der Arbeitnehmer müssten um 20 Prozent gesenkt werden. Soforthilfe der britischen Regierung für kleine Unternehmen sollte schnellstmöglich fließen. Der  Mietvertrag für den Londoner Büros muss neu verhandelt werden und das IOC solle mit einer Vorauszahlung helfen.

Besonders schwer drücke World Sailing die Last der Büromiete mit jährlich rund 566.000 Euro. Vor drei Jahren war der Mietvertrag in Southampton ausgelaufen, und man war – wohl auch aus repräsentativen Gründen – nach London gezogen, wo die Kosten auf das Vierfache stiegen. Der aktuelle Vertrag läuft noch sieben Jahre und wird immer mehr zu einem großen Problem.

Dazu kommen die fehlenden Gelder vom IOC, die normalerweise nach den Olympischen Spielen ausgezahlt werden. Perry sagt gegenüber ‘Seil’, dass World Sailing auf eine Einigung mit dem IOC hofft, wonach ein Viertel des geschätzten Betrags, der nach den verschobenen Spielen 2021 in Japan erwartet wird, jetzt schon vorab im August ausgezahlt wird. Aber es gibt große Zweifel, ob sich diese Hoffnung tatsächlich erfüllt. Denn das IOC hat selber große Probleme, Verpflichtungen einhalten zu können.

Kleinkrieg um Missmanagement

Als wären die Finanznöte nicht genug, liefert sich Andersen einen unschöner Kleinkrieg mit dem Video-Blogger Tom Ehman (67). Der langjährige Sprecher von BMW Oracle Racing, arbeitet sich schon länger am aktuellen WS-Präsidenten ab, wirft ihm Missmanagement vor.

Corpus delicti. Die Unterschriften unter dem Dementi sind offenbar nicht autorisiert.

Besonders peinlich ist für Andersen der jüngste Vorfall. Ehmann hatte sich bei seiner öffentlichen Kritik delikaterweise auf die beiden WS-Vizepräsidenten Scott Perry und Gary Jobson als Quellen bezogen. Sie dementierten (scheinbar) umgehend diese Sichtweise per Mail, die von World Sailing an Ehman geschickt wurde. Das Problem: Die beiden Unterschriften waren nicht von ihnen autorisiert, sondern in die Mail kopiert worden. Dieser Vorgang wird nun von der World Sailing Ethik-Kommission bearbeitet.

Dabei geht es auch um Andersens Posten. Denn im November stehen bei World Sailing Neuwahlen an. Nach vier Jahren im Amt und den jüngsten Verwerfungen lichtet sich der Kreis seiner Unterstützer. Im August 2019 hat sich Gerardo Seeliger als Gegenkandidat in Stellung gebracht. Dem Finn-Dinghy-Segler und Klassen-Ehrenpräsident aus Spanien werden gute Chancen eingeräumt.

Vizepräsident Perry geht im Interview mit den Norwegern nicht explizit auf den Disput ein. Er betont, dass es jetzt an der Zeit ist, zusammen zu stehen und eine kollektive Verantwortung zu übernehmen, auch wenn es im Vorstand einige Meinungsverschiedenheiten gäbe. Aber er stellt fest, dass eine Insolvenz eine reale Gefahr ist.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „World Sailing: Drohende Pleite nach Olympia-Verschiebung – Streit um Unterschriften“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Tom Ehman kann man ja kaum absprechen, dass er eine Prise Rest-Ahnung von Sport-Management hat. Und wenn die Miete p.a. um 425.000 steigt, dann ist das in Zeiten prekärer Kassen wahrscheinlich nicht der smartest Move. Ich wäre dankbar, wenn sich WS an die Regeln ordnungsgemäßer Buchführung dergestalt halten würden, dass da keine Schulden gemacht werden. Geld was man nicht hat kann man nicht ausgeben.

    PS: Wenn sich Hamburg bitte nächstes Mal als neue Heimatstadt für WS bewirbt, dann kann ja Tom Ehman auch wieder in sein altes Haus in Blankenese ziehen….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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