Golden Globe Race: Französischer Verband droht Low-Tech-Retro-Regatta mit Startverbot

Weltumseglung wie früher: "Unvernünftig und gefährlich"

Golden Globe Race

Back to the roots – um die Welt wie einst Robin Knox Johnston © GGR

Die FFV will „mehr Sicherheit“ für die Teilnehmer des Golden Globe Race und droht, keine Startgenehmigung für das Revival der legendären Einhand-Weltumseglungsregatta aus dem Jahre 1968 zu erteilen.

Es ist ein regelrechtes Dilemma. Da wollen höchst engagierte und motivierte Segler eine Revival-Regatta nonstop und einhand um die Welt organisieren, die im Stile längst vergangener Zeiten auf Booten und mit Equipment von anno dazumal ein „Zurück-zu-den-Wurzeln“-Erlebnis der besonderen Art vermitteln möchte.

Mit Hochsee-Klassikern und Langstrecken-Raritäten als schwimmendem Untersatz soll nostalgisch unter gleichen oder doch zumindest möglichst ähnlichen Bedingungen wie in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts ein Abenteuerrennen wiedergeboren werden, das aufzeigt, unter welch harten Bedingungen die Pioniere der Rundum-Hochseeregatten unterwegs waren. Eine Huldigung an die vermeintlich besseren, früheren Zeiten.

Golden Globe Race

(Fast) ohne alles über die Sieben Meere © GGR

Dem steht ein nationaler Segelverband gegenüber, der sich sinngemäß etwa so äußert: „Moment mal Leute, wir haben hier im Laufe der letzten Jahrzehnte ein Maximum dafür getan, damit Langstrecken-Hochseesegeln unter Regattabedingungen so sicher wie nur irgend möglich ist. Wir haben Regeln zur Seetauglichkeit der Boote aufgestellt, schicken die Seglerinnen und Segler mit effizientem Sicherheitsequipment auf die Ozeane – wozu eben auch moderne Navigationstechniken zählen – und nun kommt ihr daher und werft das alles über den Haufen? Netter Versuch, aber bitteschön ohne uns!“

Not amused

Klartext: Der Französische Seglerverband „Federation Francaise de Voile“ (FFV) hat gegenüber den Organisatoren des Golden Globe Race, das im Juli nächsten Jahres im französischen Kult-Regattaort „Les Sables d’Olonnes“ starten soll, höchste Sicherheitsbedenken geäußert. 

Und da die FFV vom französischen Gesetzgeber die Möglichkeit erhielt, bei „allen Regatten, insbesondere bei Hochseeregatten zu intervenieren und gegebenenfalls regelnd einzuschreiten“, stehen die Organisatoren des GGR-Revivals vor einem echten Problem. Denn angeblich wurde hinter „verschlossenen Türen“ bereits damit gedroht, dem Rennen keine Starterlaubnis von einer französischen Küste aus zu erteilen, falls die Organisatoren sich nicht auf grundlegende, sicherheitsrelevante Regeländerungen einließen. 

50 Jahre nach Knox Johnstons Golden Globe Erfolg mit “Suahili”, soll eine Retro-Flotte um die Welt segeln. © GoldenGlobe

Don MacIntyre, Organisator und Initiator des Golden Globe Race-Revivals, zeigte sich verständlicherweise „not amused“. Denn es wäre bereits das zweite Mal, dass er sich einen neuen Start- und Zielort für seine Regatta suchen müsste. Ursprünglich sollte, ganz wie das erste Golden Globe Rennen im Jahre 1968, die Neuauflage des GGR von englischem Boden aus gestartet werden. Doch die Brexit-Aufregungen verunsicherten die beiden in Frage kommenden Hafenstädte Falmouth und Plymouth, die sich aufgrund von Budgetkürzungen außerstande sahen, das Rennen gebührend (finanziell) zu unterstützen.

Darauf holte sich MacIntyre, u.a. dank Vermittlung der Hochseelegende Knox-Johnston, der das erste GGR gewann und in der internationalen Szene seitdem als Held verehrt wird, eine Startgenehmigung im französischen Kultort Les Sables d’Olonnes ein. Doch diese Startgenehmigung scheint nun nicht 100 Prozent „wasserdicht“ zu sein. 

Ohne Autopilot und GPS einhand um die Welt?

Zwar wird von beiden Seiten beteuert, man wolle und müsse eine Einigung finden, doch zeigen sich bisher die Verhandlungspartner gelinde gesagt „stur“. Die FFV will offensichtlich bestimmte Bootstypen, die nach heutigen Kriterien nicht hochseetauglich sind, von einer Teilnahme ausschließen.

Außerdem sei eine Weltumseglung ohne sicherheitsrelevante Techniken wie GPS (nur Sextant und Karte sind erlaubt), moderne Kommunikationsmöglichkeiten und ohne Autopilot (den es damals in seiner modernen Form auch noch nicht gab) schlicht unvernünftig und hochgradig gefährlich. Welche Forderungen die FFV genau an die Regattaleitung des GGR stellt, wurden aber noch nicht offiziell bekannt gegeben.

