Einhandsegeln: Der Schweizer Ralph Villiger „erkundet“ die Küste von Grönland

Eisbären vor Eisbergen

Nach seiner OSTAR-Teilnahme segelt Villiger auf der „Ntombifuti“ durchs nördliche Eismeer. Im zweiten Teil seines Reiseberichts schreibt er über schwierige Navigation, Grundberührung, Erstbesteigungen und Begegnungen der tierischen Art.

Allein durch die Labradorsee

Nachdem ich das OSTAR-Ziel Newport erreicht hatte, standen wiederum ein paar Reparaturen an. So sollten die Bilgepumpen nun endlich in Ordnung gebracht werden und die Segel mussten zum Segelmacher. Die Annehmlichkeiten des Landlebens ließen den Aufenthalt dann doch wieder auf 10 Tage anwachsen, aber ich hatte ja kaum die Hälfte meiner Route geschafft.

Endlich Grönland © villiger

Endlich Grönland © villiger

Die nächste Etappe war geradeso herausfordernd wie das OSTAR. Wiederum alleine sollte es nach Grönland gehen. Dieses Mal jedoch ohne überwachendes Rennkomitee, und vor allem durch ein völlig verlassenes Seegebiet, die Labradorsee. Außerdem gab es rund um Neufundland und vor der Südküste Grönlands Eisberge. ich hatte mir viele Gedanken zum OSTAR und zur Navigation in Grönland gemacht, aber dieses Mittelstück hat ich in der Planung irgendwie ausgelassen.

Leicht nervös musste ich dann feststellen, dass die Ansteuerung Grönlands einhand nicht einfach so locker vom Hocker funktioniert. Zuerst plagte mich eine ausgewachsene Flaute, wobei ich mir immerhin einige eingekuppelte Motorstunden gönnte. Als ich dann Neufundland gerundet hatte, fand ich mich plötzlich in einem Seequadrat wieder, worin der kanadische Eis- und Seewetterdienst zwei Eisberge gemeldet hatte.

Bei 100 Meter Sichtweite segelte ich mit einem leichten Kribbeln im Bauch. Vor Grönland bremste ich das Boot absichtlich etwas ab, damit ich erst bei Tageslicht in die Zone kam, wo treibende Eisberge vorausgesagt wurden. Am Morgen kam aber Nebel auf. Dies hieß, dauernd an Deck sein zu müssen. Bei 2°C Wassertemperatur kein Vergnügen. So stellte ich den Radar an und entdeckte prompt den ersten Eisberg auf dem Monitor. Einige Minuten später sah ich kurz in nur 50 Meter Entfernung backbord dann auch das Original…

Expedition, Grönland, Abenteuer

Geht’s noch großartiger? © Mansholt

In der Arktis angekommen

Beunruhigenderweise war der zweite Eisberg aber nirgendwo auf dem Monitor zu entdecken. Was wiederum hieß, dass man trotz Radar sehr aufmerksam sein musste. Langsam lichtete sich der Nebel, die Mastspitze war bereits im blauen Himmel, da eröffnete sich vor mir eine sagenhafte weiße Landschaft. Kann das Grönland sein? Im Sommer sollte doch da eigentlich kein Schnee mehr liegen.

Tatsächlich war dies der zweite Eisberg, eine zusammenhängende, etwa 20 – 30 Meter über das Wasser ragende und ein Kilometer lange Eisscholle. Und kurz darauf war auch der Blick auf die größte Insel der Welt frei. Der ganze Horizont war ein riesiges Bergpanorama, und dazwischen tiefblaues Meer gesprenkelt mit einzelnen Eisbergen. Während die Ankunft in Newport erstaunlich nüchtern war, so war ich nun den Tränen nahe. Davon hatte ich lange geträumt, und jetzt habe ich Grönland endlich vor mir – und das ganz alleine.

