Start am Sonntag: Warum der Stellenwert der Route du Rhum so hoch ist

Massenandrang beim Einhandsegeln. Riechers ist dabei.

Von Konrad Kubisch

Die Route du Rhum zieht im Starthafen St. Malo ein riesieges Publikum an. © Route du Rhum

Am Sonntag, 31.Oktober, startet mit deutscher Beteiligung in Saint Malo (Bretagne) die legendäre Route du Rhum, eine Einhandregatta zur 6.500 Kilometer entfernten Karibikinsel Guadeloupe, die je nach Bootsklasse zwischen sechs und 21 Tagen dauert.

Aus einer klassischen Route der Frachtsegler ist 1978 eine Segelveranstaltung geworden, die alle vier Jahre stattfindet und neben der Vendée Globe zum größten Segelevent in Frankreich gehört.

Nach der englischen Ostar, die 1960 zum ersten Mal von Plymouth nach New York in 40 Tagen gesegelt wurde, zählt die Route du Rhum der Franzosen heute zur wichtigsten und größten Transatlantikregatta der Einhandszene und ist mehr als nur ein sportliches Kräftemessen.

Von 1978 bis 2006 sind 322 Teilnehmer auf diese Regattastrecke gegangen. Tausend akkreditierte Journalisten und eine halbe Millionen Menschen werden in diesem Jahr zum Start erwartet, hinzu kommen Live-Übertragungen im Fernsehen.

Der Starthafen St. Malo mit den 87 Yachten aus der Luft © Route du Rhum

Internetportale verfolgen zeitgleich die Startphase und übertragen fast in Echtzeit alle Positionen der 87 Skipper in fünf Bootsklassen während der Atlantiküberquerung. Millionen Menschen  können per Internet täglich die Positionen auf dem Race-Tracker verfolgen.

Es ist ein nautisches Spektakel der Superlative, spannend wie ein Krimi, inszeniert von den schnellsten Schiffen der Welt, wie dem 32 Meter langen Rekord-Maxi-Trimarane “Sodebo” von Thomas Coville bis hin zu den 12 Meter langen Monohulls der Classe 40.

In dieser Klasse sucht der Hamburger Jörg Riechers (40) seine Chance bei der Route du Rhum, denn seit 1982 (Klaus Schrodt) gab es keine deutsche Beteiligung mehr.

Jörg Riechers startet für Deutschland in mit der gecharterten Class 40 "Mare.de"© Breschi

Fast unbemerkt, absolviert Jörg Riechers eine Profikarriere, die selbst die Franzosen staunen lässt. Er segelte Laser, Mumm 36 und führt dieses Jahr auf  Rang 1 von 112 Seglern die Prototypen der Miniklasse an, eine über Jahren von Franzosen dominierte Segelklasse der 6,50 Meter großen Booten, die ein Sprungbrett in das große Geschäft der Hochseesegler bieten.

Im vergangenen Jahr siegte Riechers bei der Regatta “Transgacogne” über 650 Seemeilen. Damit ist er der erste Deutsche, der dieses französische Rennen gewonnen hatte. Und mit seinem Boot „mare.de” landete der Hamburger bei der Pornichet Select Regatta nach 300 Seemeilen nonstop auf dem zweiten Platz.

„Der Wechsel zum 40 Fuß langen Schiff für die Route du Rhum ist der logische Schritt für Jörg Riechers auf seiner Karriereleiter”, so Schirmherr und Sponsor Nikolaus Gelpke von der Zeitschrift „mare“, der seinem Mann viel zutraut. „Bei der Route du Rhum ist trotz großer Konkurrenz von  46 Booten in dieser Klasse alles möglich”.

Zum Hintergrund der Route du Rhum

Die Route erinnert an ehemalige Handelsrouten großer Frachtsegler zwischen Europa und der Karibik. Ihr Exportschlager war damals der Rum. Auch Frachtsegler hatten es damals sehr eilig, das begehrte Zuckerrohrprodukt nach Europa zu bringen.