Weiterhin müssen französische Renndirektoren von Hochseeregatten langwierige und teils aufwändige, sicherheitsrelevante Kurse absolvieren und entsprechende Tests bestehen. Ob MacIntyre bereits in den Genuss solcher Schulungen kam, ist ebenfalls nicht bekannt.

Don MacIntyre setzt entgegen, dass so die ursprüngliche Idee zur Regatta ad absurdum geführt werde: „Wenn wir unter gleichen Bedingungen wie damals rundum segeln wollen, muss das selbstredend ohne GPS, Plotter und Autopilot stattfinden,“ sagte er bei einer Pressekonferenz. 

Auch die ersten Teilnehmer meldeten sich bereits zu Wort. So verweist etwa Jean Luc van Heede, fünffacher Weltumsegler (Weltrekordler gegen vorherrschende Strömungen und Winde)  auf die (britischen) Anfänge der Mini Transat im Jahre 1977, als die französischen Skipper jede Menge Ärger mit ihren Behörden bekamen, weil die Boote angeblich nicht seetauglich waren. Dieser Ärger hielt so lange an, bis die Mini Transat offiziell ein französisches Event wurde. Außerdem seien etwa die ersten Vendée Globe-Teilnehmer auf Booten gestartet, die schon beim Hinschauen auseinander zu fallen drohten, argumentiert van Heede weiter.

Zeit der Kompromisse

In der Französischen Szene ist man sich sicher, dass nun die Zeit der Kompromisse und des „Einlenkens“ beginnen wird. Wenn beide Parteien aufeinander zugehen, gibt es genug Ansatzpunkte für ein einvernehmliches Regelwerk beim anstehenden Golden Globe Race. In Sachen Navigation kann man sich beispielsweise an die Mini Transat (die ihren Segen vom FFV schon seit jeher erhielt) anlehnen, bei der zwar ein GPS Pflichtprogramm an Bord ist, die Navigation aber ansonsten ausschließlich über Seekarten erledigt wird.

Falls der Strom ausfällt, muss jeder Teilnehmer einen Sextanten bedienen können. Kommunikationssysteme beschränken sich auf Funkreichweite – die Immarsat-Telefonate „mit den Lieben daheim“ wie bei der Vendée Globe sind bei den Ministen ebenfalls nicht möglich. Und was die Hochseefähigkeit bestimmter Boote anbelangt: hier könnten Regularien von der Route du Rhum übernommen werden. Bei dieser Kult-Einhand-Transatlantik-Regatta sind in der „Rhum“-Klasse mitunter auch Boote am Start, die nach allem aussehen, bloß nicht nach Regatta-Hochseetauglichkeit. Vielleicht können deren Spielregeln gelten? 

Das Golden Globe Race 2018

25 Teilnehmer aus aller Welt haben nach Aussagen der Regattaleitung bisher für das Golden Globe Race 2018 gemeldet. 50 Jahre nach dem legendären Sunday Times Golden Globe Race im Jahre 1968, bei dem Bernard Moitessier und Sir Robin Knox Johnston mitmachten und Segelgeschichte schrieben, soll nun auf alten Booten unter den gleichen Bedingungen wie damals erneut einhand und nonstop um die Welt gesegelt werden. Nur mit Sextant und Papierkarten, ohne Autopilot und weitreichende Kommunikationssysteme.

Die teilnehmenden Yachten müssen u.a. vor 1988 gebaut worden sein. Sicherheitssysteme an Bord sind u.a.: ein Tracking-System, mit dem die Boote immer geortet werden können (auf das die Skipper aber keinen Einblick haben) // ein Kurznachrichten System via Satellit für Dialoge zwischen SkipperIn und Rennleitung// Zwei Satelliten-Telefone, die aber nur für einen Safety-Check einmal wöchentlich genutzt werden dürfen // ein verplompter GPS-Plotter, der nur im Notfall genutzt werden darf //. (Auszug aus den Regularien auf der GGR-Website)

Website GGR

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Golden Globe Race: Französischer Verband droht Low-Tech-Retro-Regatta mit Startverbot“

  1. avatar oh nass is sagt:

    Ach, da gäbe es doch greifbare Kompromisse. EPIRB an Bord, versiegeltes GPS und AIS (für den Notfall) und einen Tracking-Transponder. Und dann mal los.

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  2. avatar Axel Strauss sagt:

    Die FFV hat Recht!

    …und man muss sich nur die “lost-at-sea” oder ernsthaften Havarie Statistiken der frühen Whitbreads, Vendee Globe/BOC oder Mini Transat ansehen.
    Und das waren (bis auf die Minis) alles grössere Yachten.

    Die “Classe Rhum” bei der Route du Rhum muss allenfalls OSR Cat. 1 entsprechen, für einen Round-the-World Regattayacht wird heute durchweg Cat. 0 verlangt.

    Das nicht mehr soviel passiert hat auch mit dem viel höheren Geschwindigkeitpotential der Boote heute zu tun… fast is safe… mit den Golden-Globe Schüsseln ist wieder der ganze alte Mist angesagt: Querschlagen, Kopf-übergehen, Durchkentern…das volle Programm.

    Nette nostalgische Idee, aber hochgradig schwachsinnig und sehr schlecht fürs Segeln.

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