Youth America’s Cup: Geld angewiesen, Entscheidung vom ACM steht noch aus

Erste Hürde genommen

Es scheint vollbracht. Das All In Racing Team hat dem America’s Cup Race Management als Organisator des Red Bull Youth America’s Cups die geforderten Zusagen über 48.000 Euro geliefert.

Am Dienstag abend drohte es knapp zu werden mit der vom ACM gesetzten Deadline (29.5. 9 Uhr) für die erste Budget Hürde. Anian Schreiber telefonierte sich weiterhin die Ohren blutig und die Jungs rasten für Gespäche mit potenziellen Unterstützern quer durch Deutschland.

Über Segel-Reporter waren 85 Spenden im Wert von 10.276,65 Euro zusammengekommen. Dazu stehen die Sponsoren Budweiser alkoholfrei, econ Industries und die Meichle + Mohr Marina am Bodensee für 20.000 Euro gerade, und die Jungs selber sind mit 13.200 Euro an ihren Notgroschen gegangen. Zum gesicherten Budget war also noch eine Lücke vorhanden.

HanseYachts Gründer Michael Schmidt bei einem Interview mit SegelReporter. © SegelReporter.com

Dann kam am Abend der Anruf von Michael Schmidt bei Segel-Reporter. “Wie schätzt ihr die Jungs ein?” fragte der ehemalige Hanse Yachts Chef. “Das Projekt finde ich Klasse. Was brauchen sie noch?” Er sagte schließlich 10.000 Euro zu.

Er unterschrieb auf seinem Schiff vor Sizilien ein Letter of Intend  (LOI), mailte es an Schreiber. Dazu kamen die verbreiften Absichtserklärungen der Sponsoren und das LOI von Andreas John für SR über die Zahlung der Leser-Spendensumme. Schreiber jubelte am Telefon. “Ein riesiges Dankeschön an alle Leser!” aus. Zack ist die erste Hürde genommen.

All In Racing

Für einen Start des deutschen All In Racing Teams musten bis Mittwoch 48.000 Euro in den Topf. © AIR

So sollte es jedenfalls sein. Aber die Jungs wollen noch nicht laut jubeln, bevor es kein offizielles Go aus San Francisco gibt. Das Budget Ultimatum war zu hart und überraschend vom ACM gesetzt worden. Man könnte befürchten, dass es auf der anderen Seite des Teichs nicht nur Befürworter eines Team Germany Starts beim Red Bull Youth America’s Cups gibt.

“Boden unter den Füßen weggezogen”

Michael Schmidt ist es jedenfalls ein großes Bedürfnis, das All In Racing Team an den Start zu bekommen. Der Unternehmer hat nach dem Verkauf der Hanse Werft 2011 an den Münchener Finanzinvestor Aurelius die Regattasegelei wiederentdeckt, die er in jungen Jahren auf hohem Niveau unter anderem in der OK-Jolle und beim Admiral’s Cup ausübte. Seit dem Winter segelt er mit Malte Phillip Drachen und bereitet sich nach Platz 20 bei der EM in Portugal auf den Gold Cup und die WM vor.

“Die jungen Leute haben bei der Qualifikation in San Francisco einen guten Job gemacht, und dann wird ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen”, sagt Schmidt im Interview bei SR. “Ich finde es traurig, wie mit ihnen umgegangen wird. So kann man keine Elitenförderung betreiben. Die Reaktion der Jungs finde ich Klasse. Es gehört etwas Verrücktheit dazu, das in die eigene Hand zu nehmen. Aber nur so wird heutzutage noch etwas bewegt. Diese Eigeninitiative gegen ein sogenanntes Establishment hat für mich großen Charme.”

Dabei will Schmidt seine Unterstützung nicht als Zustimmung für den aktuellen America’s Cup mit den AC 72 sehen. “Dieser Cup ist krank. Da geht es nicht mehr um Schach auf dem Wasser sondern um Proll-Speed. Ich finde es extrem traurig, dass bei der Kenterung ein Segler gestorben ist. Aber diese kleineren AC45 Katamarane haben nichts mit den großen zu tun. Das sind völlig unterschiedliche Themen.”

Darüberhinaus fühlt sich Schmidt an seine Anfänge erinnert. “Man sollte nicht vergessen, dass es früher auch nicht einfach von alleine lief. Mir haben damals auch Leute geholfen. Ich kenne die Jungs zwar nicht, aber ich habe ein gutes Gefühl. Die sind in Ordnung.”

