Clipper Race: Deutscher Skipper auf „Quingdao“ in Führung – Erster Ausfall wegen Verletzung

Daumen (fast) abgerissen

Clipper Round the World Race

Zwölf Yachten und knapp 250 SeglerInnen – die größe Clipper-Flotte aller Zeiten © clipper race

Unglücklich: Das Rennen ist gerade mal eine Woche alt, und schon gibt es einen ersten Ausfall – ein britischer Skipper verletzt sich schwer an der Hand. Erfeulich: Deutscher Skipper an der Spitze der Flotte.

Vor acht Tagen startete die größte Clipper Race Around the World-Flotte aller Zeiten in Liverpool. Insgesamt sind 247 Segler auf 12 Booten bei dem Etappenrennen rund um die Welt dabei, darunter mehrere deutsche Teilnehmer. Die erste Etappe führt die Clipper mit ihren Amateur-Crews unter jeweils professioneller Skipper-Führung gleich über den Atlantik:  Durch den Ärmelkanal, entlang der französischen, spanischen, portugiesischen und marokkanischen Küste vorbei an den Kanaren mit den Passatwinden nach Brasilien. Ein „Klassiker“ für die meisten Etappen-Weltumsegler. 

Im Westen wehte mehr

Mit einem taktisch klugen Schlag in westliche Richtung setzte sich nun „Quingdao” unter dem deutschen Skipper Chris Kobusch im Laufe der letzten 24 Stunden an die Spitze der Flotte. Die bis dato mit stark drehenden und nur schwer einschätzbaren Winden kämpfende Flotte erhielt zwischen der Straße von Gibraltar und den Azoren gestern einen Westwind-Schub, auf den Kobusch während der letzten Tage bereits gewartet hatte. Entsprechend westlich positionierte er die „Quingdao“, um so früh wie möglich von dem frischen Wind zu profitieren. Zwar war die „Britain“ noch weiter westlich unterwegs, hatte dafür aber zu viele zusätzliche Meilen gesegelt. 

Derzeit wechselt sich „Quingdao“ an der Spitze der Flotte mit jeweils denkbar knappem (errechneten) Vorsprung von 0,07 bis 2,4  Seemeilen  mit „Sanya Serenity“ ab. Letztere segeln deutlich weiter östlich und profitieren gerade von den westlichen Windeinflüssen, die sich wenige Seemeilen weiter im Westen schon wieder etwas abgeschwächt haben. 

Clipper Round the World Race

Chris Kobusch © clipper race

Ein im wahrsten Sinne des Wortes abwechslungsreiches „Spiel” in der Führung der Clipper Race Flotte, bei dem es noch zu etlichen Wechseln an der Spitze kommen wird, bis die Clipper die Passatwinde hinter den Kanaren erreicht haben.

Deutsches Hochsee-Talent

Der 32-jährige Chris Kobusch ist in der Hochseeregattaszene trotz seines noch relativ jungen Alters längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mit mehr als 70.000 Seemeilen auf der persönlichen Logge arbeitete er als Segellehrer und -Coach sowie als Skipper u.a. beim Sydney-Hobart-Race und beim Clipper Round the World Race auf Etappen nach Südafrika, China, Australien und in Großbritannien. Kobusch relativierte jedoch über Funk seine derzeitige Führung während der ersten Etappe: „Wir sind erst ganz am Anfang des Rennens.

Clipper Round the World Race

Die Quingdao mit Skipper Kobusch kämpft derzeit um die Führung der Flotte © clipper race

Es kann gerade bei so unsicheren Windentwicklungen im Prinzip stündlich einen Führungswechsel geben. Doch wir werden bemüht sein, bis zu den Kanaren so weit vorne wie nur möglich zu segeln!“ Danach wird in den gleichmäßigen Passatwinden, aber auch in den Flautenlöchern des Kalmengürtels der Spielraum für Taktik und Strategie immer enger.

Schwere Verletzung

Nach zwei Todesfällen während des letzten Clipper Round the World Races begann auch diesmal gleich die erste Etappe mit dem (vorübergehenden) verletzungsbedingten Ausfall eines Clippers. Diesmal traf es sogar einen der Profi Skipper, den Briten David Hartshorn (52), als er bei einem Spinnaker-Manöver den Daumen in die Schot bekam und sich so stark verletzte, dass die Crew Richtung Festland abdrehen musste. Der Unfall geschah 450 Seemeilen westlich von Portugal. Nach etwa 24 Stunden Fahrt Richtung Porto, barg ein Seenot-Rettungshubschrauber den Verletzten aus dem Wasser neben der „Greenings“ ab.

Clipper Round the World Race

Von der Greenings musste der verletzte Skipper abgeborgen werden © clipper race

Mittlerweile wurde Hartshorn bereits erfolgreich am linken Daumen operiert, der gebrochen und zum Teil abgerissen war. Er muss noch eine zweite OP in Großbritannien über sich ergehen lassen und will „sein Schiff“ im Etappenzielhafen Punta del Este/Brasilien wohl wieder übernehmen. Bis dorthin wird die „Greenings“-Crew unter Führung eines Ersatz-Skippers das restliche Regattafeld vor sich herjagen. 

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Michael Kunst

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