Aberglaube: Was Seglern Unglück bringt

Hasenpfoten und andere...

 

Zuerst den Schluck für Neptun, Hasen müssen draußen bleiben und aus neuen Klamotten erstmal das Pech herausgesegelt werden. Sind Sie auch abergläubisch?

Die meisten tun es, die wenigsten sprechen darüber. Viele haben schon in der Jugend damit begonnen und bleiben ihr ganzes Leben dabei. Andere haben alledem abgeschworen und sind dann, mit einer anderen Variante, doch wieder rückfällig geworden.

Nein, wir reden hier nicht von gewissen leistungs- uns stimmungssteigernden Mittelchen für Regattasegler oder Fahrtenskipper. Vielmehr wollen wir ein Phänomen ansprechen, das auch – oder insbesondere? –  vor Seglern nicht halt macht: Der Aberglaube. 

Der legendäre Suunto Werbespot “Rabbits against loosing lucky feet”. Die Botschaft von Grant Dalton: Man kann auf die Hasenpfote verzichten, wenn man die neue Suunto Uhr kauft:

Ja, ja, wir wissen: Sie doch nicht! Als wenn ein moderner Mensch an so einen Quatsch noch glauben würde! Früher, in der Antike, im Mittelalter oder vielleicht auch noch zu Francis Drakes Zeiten, als so mancher segelnder Seefahrer sich bestimmte Naturgesetze nicht erklären konnte… klar, damals musste der Mensch sich noch an etwas klammern, um der Angst vor dem oft völlig Unbekannten und Unerklärlichen den „Wind aus den Segeln“ zu nehmen. Schließlich war noch keiner „ans Ende der Welt“ gelangt und überhaupt, wer wusste schon genau, ob es hinterm Horizont tatsächlich weiterging. Oder eben doch der riesige Wasserfall auf einen wartet? 

Aberglauben

Wie war das noch mit dem Klabautermann? © wikipedia

Heute zählen eben nur die „Fakten, Fakten, Fakten“ der Naturgesetze, nicht wahr? Wie etwa Murphy’s Law: Was schiefgehen kann, geht schief! 

Mal ehrlich, wer hat sich nicht schon bei irgendwelchen Ritualen oder sogar schlicht abergläubischen Handlungen erwischt, die er vielleicht milde lächelnd von den Eltern, Freunden, Mitseglern übernommen haben mag, von denen man aber nach Jahren der Praxis besser keinen Abstand nimmt? Schließlich weiß man nie… 

Göttlicher Schluck aus der Pulle

Von der Geschichte mit dem Klabautermann haben sich mittlerweile bestimmt die meisten distanziert. Zu nahe bei den Trollen und Orks, oder? Aber Neptun oder einen gewissen Rasmus bestechen, das geht scheinbar ohne Widerspruch in Ordnung. Jede Menge Fahrtenskipper und noch mehr Hochseeregattiers schicken dem Meeresgott vor dem Auslaufen zumindest einen Schluck Sherry oder ähnlich Klebriges, bevor sie sich selbst einen genehmigen. 

Ebenfalls von früher und heute noch verbreitet: Die Taufe des Schiffs oder noch schwieriger, dem segelnden Untersatz einen neuen Namen geben! Eine Schiffstaufe muss klappen, ohne wenn und aber! Mal ganz abgesehen davon, dass ausgerechnet die “Titanic“ gar nicht erst getauft wurde, auch in der Neuzeit bringen suboptimal absolvierte Taufriten definitiv kein Glück.

Das musste zum Beispiel Ben Ainslie bei seiner AC-Kampagne erfahren. Gattin Georgina scheiterte mehrfach, das filigrane Boot mit einer irgendwie kompliziert anmutenden Vorrichtung zu taufen. Die Kampagne konnte also nur schiefgehen.  

Ainslie Taufe

Ben Ainslie bei der missglückten Cupper-Taufe in Bermuda – Im Nachhinein war es klar, dass es sportlich nicht laufen konnte. © SegelReporter

Lady Ainslie versucht, die peinliche Szene bei der missglückten Schiffstaufe des Land Rover BAR Teams in Bermuda zu überspielen. Ihr Mann nahm es gar nicht so locker:

Und überhaupt, sollte eine rothaarige Dame in einem grünen Kleid zur Schiffstaufe erscheinen… sofort die Zeremonie abbrechen! 

Wer einem Boot einen neuen Namen geben will, begibt sich auf wahrhaft unsicheres Terrain. Die Franzosen waren da besonders abergläubisch und hatten ein spezielles Ritual entwickelt, um der drohenden Katastrophe nach dem Umtaufen entgegen zu wirken. Die neue Namensgebung musste während der Kreuz stattfinden, danach musste platt vor dem Wind die vormalige Kreuzstrecke durchstochen werden. So beißt sich die Schlange in den Schwanz und böse Omen werden vom Schiff fern gehalten. Ob das moderne französische Regattasegler mit ihren ständig wechselnden Sponsoren und somit Bootsnamen auch so machen, ist allerdings nicht bekannt. 

Bloß keine Bananen!

