Archipelago Raid 2016: Mit F18-Kats durch den Stockholmer Schärengarten

Alter Schwede – war das gut!

Eine Zeitlang ist es sehr ruhig geworden um die Archipelago Raid, eines der coolsten Rennen unter der Sonne. Nun lebt es wieder auf. Zwei deutsche Teams waren dabei und haben einen Bericht geschickt.

Archipelago Raid

Bei harten Bedingungen auf die offene See. © Malcom Hanes

Der Wunsch:
Endlich Strecke machen – immer weiter – bis die Arme nicht mehr können.
Endlich nicht um 7 raus, weil dann noch der Vento kräftig bläst, sondern Frühstück und dann los.
Endlich eine richtige Flotte – nicht nur 2 oder 3 Boote.
Endlich nicht nur eine Küste auf einer Seite, sondern Landschaften, die man durchsegelt. Endlich keine Sorge um den Rückweg. Das Ziel liegt vorn.
Endlich kein Gepäck an Deck – alles fährt im riesen Gummiboot mit. Keine Zelte aufbauen nach einer langen Segelei , sondern Dusche, Bett und Sauna für die Nacht vor Ort.
Endlich Menschen, die Küstensegeln mit einem Strandkat ernst nehmen.

Archipelago Raid

Manövrieren im Schärengarten. © Malcom Hanes

Die Wirklichkeit :
25 F18 Teams aus 6 Nationen traten an. Nach gewissenhafter Prüfung alle sicherheitsrelevanter Ausstattungen durch Jens segeln wir 6 Starts an 3 von 4 Tagen. Ein Tag wurde nach reiflicher Überlegung aus Sicherheitsgründen bei zu starkem Wind zum Zwangsruhetag. Alle Segelanweisungen und Organisatorisches wurden in gut verständlichem Englisch gegeben.

Nach einem kräftigen Frühstück wird das Tagesziel und die zu passierenden Wegpunkte sowie die Wetterprognose und der Ort für den Mittags-stop (ca 1 h) mitgeteilt. Dann die Planungsphase: wo soll`s langgehen zwischen den unglaublich vielen Inseln hindurch?

Archipelago Raid

Zickzack zwischen Rockies. © Malcom Hanes

Navi programmieren, Umziehen, Gepäck an die Sammelstelle, Zimmer klarieren, Boot klarieren, Klo und auf´s Wasser. Gestartet wird in jede Richtung: Am Wind, Halb Wind, downwind. Das ist gewöhnungsbedürftig und nicht böse Absicht der Rennleitung, sondern eher durch die Topographie der Landschaft und den Wind bestimmt.

Herrlich: ein Schwarm von 25 Kats aller Hersteller geht auf Kurs. Diejenigen Teams, die auf ihrem Heimatrevier unterwegs sind, verschwinden bald zwischen den Inseln:
1. weil sie schnell können und 2. weil sie sich auskennen, auf seltenen Pfaden wandeln und nicht dauernd das Navi brauchen.

Archipelago Raid

Die 25 Boote am Strand. © Malcom Hanes

Erstaunlich: Die Teams suchen sich jeweils sehr unterschiedliche Wege zum Ziel. Sie verschwinden plötzlich, dann tauchen sie immer wieder wie aus dem Nichts auf und kreuzen den Weg. Aber es gibt auch andauernde Zweikämpfe. Sie bieten gute Möglichkeiten für Vergleichsfahrten, um den besten Trimm des Bootes zu finden. Wann hat man das schon? Die Lernkurve steigt.

Sand ist selten, Granit die Regel. Päckchen mit 8 Booten – wie eine Pontonbrücke bilden sie die Plattform für die Mittagspause. Wieder etwas gelernt. 12 m Steg für 16 Boote reichen vollkommen aus.

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Strecke machen unter Gennaker. © Malcom Hanes

Abends am Ziel: Satter Drum- and base-sound am Strand und ein Welcome-beer warten. Tolle Atmosphäre und super netter Service. Man hilft sich gegenseitig, alle Boote für die Nacht an Land zu bringen. Die „Schnellen“ haben die Sauna angeheizt und so kommen auch die Nachzügler in den Genuss schwedischer Lebensart und nötiger Muskelentspannung.

Danach geht es zum reichhaltigen Abendessen. Alle werden satt, und lecker ist es auch. Getränke sind extra. Ein top Foto-Team überrascht uns mit den Bildern des Tages. Sie werden per Beamer präsentiert.

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Viele Wege führen zwischen den Steinen zum Weg. © Malcom Hanes

Es folgt die Tageswertung. Wenig überraschend: Reviererfahrung macht schnell, und viele Muskeln sind kein Garant für gute Platzierung. Frauen- und Mixed-Teams schlagen sich gut. Gottlob bleibt uns Newcomern die rote Laterne erspart.

Die Quartiere bieten Charme und Ausstattung von Wochenendhäuschen oder einer Jugendherberge. Alles da, was nötig ist, nur Wäscheleinen sollte man selber mitbringen.
Die Rennleitung ist sehr umsichtig und die Absprachen mit der Seesicherheit der kleinen Flotte funktioniert sehr gut.

Archipelago Raid

Für die Mittagspause ins Päckchen. © Malcom Hanes

Wenn der Wind zum Beispiel am Tagesbeginn schwächer als erwartet, wird der Weg zum Mittagsziel verkürzt. Ist das Tagesziel im hohen Norden von Unwettern bedroht, wird umgeplant und nach Süden zu einem anderen Ziel ausgewichen. Es ist sicher nicht einfach, mal eben 60 Betten und Liegeplätze für 25 Kats finden, aber die Organisatoren schaffen es in wenigen Stunden. Alle Teilnehmer werden während des Rennens an den entscheidenden Wegpunkten informiert.

Beeindruckende Landschaften: je weiter es nach Osten geht desto weniger Häuschen, Bäume und Menschen tauchen auf. Irgendwann fehlt der Bewuchs und die Felsen liegen im Meer wie die Rücken von Grauwalen. Unbewegt und unter der Oberfläche kaum auszumachen. Sie tauchen nicht ab und sind hart aus Granit.

Archipelago Raid

Harte Arbeit in der Welle. © Malcom Hanes

Das Material leidet unter dem Kampfgeist. Die Wegpunkte werden in Engstellen gelegt, die passierbar sind. Gutes Bootshandling und Peilung bringen einen voran – oder auch nicht. Unter Gennacker auf engstem Raum manövrieren – toll – und völlig neu für mich. Die bunten Segel tanzen zwischen den Felsen wie ein Schwarm Schmetterlinge.

Wie schafft man es so viele Menschen glücklich zu machen? Antwort : Genau so!
Die helfenden Hände im Hintergrund haben ein großes Lob verdient. Alle Erwartungen wurden weit übertroffen.

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Die Flotte beim Start. © Malcom Hanes

Mein persönliches Fazit: Habe das Englisch aufpoliert und sehr viel über das Boot gelernt. Im nächsten Jahr komme ich vielleicht mit eigenem Boot. Es ist ein WM-Raid geplant über 5 Tage.  Ja die können was , die Schweden. Das Archipel ist aufregender als der Gardasee. shs

Event-Website Archipelago Raid

Archipelago Raid

Ergebnisse Archipelago Raid

Der Video-Bericht von 2015:

Die Raid von 2011 unter anderem mit dem Australier Darren Bundock:

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