Volvo Ocean Race: AkzoNobel-Skipper vom Steuerrad gerissen – Gefährliches offenes Cockpit

Fast über Bord

Simeon Tienpont wird den Schmerz ertragen können. Zwar lässt ihn ein Brecher blöd aussehen, der ihn vom Steuerrad katapultiert, aber dennoch hat er Grund zur Freude.

Man könnte diese Volvo65-Yachten auch anders bauen, wenn es nach dem aktuellen Stand der Technik geht. Man könnte sie so bauen, dass die Crew bei Höchstgeschwindigkeit nicht ungeschützt den über das Deck rauschenden Brechern ausgesetzt ist.

Simeon Tienpont

Simeon Tienpont nach seinem Knockdown. © Rich Edwards/Volvo Ocean Race

Die Open60 mit ihrem abgedeckten Cockpit machen es vor. Einhandsegler können ihre Törns bei der Vendée Globe vergleichsweise trocken absolvieren. Aber beim Volvo Ocean Race geht es nicht darum, seemannschaftlich logische Bootsbau-Lösungen zu präsentieren. Alle Crews sitzen auf Einheitsyachten, und die sollen den Fans eindrucksvolle Bilder vom Segeln am Limit liefern.

Das kann schon mal daneben gehen, so wie bei Annie Lush, die von einer Welle im Cockpit erwischt wurde und sich schwer verletzte. Und das hätte auch AkzoNobel-Skipper Simeon Tienpont widerfahren können, als ihn ein Brecher vom Steuerrad wusch.

Zweites Leben geschenkt

Seine Lifeline war diesmal vorbildlich eingepickt und sie rettete ihm möglicherweise das Leben. Denn das Scallywag Mann-über-Bord-Manöver auf der vergangenen Etappe hat gezeigt, wie schwer es ist, einen Segler aus dem Wasser zu fischen. Aber der Vorfall hat gezeigt, wie real die Gefahr ist. Auf diesen VO65 kann es sich niemand leisten, für einen Moment unachtsam zu sein.

Simeon Tienpot hat aber nicht viel Zeit, sich über das Was-wäre-wenn den Kopf zu zerbrechen. Zumindest sportlich ist ihm vom Regatta-Gott ein zweites Leben geschenkt worden. Eigentlich schien die Etappe nach dem gemeinsam mit Scallywag erzwungenen frühen Split vom Feld schon verloren, aber der Fehler führte zu neuen Optionen, aus denen jetzt sogar unerwartet die Führung erwachsen ist.

Damit wäre für das holländische Boot nach den unglaublichen Tiefschlägen der ersten Regattawochen am Ende plötzlich wieder ein Platz auf dem Podium möglich. Die Position an der Spitze dürfte jedenfalls für die Moral des zusammengewürfelten Haufens sehr hilfreich sein und zu der Entwicklung einer schlagkräftigen Einheit beitragen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: AkzoNobel-Skipper vom Steuerrad gerissen – Gefährliches offenes Cockpit“

  1. avatar Peter sagt:

    Den Vergleich mit den Open 60 halte ich für nicht fair. Der Grund warum die Open 60 Segler relativ trocken bleiben ist das sie eig. immer den Autopilot benutzen. Zudem ist das Cockpit viel kleiner und ist somit fast komplett von der “Sprayhood” geschützt. Bei den VO65 Yachten ist diese Spayhood genauso groß nur ist das Cockpit natürlich viel größer um der Crew genügend Platz zu bieten.

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  2. avatar Nils kaiser sagt:

    ich würde mir eine etwas objektivere Berichterstattung wünschen!

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  3. avatar coist sagt:

    Irgendwie hat SR mit diesem VOR noch keinen Frieden gefunden.
    Besserwisserisch, spekulativ und manchmal auch dreist unterstellend.

    Mag sein, dass am Ende nur auf Alster richtig gesegelt wird. Ich hätte aber ehrlich gesagt lieber ein deutsches Team im VOR mit nem Skipper mit dem Charakter von bpsw Witt, dem ich die Daumen drücken könnte.

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  4. avatar Sven 14Footer sagt:

    Der Vergleich mit einem IMOCA hinkt ein wenig. Die IMOCAs segeln reine Langstrecke mit 1 max. 2 Personen. Im VOR haben wir Inport Races und enge Positionskämpfe. Häufig sind 8-9 Personen im Cockpit aktiv. Die sollen unter einem festen Riesensprayhood alle PLatz finden und trotzdem noch den Überblick behalten. Das wird sehr schwierig.
    Außerdem gibt es noch mehr Regattayachten, welche für Offshore Langstrecken gebaut wurden. Keine ist mir bekannt, welche solche Sprayhoods fahren. Scheint gute Gründe zu geben. (Ausnahme Schiffe die für Single oder Double hand kontruiert wurden)

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      Ja, stimmt schon. Soll eigentlich auch nur der Hinweis darauf sein, dass die medialen Anforderungen Einfluss auf den Bau des Bootes haben. Und das ist nur bei einer Onedesign-Vorgabe möglich. Aber ich finds gut. Sind doch tolle Bilder. Merh Schutz wäre sicherer aber eben auch langweiliger und langsamer. Ich denke aber schon, dass Designer bei einer offenen Regel mehr Schutz für die Crew einbauen würden. Aber man muss wohl den erhöhten Windwiderstand dagegen rechnen. Auch deshalb ist wohl Comanche so flach wie ein Flunder.

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  5. avatar Kauni sagt:

    Dieser Artikel lässt einen wirklich wütend werden und die Arroganz des ehemaligen UITG Pressesprechers ist unerträglich. Diese ganzen Spekulationen über Schiffbau und Co. sind nicht relevant, denn entweder man nimmt teil oder man lässt es. Es ist kein Wunschkonzert sondern ein höchst professionelles TEAM Rennen bei dem die unterschiedlichtsten Ansrpüche wie Attraktivität, Vermarktbarkeit usw. vom Veranstalter berücksichtigt werden müssen. Im übrigen zeigen Aussagen wie der “zusammengewürfelte Haufen” auf welcher journalistischen Ebene sich dieser Blog bewegt. Vieleicht hätte die Bildzeitung noch mehr gezahlt als der Segelverlag.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 6

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