Talismane spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Leben echter Seeleute. So waren etwa die Tattoos der polynesischen Maoris ursprünglich Glücksbringer für die häufigen Seefahrten des Südseevolkes. Auch die europäischen Matrosen hatten sich nicht nur den Namen der Liebsten unter den Anker geschrieben, sondern betrachteten ihre Tattoos als Talisman, der nicht verblassen durfte. Anders gesagt: Wer zur See fährt und kein Tattoo hat, sollte sich den nächsten Törn nochmals überlegen! 

Dass Bananen auf Segelbooten nichts zu suchen haben, ist hinlänglich bekannt, oder? Die bringen nämlich Unglück,! Warum? Weil früher die Bananenschiffe, die ja ihre verderbliche Ware schnell zum Bestimmungshafen bringen sollten, so sehr „rangenommen“ wurden, dass sie häufiger sanken. Daher die klar nachvollziehbare Annahme, dass Bananen nicht nur krumm, sondern sogar verhängnisvoll sein können.

Bananen sind eindeutig nicht bordgeeignet! © privat

Und die Hasen! Die dürfen noch nicht einmal erwähnt werden, soviel Unglück bringen die. Seefahrer sind sich da einig: Wer einen Hasen an Bord nimmt, ist dem buchstäblichen Untergang geweiht. Auch hierfür gibt es eine Erklärung: Früher nahm man die Rammler als Frischfleisch mit auf See.

Aberglaube

Hasen sind nun mal Landtiere und haben auf Schiffen nix verloren © wikipedia

Doch unterwegs büxten die Hasen immer mal wieder aus und nagten in der neuen Freiheit bevorzugt an Tauen und Tampen. Ob der Weltumsegler und Nordwestpassagen-Bezwinger Guirec deshalb lieber ein Huhn an Bord genommen hat? 

Glücksbringer Albatros

Apropos Geflügel, dass Albatrosse, wahre Glücksboten sind, ist hinlänglich bekannt. Dies gilt auch für Delphine. Beiden Tieren tun Seeleute grundsätzlich kein Leid an. Weder früher noch heute, selbst wenn man hungrig auf einer Rettungsinsel durch die Meere treibt. Zudem sollen die Vögel die Seelen verstorbener Seeleute beherbergen. Grund genug, um sie nun wirklich in Ruhe zu lassen.

Albatrosse sind Glücksbringer auf Hoher See © wikipedia

Gegenüber der Farbe Grün auf See ist man jedoch etwas nachgiebiger geworden. Noch vor wenigen Jahren galt sie auf Schiffen als absolutes „No Go“, wie man das auf neudeutsch sagen würden. Es wurde weder mit grünem Band getapt noch Rümpfe grün angemalt. Ganz zu schweigen von grünen Klamotten (wie etwa SR-T-Shirts), sogar grüne Unterwäsche soll verpönt sein. Aber wer trägt schon grüne Unterhosen. 

Diese Zeilen werden im Hochseeregattahafen von Lorient geschrieben und beim Blick in die Runde sind immerhin drei Boote mit grünen Farbelementen auszumachen, eines hat sogar einen grünen Mast! Klar, dem Sponsor ist es geschuldet… aber ob das wohl gutgeht?

Aberglaube

Grünes Boot, grüner Mast… wie soll das gutgehen? © miku

Natürlich ist das alles für die meisten viel zu „weit weg“. Wer ist schon in der glücklichen Lage, eine Class 40 oder IMOCA über den Atlantik zu segeln? Schnurzpiepe also, ob das Boot grün oder gelb ist, oder? 

Bloß keine neuen Klamotten bei der Regatta!

Aberglaube zeigt sich jedoch auch in unserer „kleinen“ Welt des Segelns. Oder pfeifen sie etwa auf Ihrem Boot? Kratzen Sie am Mast ihrer Jolle? Wie war das noch mit den neuen Schuhen, aus denen erst das Pech heraus gesegelt werden muss, bevor man sie erstmals bei einer Regatta einsetzen kann? Und gerade neulich noch, als es bei uns im Club zur Laser-Regatta an der Slipstraße ein wenig eng geworden war, gab es ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich Aberglauben auch in den nächsten Segler-Generationen fortsetzen wird.

Da warteten 60 Laser-Recken in mehreren Reihen an Land darauf, dass es endlich losgeht. Und ganz vorne versperrte ein verzweifelt dreinschauender, junger 4.7-Segler die Slipstraße. Er wolle und könne nicht als Erster aufs Wasser, das bringe Unglück für die Regatta. Das habe er neulich noch von seinem Trainer gelernt. Er lasse gerne einem anderen den Vortritt. Betretenes Schweigen um ihn herum… und ein paar Atemzüge lang sah es so aus, als wolle dieses Risiko kein anderer eingehen. 

Und welchem Aberglauben frönt ihr? Gerne in der Kommentarspalte!

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Aberglaube: Was Seglern Unglück bringt“

  1. avatar chris sagt:

    Ich schaufel immer ein wenig Wasser ins Mastloch beim rausfahren, wie auch letztes Wochenende bei besagter Regatta 😀

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