Wie geht es nun weiter? Erst wird mit Spannung das Go vom ACM erwartet. Danach muss die Budget-Planung konkretisiert werden. Weitere Geldgeber und Sponsoren stehen in den Startlöchern, um die nächste Hürde zu schaffen. 80.000 Euro ist das Minimum, aber richtig konkurrenzfähig wird All In Racing wohl erst mit einem Budget von über 100.000 Euro. Dabei geht es unter anderem um den Erwerb von Vorsegeln, die die Teams selber mitbringen müssen, oder der Bezahlung eines Coaches.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Spenden
https://yachtservice-sb.com

9 Kommentare zu „Youth America’s Cup: Geld angewiesen, Entscheidung vom ACM steht noch aus“

  1. avatar o_O sagt:

    das ist so derbe geil herr schmidt!
    und alle anderen auch 🙂

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  2. avatar Marc sagt:

    Glückwunsch, macht ca 53.476 EUR. Ein gutes Zeichen, dass auch in sehr kurzer Zeit so ein Budget in Deutschland zu stande gekommen ist. Etwas traurig das erst Segler spenden müssen bis die “großen” mitziehen, aber Respekt an Hanse, Budweise und Co. dass es doch noch geklappt hat.

    Denke auch die Jungs werden sie nicht enttäuschen und mit guten Ergebnissen und viel Presseberichten aus SF glänzen. Schade das es nicht mehr Leute wie Michael Schmidt gibt.

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    • avatar seilor sagt:

      Schmiddel hat Hanse verkauft … die Taler gibt er dann wohl aus der Privatbörse. Find ich cool 🙂 alle anderen Spender natürlich auch.

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  3. avatar T.K. sagt:

    Klasse dass es geklappt hat!

    BTW: Michael Schmidt war Mr. Hanse ist aber nach dem Verkauf seiner Bootsfabrik heute Privatier! Hat das also aus seinem Privatsäckel bezahlt. Hanse hat m.E. nix damit zu tun!

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  4. avatar Segelass sagt:

    Das allertraurigste ist halt, dass das behämmerte STG die Jungs immer noch auf der Seite hat…. http://www.sailing-team-germany.de/teams/youth-americas-cup/

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  5. avatar Peter sagt:

    Neue, schnelle Vorsegel? Na komm Matschi – das ist doch eine prima Möglichkeit für North Sails sich glänzend zu präsentieren und die Jungs zu unterstützen! 😉

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  6. avatar Klaus sagt:

    “Dieser Cup ist krank. Da geht es nicht mehr um Schach auf dem Wasser sondern um Proll-Speed.” Danke Herr Schmidt, Sie sprechen mir aus der Seele. Früher wurde der Cup von Gentlemen ausgesegelt, heute von Larry Ellison & Co.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 8

  7. avatar F. B. sagt:

    Glückwunsch an die motivierte und kämpferische deutsche YAC-Mannschaft: Buhl, Heil, Boehme, Kohlhoff, Heitzig, Schmidt und Seifarth. Glückwunsch, auch wenn sie wegen des lieben Geldes erst auf der vor- oder sogar erst drittletzten Stufe der Hürdenleiter bis zum Start angelangt sind. Ich denke aber, man kann sicher sein, dass sie auch den Rest erklimmen und dann im September ihr Bestes geben werden, worüber dann noch viel Spannendes zu berichten sein dürfte. Dann werden die einztigen Initiatoren den eklatanten Fehler des Rückzuges ihres angeheizten und in Fahrt gekommenen Teams erst richtig begreifen. Man könnte auch sagen: Schade für sie. Denn immerhin kam von ihnen die Idee und einiges anfängliches Engagement.

    Neben dem eigenen faszinierenden Volleinsatz des Teams war der erste Teilsieg um die Teilnahme insbesondere durch gönnerhafte Geldgeber möglich (großartig!), aber auch durch sonstige eifrige und einsatzfreudige Helfer und nicht zuletzt durch mehrere Medien (durchaus nicht alle, auch wenn sie darüber berichtet hatten). Allen voran muss hier dieser Berichterstatter, der Segelreporter genannt werden. Er war nicht nur Spender, sondern schnellster und lebhaftester und durchwegs sehr guter Berichterstatter in dieser Sache. In all den Berichten des SR, und aufgrund ihres im Handumdrehen eingerichteten Spendenkontos sowieso, kam stets zum Ausdruck, dass er nicht nur berichten sondern auch wirklich helfen will. Prima und wirklich dankenswürdig – alle zum Gelingen beigetragenen Aktionen!

    Für die Zukunft könnte das Fußfassen einer so jungen Mannschaft im echt professionellen Segeln eine Menge Positives für diesen Sport in unserem Lande mit sich bringen. Dazu wäre es aber auch nötig, dass der AC-Rahmen sich wieder mehr normalisiert. Er ist nämlich tatsächlich in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen zunehmend aus den Fugen geraten und somit längerfristig in Gefahr. In jüngster Zeit trotz oder gerade wegen der überspannten Hightech und Dimensionen (gemeint ist weniger der AC45), welche die klassisch verwurzelte Segler-Begeisterung – wenn überhaupt – nur mehr begrenzt fördert und somit auch nicht die der Medien und folglich nicht die des großen Publikums.
    Jetzt wollen wir aber erst einmal die jungen deutschen Angreifer auf den noch vernünftigen AC45-Geräten gut abschneiden sehen. Freuen wir uns auf ihren Auftritt. Toi-toi-toi!!

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