Besonderer Klassiker: „Larken“-Klasse wieder belebt – Plattbug-Jolle mit großer Geschichte

Segelndes Bügeleisen

Start Larken klasse tijdens de Sneekweek, dag 2

Posted by Zeilen on Sonntag, 2. August 2015

Sie wurde bei den Olympischen Spielen gesegelt, von einem Prinz selbst gebaut, Franzosen kopierten und Holländer lieb(t)en sie. Die eiförmige Scow namens “Lark“ (Lerche)

Angefangen hat fast alles mit einem Artikel im amerikanischen „The Rudder Magazine“. Darin beschrieb ein Charles G. Davis aus New York wie man „eine Segeljolle für 50 Dollar selbst bauen kann.“ „Lark“ (Lerche) nannte der Autor sein Boot. Wohlgemerkt: Die Bauanleitung erschien 1898, und Davis gab zu, dass er stark inspiriert wurde von der „Sorceress“, einem britischer Riss aus dem Jahre 1894, der sich im Prinzip nur durch eine andere Takelung von der „neuen“, amerikanischen Version unterschied.

Larken, Klasse, Steilgaffel, Klassiker

Regattafeld in den Fünfziger-Jahren © larkenclub

Die Original-„Lark“ maß 4,85 m Lüa, war 1,83 m breit, wog 400 kg und war mit einer Steilgaffel Cat-getakelt: Das Groß bot üppige 17,5 Quadratmeter Segelfläche auf.

Zu Zeiten, als es zum guten Ton gehörte, sich seine Segelboote (und-yachten) selbst zu bauen, verbreitete sich der Artikel schnell im gesamten englischsprachigen Raum. Man weiß heute nicht mehr, wie viele Larks damals in den Scheunen, Ateliers und Werkstätten entstanden. Es gibt jedoch Berichte von den „Großen Seen“ im Norden der USA und von der amerikanischen Ostküste, in denen von Dutzenden Regatten mit 50-70 Startern die Rede ist.

Eine der ersten Olympia-Klassen

Die Verbreitung der Klasse mit dem „L“ im durchgelatteten Groß muss rasant vonstatten gegangen sein. Denn schon bei den Olympischen Spielen im Jahre 1900 (Paris, im Rahmen der Weltausstellung) war sie als kleinste Segelboot-Klasse aufgeführt. Die Regatten wurden damit auf der Seine in der Nähe des französischen Ortes Meulan gesegelt.

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Obwohl Cat-getakelt wurden die Boote meistens zweihand gesegelt – hier in den Dreißiger-Jahren © larkenclub

Ein Jahr später fühlte sich der Franzose Francois Texier bemüßigt, der Lark-Klasse einen französischen Flair zu geben. Er wollte den Riss im Prinzip beibehalten, es aber für die Atlantik-Küstenabschnitte „handlicher“ machen. Die „Chatou“ maß 5,05 m, wog nur noch 300 kg und hatte ein leicht verkleinertes Großsegel mit einer Fläche von 16 qm. Jedoch war diese französische Lerchen-Version nicht für den Selbstbau gedacht, kostete aber nur 500 Francs, was ungefähr drei Mal billiger war, als Jollen vergleichbarer Größe zur damaligen Zeit.

Doch eines passte den Franzosen überhaupt nicht an der (ungewohnten) Scow-Form des Rumpfes: Sie fanden die Boote potthässlich und verpassten ihm und der „Lark“ den Spitznamen „das Bügeleisen“. Immerhin wurden im Laufe der darauf folgenden Jahre 110 Einheiten der Chatou verkauft.

Königlicher Bootsbauer

Beinahe, aber eben nur beinahe wäre die „Lark“ auch in Skandinavien zu einem Hit geworden. Denn im Jahre 1900 las der junge Prinz Wilhelm, Großonkel des heutigen Königs von Schweden, besagten Artikel im „Rudder Magazine“ und machte sich gleich an den Bau einer „Lark“, die er nach Fertigstellung „Pankan“ (Eierkuchen) nannte.

Prinz Wilhelm schrieb einige Storys über seine Erlebnisse mit der Jolle bei Einhand-Abenteuerfahrten in den schwedischen Schären, die damals in der Bevölkerung offenbar auf großes Interesse stießen. Doch letztendlich winkten wohl auch die Skandinavier aus ästhetischen Gründen ab. Ein Volk, das (damals schon) die wohl schönsten Boote in Streichholz-Anmutung baute, konnte man eben mit einer eiförmigen Flunder nicht hinterm Ofen hervorlocken.

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Des Prinzen (selbstgebaute) Lerche © larkenclub

Dafür interessiert sich eine andere Seefahrernation explizit für die „Lark“. In den Dreißigerjahren des letzten Jahrhundert bauten sich immer mehr Holländer eine „Larken“ (wie sie den Bootsnamen abwandelten) selbst. Entlang ihrer Meeresküsten oder auf den „Binnenmeeren“ segelten die Niederländer die „wendige, sportliche und schnelle“ Jolle in beachtlich großen Regattafeldern. 40-50 Boote sollen mitunter am Start gewesen sein – die damals vorwiegend zweihand gesegelten Jollen etablierten sich zudem als beliebte Wanderjollen.

Aufschwung in Holland

Nach den Kriegswirren erlebte die „Larken“ nochmals einen Aufschwung, als sie in den „Nord Nederlandse Watersport Bond“ aufgenommen wurde und als offizielle Klasse in der damals schon tonangebenden „Sneekweek“ startete.

Ob es die sich rasant ausbreitenden, modernen GFK-Konstruktionen waren, welche die „altertümlichen“ Larken dann vor allem bei den jungen Seglern ausstachen oder ob es der simple Umstand war, dass die Lerche mit etwas „kräftigeren“ Herrn an der Pinne gerne in der kurzen, kabbeligen Welle der Binnenmeere unterschnitt und schlicht voll Wasser lief… jedenfalls war irgendwann von der Traditionsklasse keine Rede mehr, es tauchten immer seltener Steilgaffel-Segler mit einem „L“ im Groß am Horizont auf.

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Schneidet schnell unter © larkenclub

Bis zum Jahre 2004. Da hatte der Niederländer JohanKlaver von Leuwarden die glorreiche Idee, sich auf die Suche nach verbliebenen „Larken“ zu machen. Schon 2005 gab es das erste Treffen zu einer gemeinsamen Ausfahrt. Immerhin neun Boote kamen damals zusammen. Sogar die Segelnummer 1 und die (damals) letztgebaute „139“ waren dabei. Aus dem „losen Treffen aller niederländischen Larken-Freunde“ wurde ein Verein, der sich mittlerweile rege um die Restaurierung alter Larken, aber auch um den Bau neuer Boote kümmert.

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Im Schlepp © lerkenclub

Alljährlich werden mehrere Wanderfahrten organisiert und die schnellsten Larken-Segler bei drei und mehr Regatten pro Jahr ermittelt. Und natürlich sind die „Larken“ jetzt auch wieder alljährlich bei der „Sneekweek“ am Start.

Fünfundzwanzig Boote zählt der Verein auf niederländischen Gewässern. Es ist eine kleine Renaissance einer längst verschollen geglaubten Klasse. Und auch heute, nach 117 Jahren, sieht sie für so manchen immer noch ziemlich innovativ und rasant aus.

Website Larkenclub

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Larken an der Leeboje © theo kampa

Larken-Bilder:

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Michael Kunst

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