Da eine schnelle Fahrzeit bares Geld bedeutete entstand ein Kampf unter den Reedern um das schnellste Schiff. Die Schiffsbesatzungen verfolgten aber auch noch ganz andere Ziele, denn sie segelten auch um die Ehre als Schnellste den Atlantik überquert zu haben.

Bis heute scheint dem französischen Seefahrervolk dieser Ehrgeiz im Blut zu stecken, denn immer weiter wird an der Technik der Segelschiffe geforscht, probiert und gekämpft. Es ist ein Hochleistungssport auf den Weltmeeren, der einfach mehr hergibt, als der Dreieckskurs einer Tagesregatta.

Michel Etevenon, Gründer der Route du Rhum prophezeite und mahnte schon 1978 „…In ein paar Jahren wird der Amateur-Segler einen Knopf drücken und seine Position genau kennen. Das wird viele Unfälle verhindern. aber zuerst müssen wir dem Erfindergeist die Fenster öffnen, die von Scheuklappen der Verantwortlichen über Jahrzehnte sorgsam verschlossen gehalten wurden”.

Die große Attraktion. Franck Cammas will seine "Groupama 3", der denn Rekord um die Welt hält, statt mit Crew nun alleine segeln. © Zedda

In Frankreich haben diese Worte ihre Wirkung erzielt, denn bei unserem Nachbar entwickelte sich eine Wassersportindustrie, die vom Hochseerennsport profitiert. Fast wie Testpiloten wollen Profisegler nicht nur immer schneller segeln auch die Sicherheit liegt ihnen am Herzen, und so haben sie probiert, geforscht und mit den Werften ihre Ideen umgesetzt.

1978 lag die Bestzeit auf der Strecke in die Karibik noch bei über 23 Tagen, bei der letzten Route du Rhum 2006 waren es nur noch 7 Tage und 17 Stunden. Auch in Punkto Sicherheit hat sich viel getan, seit Jahren gab es keine tragischen Havarien mehr, obwohl 2002 bei Winden von bis zu 80 Knoten alleine bei den 60-Fuß Multihulls 15 von 18 Schiffen ausfielen. Der Wind bleibt auch auf See ein unbestimmter Faktor.

Welten liegen zwischen den alten Holz- oder GFK-Yachten der 60er Jahre und den modernen Rennyachten aus Karbon. Auch Alu- oder Holzmasten wichen diesem leichten, aber zugleich festen Werkstoff. Selbst die Segel erfuhren eine Revolution, denn schwere Baumwollsegel und gewebte Kunstfasersegel sind schon lange Geschichte.

Heute werden Segel laminiert. Multihulls gelten als die High-Tech-Schiffe schlechthin. Sie verdrängen kaum noch Wasser und können über 40 Knoten schnell werden, ohne an Sicherheit einzubüßen.

Auch das Satelliten gestützte Wetter-Routing hilft den Skippern auf See den richtigen Wind vorausschauend zu finden, oder gefährlichen Wettersituationen möglichst auszuweichen. Das GPS und eine Vielzahl elektronischer Geräte an Bord sind selbstverständlich geworden.

Die Schiffe sind sicherer geworden. Letztlich zählt aber die Erfahrung des Menschen, der diese Technik bedient um die Ozeane zu bezwingen. Die Route du Rhum ist Hochleistungssport, Abenteuer und sicher auch Unterhaltung für Millionen.

Die Daten zur Regatta:

Regatta: Route du Rhum, findet alle vier Jahre statt und ist das größte Segelevent in Frankreich neben der Vendée Globe

Start: 31.Oktober 13:02 Uhr in St Malo?

Route:  Saint Malo (Bretagne) nach Guadeloupe (Karibik)

Entfernung: 6.500 km

Zeit:  Der Rekord liegt bei 7 Tagen und 17 Stunden

Schiffe:  verschiedene Schiffsklassen, von 12 Meter bis 32 Meter, Multihulls und Monohulls

Teilnehmer: insgesamt 87 Schiffe

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Carsten Kemmling

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