Mit der Dehler 32 bei der Deltaweek. Teil 2

Segeln in Holland. Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei...

Nach der abenteuerlichen Flauten-Langstrecke auf der Nordsee hinter dem monumentalen drei Kilometer langen Oosterschelde Sturmflut Wehr findet der zweite Teil unseres Holland-Abenteuers auf der Schelde selber statt.

Von Colijnsplaat aus muss aber wieder eine Sperre überwunden werden, bevor wir zum Up-and-Down-Rennkurs gelangen. Die mit mehr als fünf Kilometern längste Brücke der Niederlande, die Zeelandbrug, steht mit ihren 54 Pfeilern im Weg. Und sie ist gerade nicht hoch genug, dass wir mit unserem 13 Meter Mast drunter durch passen.

Die Öffnungszeit 9:10 Uhr des nördlichsten Brückenelements will also eingehalten werden. Sonst wäre das Rennen nur aus der Entfernung zu betrachten.

Das Revier macht Spaß. Die Strömung ist geringer als in der Nordsee, hat aber dennoch einen großen Einfluss auf die Regatta-Taktik. Denn die Wassertiefen auf dem Rennkurs fallen unterschiedlich aus. Auf dem Kreuzkurs geht es nach links, wo weniger Gegenströmung herrscht, vor dem Wind auf die andere Seite, um die Strömung als Schub auszunutzen.

Auf dem Wasser herrscht konzentrierte Ernsthaftigkeit. Die Spitzenteams treten mit hochgetunten meist älteren Modellen an, die überwiegend gut gesegelt werden. Die Holländer kennen die Regeln. Sie starten ordentlich und wissen, was sie tun.

Dabei wird es auch schon einmal laut. Die Sprinta Sport Crew, die in der ORC 5 Klasse zusammen mit uns an die Startlinie muss, mag es überhaupt nicht, dass wir nach dem Start im Fingernagel-Breite-Abstand in Luv vorbeisegeln.

Stimmt, wir müssen uns freihalten. Regeltechnisch ist unser Manöver grenzwertig. Aber das Regelwerk kommt beim Zusammentreffen verschieden großer Boote immer an seine Grenzen. Muss man deshalb gleich so meckern? Und die rote Fahne setzen?

Wir geraten selten aber hin und wieder dann doch mit der Konkurrenz aneinander. Doch nach dem Rennen ist es vergessen. Meinungen, Entschuldigungen und Biere werden ausgetauscht. Angenehm.

Ein Crewmitglied der sieggewohnten „Beau Bateau“, einer Beneteau First 300 Spirit mit Kohlemast, gibt zu, dass er nach dem ersten Sieg über uns singen wollte: „Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei“ das beliebte Fußball-Lied, das nach dem Halbfinal-Aus unserer WM Helden in Holland wieder Hochkonjunktur hatte.

Aber sein Eigner habe es untersagt. „Wir kennen die doch nicht. Vielleicht finden die das nicht witzig.“ Nun ja, wir hätten es witzig gefunden und irgendwie auch erwartet.  Aber alles in allem passt diese Geschichte zur herzlich, respektvollen Atmosphäre bei den Nachbarn.

Einziger Wehrmutstropfen ist die schlechte Organisation bezüglich des Fußball WM Bronze Matches Deutschland – Uruguay. Komischerweise scheinen sich die Holländer nicht für dieses Match nicht zu interessieren. Kein public viewing, keine Fernseher in den Kneipen, kein gar nichts. Selbst die Internetverbindung im Hafen setzt während eines Wolkenbruches pünktlich zum Fußballmatch aus.

Stattdessen ziehen die Colijnsplaater in ihrem Städtchen ein Solex Rennen für Fahrräder mit Hilfsmotor durch und scheinen ganz aus dem Häuschen. Welche Ignoranz angesichts des Auftrittes der schwarzrotgoldenen Nationaltreter. Wir bestellen Pizza, Pommes und Frites auf die Hand und kramen den Weltempfänger raus. „Aus dem Hintergrund müsste Kedira schießen – Khedira schießt! – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor! …“ – Na ja, so ähnlich…

Ergebnisse

Event Seite

Der erste Teil: Die neue Dehler 32. Zwei Knoten Speed unter Anker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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