Klassenporträt O-Jolle: Erste Wahl bei Olympia 1936 – immer noch mit großen Feldern

Status Quo der "O"

Video mit meditativen O-Jollie-Luftaufnahmen. (Etwa eine Tonnenberührung bei 8:40 🙂 )

 

Wer glaubt, die „Zeiten“ der Olympiajolle 1936 seien längst vorbei, der sollte mal einen Blick auf die derzeitigen Regattafelder werfen: Knapp 100 Boote bei der EM – in Würde gealtert!

Die Entstehungsgeschichte der Olympiajolle hängt – nomen est omen – eng mit den Olympischen Spielen 1936 zusammen, für die ein neues Einhandboot konstruiert werden sollte, um die bis dahin verwendeten 12-Fuß Dingis (etwa 9qm Segelfläche) und das amerikanische Monotyp-Scharpie (etwa 8 ½ qm Segelfläche ) zu ersetzen.

Olympiajolle, Klassenporträt

Die “skagarak” mit der Segelnummer 1 © IOU

Nachdem der Dahme Jacht Club 1932 auf dem Bundestag des Deutschen Seglerbundes einen Antrag auf Schaffung einer für Binnengewässer brauchbaren Einmannjolle für Olympia gestellt hatte, wurden schon kurz darauf die wesentlichen Bauvorgaben für den neuen Typ herausgegeben: Rundspantboot, karweel geplankt, gerader Mast mit 10 qm Cat-Hochtakelung, 4 Latten im Segel, Länge 5 m, Breite 1,5 m, Freibord vorn mindestens 50 cm, Schwert (mind. 5 mm) im festen Bolzen drehbar, Tiefgang mit Schwert höchstens 1 m.

Nach den Ausscheidungsregatten einander zwar ähnelnder, aber letztendlich doch unterschiedlicher Risse wurden für die Olympischen Spiel sofort 100 Boote der „siegreichen“ Olympia-Jolle bei Buchholz in Potsdam gebaut.

Die Spiele 1936 sorgte für einen ausreichenden Bekanntheitsgrad und entsprechende Verbreitung des neuen Bootstyps. Aber dieser Entwicklung setzte der Krieg dann ein Ende. Zeitzeugen berichteten, dass die Regattatätigkeit bis 1943 ging und erste zaghafte Regatten in der O-Jolle nach dem Krieg in Berlin schon wieder 1946 bei den Tourenseglern Grünau durchgeführt wurden. (Quelle: Geschichte der Olympischen Bootsklasse 1936)

 Status Quo der “O”

So weit zur Herkunft. Tom Holert, zwar neu in der Klasse aber seiner O-Jolle zutiefst verbunden, beschreibt treffend den „Status Quo der O“:

Ich bin Neueinsteiger, nach über 30 Jahren Segelpause musste ich mich im Regattabetrieb ganz weit hinten einreihen, die Jungs in der Klasse – einige Spitzenleute, wie der langjährige Dauerchampion Knut Wahrendorf, schon jenseits der 70 – segeln schlicht auf höchstem Niveau.

Olympiajolle, Klassenporträt

Große Felder – die O-Jollies im Aufwind © IOU

Eigentlich ein Boot für die „Zockerei auf Binnengewässern“, wagt man sich auf der O-Jolle in den letzten Jahren wieder vermehrt auf die Ostsee. Wo meistens, je nach Standpunkt, “spektakuläre” oder “grenzwertige” Bedingungen vorherrschen wie bei der IDM in Warnemünde 2014. Seit drei Jahren nimmt die O-Jolle auch wieder an der Travemünder Woche teil.

Die Olympiajolle war zu DDR-Zeiten das Auffangbecken für viele von der Kaderrealität abgeschreckte Finn- und OK-Segler, deshalb die über Jahrzehnte kultivierte Qualität und Kontinuität, v.a. in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Im Westen hatten sich in den Nachkriegsjahrzehnten, trotz der Ächtung durch das IOC (das nach der Spielen 1936 lieber das Finn einsetzte) auf den Revieren in Berlin, Ratzeburg/Plön, Steinhuder Meer/Dümmer, Baldeneysee, Ammersee usw. ebenfalls stattliche Aktivenzahlen entwickelt.

Olympiajolle, Klassenporträt

In Würde gealtert © IOU

Nachwuchsprobleme?

Die Wiedervereinigung führte dann seit den 90ern zu zeitweise sehr großen Feldern, vor allem, wenn sich zu den Meisterschaften auch noch die starken Holländer sowie Schweizer und Österreicher dazu gesellen.

Die Klasse hat ein gewisses Nachwuchsproblem, weil das Image des Bootes nicht gerade verwegen-jugendlich ist und die Anschaffungskosten nicht unbedingt gering sind: Neue Olympia-Jollen kosten um die 20.000 Euro; allerdings lässt sich auch mit gebrauchten, in manchen Fällen sogar mit drei, vier Jahrzehnte alten Holzbooten noch sehr erfolgreich segeln!

Dafür muss man keine Unsummen in Materialoptimierung stecken, wichtiger sind gute Trimmkenntnisse, Segeltechnik und alle zwei, drei Jahre ein neues Segel.

Olympiajolle, Klassenporträt

Immer noch starke Felder besonders in Deutschland. © IOU

Der Zusammenhalt und die Kameradschaft der O-Jollies ist mittlerweile legendär – auch wenn das eigentlich jede Klasse von sich behauptet. Hier stimmt es jedenfalls!

Trend nach oben

In diesem Jahr lässt sich ein spürbarer Aufwärtstrend vermelden, die Felder wachsen wieder (neulich am Stienitzsee bei der Brandenburger Meisterschaft 40 Meldungen, gleiches in Plön vor einigen Wochen; die Euro und die Niederländische Meisterschaft 2015 weisen Meldezahlen knapp unter 100 auf).

National dominieren in den letzten Jahren Donald Lippert (Berlin), Göran Freise (Magdeburg), Wolfgang Höfener (Dümmer), Detlef Munke (Steinhuder Meer), Frank Lietzmann, die Gebrüder Knut und Olaf Wahrendorf, Holger Kalinna, Christian Seikrit (alle Berlin) und Jan Ten Hoeve (Plön).

Die letzten IDM-Siege holte sich allerdings, immer wenn er teilnahm, Stefan de Vries, der holländische Finn-Segler und Trainer. Bleibt zu erwähnen, dass die drei Großereignisse in diesem Jahr innerhalb von zwei Wochen in regionaler Nähe stattfinden. Sogar Preise (Edelparfüm …) für die Gesamtbesten dieser Tourneen wurden ausgelobt!

Die Geschichte Olympischen Bootsklasse von 1936

Website Olympiajolle Klassenvereinigung

Termine

 

 

Technische Daten

Lüa: 5, 00 m
Breite: 1,66 m
Masthöhe: 6,80 m
Gewicht: 220 kg
Segelfläche: 11,5 qm
Yardstick: 114

 

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