Die Anfahrt nach Nanortalik dauerte aber noch den ganzen Tag. Um 10 Uhr abends lief ich in die Hafenbucht ein. Das Hafenhandbuch besagte, dass man an einer der großen Piers anlegen solle. Bei der Anfahrt holte Ich leicht aus und der Tiefenmesser sank auf 5 Meter, dann auf 3 Meter und dann stand „Ntombifuti“ plötzlich still. Mit dem Kiel auf Grund gelaufen, und zwar solider Fels. Also rückwärts und wieder runter. Doch beim Gasgeben stirbt der Motor ab. Auch das noch! Um also ein unkontrolliertes Treiben in der Hafenbucht zu vermeiden, sollte der Anker zu Wasser.

Grönland, Expedition

In der Arktis angekommen © flanders

Doch die Ankerwinsch machte keinen Mucks. Zum Fluchen blieb später noch Zeit, erst den zweiten Anker hochholen und zu Wasser lassen. Mit erstaunlicher Gelassenheit hole ich danach das Schlauchboot hervor und pumpe es auf. Ich lasse mir doch Grönland nicht von einer klenen Strandung verderben! Erst einmal an Land und in einen Pub – mehr als eines war nicht zu finden – die Ankunft ganz in Ruhe feiern.

Wieder zurück auf dem Boot ist der Wasserstand bereits etwas tiefer. Offenbar war Flut. In der Nacht sollte sich das Boot bis etwa 45° krängen. Am nächsten Morgen wurde schnell der Mechaniker organisiert, der „Ntombifuti“ gleich mit seinem Motorboot frei zieht. Bis am Abend war dann auch der Motor repariert: Offenbar war der eine Filter komplett voll.

Villiger, OSTAR

Villigers Abenteuer auf einer Karte: Zunächst per OSTAR “rüber” und dann “oben rum” wieder zurück © googlemaps

 

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11 Kommentare zu „Einhandsegeln: Der Schweizer Ralph Villiger „erkundet“ die Küste von Grönland“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Eh… Irgendwie funtzt da ja nix auf dem Kahn, oder?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 4

    • avatar SR-Fan sagt:

      Naja – das ist ja irgendwie der Charme an der Sache. Wobei die Sache mit Autopilot und mehrmals Motor und Bilgepumpe (im Prinzip zur gleichen Zeit) schon fast ein wenig dick aufgetragen ist 😉

      Die Welt hat offenbar genug von all den Erfolgsstorys, jetzt sind mal die anderen dran. Wenn ein Buch rauskommen soll, würde ich mal bei Delius anklopfen (Grüße an Digger) 😉

      VG

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    • avatar Heinrich sagt:

      🙂

      (ich habs nur gedacht. Du hast es ausgesprochen)

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  2. avatar Skiffy sagt:

    Hallo? Ich würde gerne weiterlesen….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

    • avatar Erbsenzähler sagt:

      …erstmal zahlen! 😉

      jajaja, haut mir die Dislikes nur so um die Ohren!

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

    • avatar The Great Rock N Roll Swindle sagt:

      Blindmauke

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      • avatar Erbsenzähler sagt:

        …hört sich so an, als ob Du zum Lachen in Keller gehst…
        wenn du wieder hochkommst, vergiss nicht, den Ironie-Erklärbär-Duden mit hochzubringen…

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        • avatar The Great Rock N Roll Swindle sagt:

          Baumstrukturen erkennen hast Du wohl nie gelernt. Is aber entschuldigt, vornübergebeugt Erbsen suchen fördert den Überblick nicht gerade.

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          • avatar Erbsenzähler sagt:

            Klär mich auf! Ich sehe die Mauke unter meinem Kommentar…
            ..nicht suchend! zählend!! 😉

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          • avatar Skiffy sagt:

            Wieso Blindmauke? Gehts irgendwo weiter?

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          • avatar Skiffy sagt:

            Lieber RNR-Schwindler, ich rede übrigens nicht von Seite 2 (falls Du das meintest)

            Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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