Knarrblog: Wie ein Steuerbord-Start funktionieren kann

Geht doch!

Schöner Steuerbord-Start. Wir (blau) rauschen mit Wind von Backbord hinter zahlreichen Hecks durch und sparen uns eine Wende. Dadurch bleibt die Geschwindigkeit hoch. Der Vorteil reicht aus, obwohl die linke Seite der Linie stark bevorteilt ist. Aber die linke Seite der Kreuz liegt in der Abdeckung. Gelb ist eine Gefahr, wendet aber. Grün ist gefährlich, kommt aber nicht in die Gänge.

Ein herrlicher Tag. Die Vögel zwitschern, die Sonne lacht, es ist Mittwochsregatta und Drachen “Dragonheart” liegt weit vorne. Letzteres könnte für ein positives Tages-Fazit schon ausreichen, auch wenn es aus Kübeln gießen würde. Aber so passt eben alles zusammen.

Der nach dem Chaos Desaster der vergangenen Woche ausgewechselte Pinnenausleger bringt ein neues Hoch-Gefühl auf das Boot. Jedenfalls steht das Teil mit dem neuen Gummi-Gelenk wie eine eins und ermutigt die Crew auf dem Nachbarboot zum passenden Herrenwitz: „Ist doch schön, dass im Alter noch etwas steht.“

Dabei habe ich Probleme, den widerspenstigen Gummiknüppel nicht bei jeder Wende ins eigene oder Dirks Auge zu stechen. Kurz vor dem Start stellen wir noch fest, dass niemand eine Startuhr dabei hat, und ich bei einem Sekundenzeiger die Umdrehungen mitzählen muss. Aber das hilft dabei, den dritten Frühstart in Folge zu vermeiden.

Tatsächlich funktioniert der Startplan exzellent. Er ist ein wenig risikoreich. Die linke Seite der Linie ist stark bevorteilt. Die linke Seite der Startkreuz liegt aber ziemlich in der Landabdeckung. Man möchte also am liebsten in der Mitte starten und möglichst schnell mit Wind von Backbord auf den See raus fahren.

Eine schnelle Wende wäre nötig. Die ist aber besonders in einem Drachenfeld und erst recht bei relativ wenig Wind schwierig. Die Boote wenden so langsam, dass man es selten schafft, vor den Wegerechtsbooten zu passieren.

Also ein Steuerbord-Start. Der ist etwas haarig, weil man wie ein Fremdkörper im Vorstart-Feld liegt und allen Wegerechtsbooten ausweichen muss. Noch lange nach dem Startschuss passieren wir einige Hecks.

Ich peile noch den Hintern eines Bootes mit hübscher gelber Genua von der Drachen Charity Regatta an. Aber das wendet, verliert seine Fahrt und wir rauschen in Luv drüber. Die Erlösung. Freies Wasser liegt vor uns.

Die besten Starter in der Mitte der Linie haben inzwischen auch gewendet. Sie verlieren dabei ihren Speed und sacken aus der Luvposition auf uns herunter. Selbst eine Linksdrehung verschlechtert die Position nicht. An der Luvtonne beträgt die Führung knapp sechs Bootslängen. Wir fahren sie nach Hause.

Ein schöner, warmer Spätsommer Tag. Irgendwie schmeckt an diesem Abend auch das Bier noch besser.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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