SailRocket 3: Neues Segel-Motor-Speedprojekt – Paul Larsen will das „Blaue Band“

„Was ist bei mir schon normal?“

Er raste unter Segeln so schnell wie noch nie jemand zuvor. Doch jetzt sind dem Australier Strecken wie 500 Meter oder eine Seemeile nicht mehr lang genug! 

Was macht eigentlich Paul Larsen? Dieser manchmal etwas durchgeknallt wirkende Australier, der  vor fünf Jahren mit einer unglaublichen Raserei („this is fast……… this is so fast… !”) auf einem wie außerirdisch wirkenden Boot mit dem bezeichnenden Namen „Sailrocket 2“ als erster Mensch 60 Knoten über eine Distanz von 500 Meter und später über eine Seemeile 55,3 Knoten segelte? Der nach spektakulären Rück- und Überschlägen in einer namibischen Bucht sagenhafte Spitzengeschwindigkeiten von 67 Knoten erreichte?

Nun, auch wenn es in den letzten Jahren etwas ruhig um den mittlerweile 47-Jährigen geworden sein mag, ist er doch seiner Passion „Rasen unter Segeln“ treu geblieben. Zwar ist seit 2012 keiner der anderen segelnden Speedfreaks, die es überall auf der Welt gibt, auch nur in die Nähe von Larsens Rekordmarke gekommen. Doch gibt sich der Rekordinhaber wachsam. Gerade mit den Entwicklungen wirklich effizient arbeitender Foils habe es in den letzten Jahren regelrechte technische Quantensprünge für Rekordsegler gegeben. Die er übrigens auch selbst nutzen möchte. 

Eine Frage der Zeit

So sieht Larsen durchaus noch ausreichend Potential in seiner „guten alten SailRocket 2“, um mit neuen Superkavitationsfoils über 70 Knoten zu fahren. Seine Rekord-Rakete sei weiterhin in bestechender Form, knallhart gebaut und sofort einsatzbereit, wenn sie gebraucht werde. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis sie die „richtigen Flügel“ verpasst bekomme. 

Doch Paul Larsen beschäftigt derzeit ein weiteres Projekt, mit dem er erneut Furore machen will. Weiterhin in seinem „Spezialgebiet“, aber auf einem anderen Niveau respektive Terrain: Larsen möchte eine Yacht bauen, mit der man in Rekordzeiten über die Ozeane heizen kann. 

Sein Konzept überwindet (zumindest gedanklich) Grenzen, die bis dato als unüberbrückbar galten. Larsen plant eine Foil-Yacht, mit der man zu Sechst beispielsweise über den Atlantik oder den Pazifik heizt, ca. 600 Seemeilen unter Segeln am Tag zurücklegt, dabei Energie gewinnt, die wiederum in Batterien gespeichert wird. Sollten am nächsten Tag eher ungünstige Winde wehen, will Larsen einen Jet-Motor zum Einsatz bringen, der ausschließlich mit segelnd gewonnener und gespeicherter Energie angetrieben wird. Um wiederum 600 Seemeilen zurückzulegen, doch diesmal eben unter Motor.

So will sich Larsen zukünftig nicht an (von ihm selbst aufgestellten) Kurzstrecken-Speedrekorden messen, sondern peilt eher Marken wie „das Blaue Band“ an: Das schnellste Schiff für bezahlende Passagiere auf der Transatlantik-Route Europa-New York. 

Fünf Jahre Entwicklungszeit

Es sei alles machbar, sagte Paul Larsen kürzlich gegenüber dem TV-Sender CNN. Nichts sei unmöglich.  „Klingt verrückt, aber hey, was ist bei mir schon normal?“ fragt er. Denn Larsen ist sich seiner Sache sicher. Wie schon damals mit seinen SailRockets 1 und 2 geht er geradlinig (manche behaupten: stur wie ein Ochse) seinen Weg. Während der nächsten zwei Jahre will er zunächst auf „mitwachsenden“ Modellbooten von Entwicklungsstufe zu Entwicklungsstufe gelangen. Bis er dann mit einem schlüssigen und funktionierenden Plan respektive Konzept an die Öffentlichkeit treten will, um mittels Crowdfunding genügend Sponsoren für den Bau seiner SailRocket 3 zu sammeln. Fünf Jahre gebe er sich, ungefähr. So lange dauerte auch das Entwicklungsabeneuer hin zum 500-Meter-Weltrekord. 

Speed-Pilot Paul Larsen, der schnellste Mensch unter Segeln hebt ab. Er schafft einen unglaublichen Weltrekord. © Sailrocket

Speed-Pilot Paul Larsen, der schnellste Mensch unter Segeln hebt ab. Er schafft einen unglaublichen Weltrekord. © Sailrocket

„Richtig schnell segeln an einem Tag mit perfekten Bedingungen, das kann heutzutage jeder, der das nötige Kleingeld besitzt. Siehe America’s Cup,“ sagte Larsen kürzlich in einem interview mit einer australischen Tageszeitung. Eine echte Herausforderung sei es jedoch, über längere Zeiträume und somit bei teils drastisch wechselnden Bedingungen möglichst optimale Ergebnisse zu erzielen. Zwei Antriebsarten, bei denen die eine von der anderen mit Energie versorgt wird… das habe Zukunft! 

Ein spannendes Projekt in den eindeutig besten Händen!

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „SailRocket 3: Neues Segel-Motor-Speedprojekt – Paul Larsen will das „Blaue Band““

  1. Danke für den Beitrag Michael. Manche Leute sind doch tatsächlich noch etwas “durchgeknallter” … Aber ohne solche Leute würden wir immer noch mit 6kn durch die Meere fahren …

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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