Anders leben: Steuerhuhn Monique und Navigator Guirec segeln zum Kap Hoorn

Nach Süden, in die Kälte

Huhn, Langfahrt, voyage Yvenic

Ein mittlerweile vertrautes Bild: Monique (an der Pinne) und Guirec in kühleren Breitengraden © yvenic

Vor sechs Tagen legte der legendäre Nordwestpassagen-Bezwinger Yves Guirec in San Francisco ab. Er will mit seinem Huhn Moniquw 6.500 Seemeilen nonstop zum Kap Hoorn. Danach lockt die Antarktis.

Sie sind wieder los! Steuerhuhn „Monique“ und ihr Navigator Guirec haben San Francisco hinter sich gelassen und ihr nächstes Abenteuer begonnen – einhand und vierkrallig. Nachdem sie vor Jahren den Atlantik überquert hatten, später die Karibik unsicher machten, die nordamerikanische Küste entlang Richtung Arktis segelten und dort einen Winter lang im Packeis „parkten“, haben sie im vergangenen Jahr spektakulär die Nordwestpassage bezwungen. Monique als erstes Segelhuhn, Yves (damals 24) als wohl jüngster Skipper aller Zeiten. 

Huhn, Langfahrt, voyage Yvenic

In ca. drei Monaten wollen sie wieder zwischen Growlern schippern © yvenic

Doch die beiden Langfahrtsegler wollten mehr, viel mehr. Schließlich ist schon seit Jahren von einer Weltumseglung die Rede und so spannend die Nordwestpassage auch gewesen sein mag, richtig lange hält es das skurrile Segel-Duo nie an einem Ort. 

Von Alaska in die Bretagne

Moment mal… wieso denn Duo? Gab es da nicht diesen achsosüßen Hundewelpen aus Alaska, der von Yves gegen eine Motorsäge eingetauscht worden war und die beiden entlang der kanadischen und kalifornischen Küste auf ihrer „Yvenic“ begleitet hatte? 

Nachdem es sich Hund Bosco, der übrigens „gar nicht mehr aufhören wollte zu wachsen“, wie Guirec unlängst behauptete, auf dem schwimmenden Domizil des eingespielten Skipper-Huhn-Teams ziemlich breit gemacht und die traute Zweisamkeit der beiden empfindlich gestört hatte, musste  umdisponiert werden. „Hunde sind zwar coole Kameraden,“ sagte sich Guirec. „Sie brauchen aber deutlich mehr Auslauf als kurzflugfähige Segelhühner.“

Huhn, Langfahrt, voyage Yvenic

Die “Voyage d’Yvenic ” soll für ununterbrochene 6.500 Seemeilen das Zuhause von Skipper und Huhn sein © yvenic

Also nahm der Bretone seine Alaska-Töle mit in die französische Heimat auf die Insel Yvenic (nach der auch sein Boot benannt ist), wo der Hund bei Freunden unterkam. Wohl wissend, dass Guirec seinen „Bosco“ nicht wieder nach Kanada oder in die USA mit zurücknehmen kann. Denn anders als bei Hühnern, die über See einreisen, sind Hunde, die per Flugzeug in God’s own Country ankommen, vom Veterinärsamt nur selten geduldet.

6.500 Seemeilen nonstop. Nonstop?

So kam es, dass sich Guirec im altbewährten Teammodus mit der proteinliefernden Legehenne „Monique“ auf seine nächste Reise der besonderen Art begab: Von San Francisco nach Ushuaia am Kap Hoorn, mit einem kleinen „Schlenker“ Richtung Südsee. Zirka 6.500 Seemeilen wollen die beiden nonstop segeln, bis sie die südlichste Stadt des amerikanischen Kontinents anlaufen werden. Eine Strecke, die ungefähr drei Mal der Atlantik-Passage von den Kapverden auf die Antillen entspricht.

Huhn, Langfahrt, voyage Yvenic

Beiden wollen während ihres Törns schriftstellerisch tätig werden © yvenic

Obwohl, das mit dem „Nonstop“ ist bei den beiden so eine Sache. Man habe es sich vorgenommen, sinniert Guirec. Welche der häufigen Launen von Monique ihn dann doch zu einem Landfall zwingen werden, könne man eben nie im Voraus wissen. Überhaupt sollen ja die Osterinseln ganz nett sein und vielleicht lockt ja die eine oder andere polynesische Insel(schönheit), wer weiß das schon. 

In jedem Fall haben die beiden ausreichend Nahrung für eine Nonstop-Reise an Bord, wobei natürlich Moniques Körnerfutter den meisten Platz an Bord einnimmt, wie Guirec schmunzelnd behauptet.

Eierlegen bei Kühlschranktemperaturen

Sicher ist, dass die beiden in etwas mehr als zwei Monaten in Ushuaia ankommen wollen, um von dort aus… die Antarktis anzusteuern. „Boot und Crew sind durchaus Eis-erfahren,“ argumentiert Guirec: Eisberge und Growler behandle man mit dem nötigen Respekt, ohne gleich in Panik zu verfallen. Und auf Moniques Eierlegekapazitäten könne man sich auch bei Kühlschranktemperaturen verlassen.

Bis März wollen sich die beiden auf dem antarktischen Kontinent und entlang seiner (meist) schnee- und eisbedeckten Küsten aufhalten. „Ich will dort, wie in der Arktis, die faszinierenden Naturschauspiele fotografieren und filmen,“ schreibt Guirec auf seiner Website. Ob er – wie ursprünglich mehrfach angedeutet – tatsächlich bis zum Südpol gelangen wird, sei dahin gestellt. „Alleine packe ich das natürlich nicht, und ob ich an einer Expedition teilnehmen kann, steht noch in den Sternen,“ sagt Guirec. 

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Den meisten Platz beim Proviantbunkern nehmen angeblich Moniques Körner ein © yvenic

Was wohl auch eine finanzielle Frage ist. Offenbar konnte er bei seiner Sponsorensuche in Europa doch nicht das große Geld einsammeln (200.000 Euro hatte er für die Reise veranschlagt), wenn er auch darüber nichts verlauten lässt. Zwar will Guirec während seines Törns im Stile der Vendée-Globe-Helden sogar live von hoher See Filme senden und posten, doch sind die relativ hohen Kosten von mehreren Tausend Euro im Monat (Guirec) noch nicht gedeckt und müssen über Spenden bei Patreon finanziert werden. 

Den Griffel in der Kralle

Bis März wollen sich Guirec und seine tierische Deckskralle im kalten Süden aufhalten. Danach soll es – mit einigen Zwischenstopps – Richtung bretonische Heimat gehen, wo die beiden in genau einem Jahr ankommen wollen. 

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Bald wird sie wieder Eis unter den Krallen haben © yvenic

Ach ja, und ein wenig Arbeit wartet auch noch auf die beiden. Denn kurz vor dem Ablegen meldete sich ein US-amerikanischer Buchverlag bei den beiden und winkte mit lukrativen Verträgen. Es wird über Bildbände, garniert mit knackigen Abenteuerberichten und über Kinderbücher gemunkelt.

Mit Letzteren hat Guirec übrigens nur sekundär zu tun: nach ihrem ersten Erfolg als  Kinderbuchautorin in französischer Sprache, will sich Monique nun höchstpersönlich an ein Buch in Englisch wagen. Angeblich büffelt sie schon besessen englische Vokabeln. Während langer Ruderwachen unter pazifischem Sternenhimmel… was kann für segelnde Hühner mit schriftstellerischen Ambitionen inspirierender sein? 

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Was gibt es Inspirierenderes als lange Ruderwachen? © yvenic

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Michael Kunst

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