America’s Cup: Aufeinandertreffen der AC40 vor Barcelona – Korken-Nose-Dive von Alinghi

Falsche Knöpfe und Stecker

Die erste offizielle Vorregatta zum 37. America’s Cup startet zwar erst in knapp zwei Wochen, doch vor Barcelona trafen die Teams schon jetzt in ihren baugleichen AC40-Rennmaschinen in Übrungsrennen aufeinander. Die Aufnahmen zeigen, dass die Teams die Schiffe längst noch nicht zu 100 Prozent im Griff haben.

 

 
 
 
 
 
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Die Tonnenmanöver sind noch immer der heikle Punkt, wenn es ums Handling der Mini-Krakenfoiler geht. In dem Moment, in dem die Boote abfallen, beschleunigen sie derart explosiv, dass die Foils so viel Auftrieb erzeugen können, dass die Strömung letztendlich abreißt und das Boot einen Stecker fährt. So geschehen bei Alinghi Red Bull, die sich in das Mittelmeer vor Barcelona bohren, um dann wie ein Korken wieder rückwärts aus dem Wasser zu schießen. Erst einige Tage zuvor machten die Newcomer vom französischen Orient-Express-Team eine ähnliche Erfahrung.

Doch die AC40 scheinen ohne Schäden aus dem Nose-Dive herausgekommen zu sein. Die Verstärkungen in der Bugsektion scheinen den Kräften jetzt standzuhalten. Die Kiwis hatten ihren Prototypen im letzten Jahr so brutal in die Welle gesetzt, dass nicht nur ihr Boot repariert werden musste, sondern auch die im Bau befindlichen AC40 angepasst werden mussten.

Highspeed-Rennen vor Barcelona: Die AC40 geben Gas!

Trotz ihres Steckers im letzten Rennen performte Alinghi Red Bull richtig gut und konnte schon eine kleine Duftmarke setzen. Das Team entschied sich erst relativ spät zur Meldung zum Cup und musste reichlich Mono-Foiling-Erfahrung nachholen. Die Neuseeländer, Briten, Italiener und Amerikaner brachten aus dem letzten Cup-Zyklus schon reichlich Erfahrung mit.

Doch Alinghi macht den Anschein, dass es schneller den Anschluss finden könnte, als erwartet – zumindest bei den AC40. Im ersten Rennen des zweiten Renntages segelten das Team als erstes über die Linie und zementierte sich darauf auf dem dritten Platz ein. Dami ließen beispielsweise die Briten um Ben Ainslie vom INEOS Britannia hinter sich, die wesentlich mehr Erfahrung haben sollten.

Allerdings hatte Ainslie zuletzt einen anderen Fokus und segelt anders als Alinghi, Neuseeland und American Magic nur einen AC40 im Einsatz. Ähnlich wie Luna Rossa segeln die Briten parallel ein 40-Fuß Testboot. Auch die Amerikaner befinden sich in einer anderen Phase und haben ihre zwei AC40 mit Test-Foils bestückt, die sie aktuell im In-house-training bewegen. Das ist jedenfalls der kommunizierte Grund für die Nicht-Teilnahme bei den Testregatten.

Die Briten enttäuschten im Vergleich mit den anderen Teams und segelten im hinteren Feld.

Während Team New Zealand in den nächsten drei Übungsrennen mit Siegen dominierte bildeten die Franzosen das Schlusslicht. Doch das ist nicht verwunderlich. Sie übernahmen erst vor kurzem ihren AC40 und planen den 37. Cup eher als Möglichkeit, um reichlich Erfahrung zu sammeln. Im 38. Cup wollen sie dann vorne angreifen.

https://www.facebook.com/watch/?ref=saved&v=332103672495451

Das hatte sich auch Alinghi Red Bull auf die Fahnen geschrieben, doch nach den ersten Übungsrennen könnte der nächste Cup doch um einiges spannender werden. Das erste Highlight findet dann in zwei Wochen statt.

Nach den Einsätzen auf dem Wasser war auch immer wieder zu hören, dass in den Manövern mal ein falscher Knopf gedrückt worden sei oder allgemein Fehler passiert seien. Dennoch zeigte sich die Teams beeindruckt, wie ausgereift die AC40 sind. Sind die Kinderkrankenheiten erst abgestellt, werden uns sicherlich äußerst spannende Regatten erwarten – und die Taktiker sind gefragter denn je…

Luna Rossa Prada Pirelli segelte sehr konstant.

Die Amerikaner entschieden sich übrigens gegen die Übungsrennen und absolvierten am Wochenende mehrere Trainingseinheiten mit verschiedenen Foils.

Stimmen aus den Teams

INEOS Britannia: Das britische Team, das am Start jeweils weit vorne lag, zeigte aufgrund kurzfristiger Teamänderungen eine halbwegs solide Leistung. „Wir hatten einen Tag mit allen Bedingungen. Es begall leicht, doch dann entwickelte sich eine guten Brise mit einigen Gelegenheiten, wir hatten einige wirklich gute Momente nach dem Start, zeigten bei einigen Bedingungen einen guten Speed, aber wir machten auch einige Fehler… Wir sind nicht so viel gesegelt, wie wir eigentlich wollten, und das macht sich ein bisschen bemerkbar. Wir müssen abwägen, wie wichtig es ist, und wir haben das Gefühl, dass wir an dieser Front aufholen können. Aber: wir haben definitiv Spaß dabei!“

Alinghi Red Bull Racing: Das Schweizer Team stellte sich als ernstzunehmender Konkurrent heraus. Maxime Bachelin sagte: „Ja, es war den ganzen Tag über sehr schön zu segeln, und die erste Wettfahrt war bei starkem Wind und immer noch flachem Wasser, weil der Wind eben erst begann sich aufzubauen. Es hat also sehr viel Spaß gemacht, wir hatten einen sehr guten Start, und wir haben die Dreher gut aussegeln können. In diesem Gebiet ist es ziemlich knifflig – manchmal links, manchmal rechts – also haben wir wirklich viel mit untereinander über den Druck und die Dreher gesprochen – und das hat für die erste Wettfahrt sehr gut funktioniert.“

Emirates Team New Zealand: Das Team aus Neuseeland war das dominierende Team des Tages und zeigte nur im ersten Rennen Schwächen. Alle anderen gewann es. Elise Beavis betonte die Einzigartigkeit des Fleetraces: „Es war fantastisch, fünf Boote auf der Rennstrecke zu habe. Es ist so cool, dieses Fleetrace zu haben und in der Lage zu sein, diese verschiedenen Rennen zu üben und auszuprobieren, was wir als Team einfach schon lange nicht mehr gemacht haben. Es ist wirklich cool, daran zu arbeiten, wie man sich positioniert, um gut von der Linie zu kommen. Und vor allem, wie man sich im Verhältnis zur ganzen Flotte positioniert, nicht nur zu einem anderen Boot.

Luna Rossa Prada Pirelli: Philippe Presti, der Coach des Teams, äußerte sich zufrieden über die Leistung seines Teams: „Es war großartig bei diesen Bedingungen zu segeln. Jedes Mal, wenn wir gegen alle Boote segeln können, ist das ein wichtiger Lerneffekt für uns, also haben wir an unserer Vorstartroutine und unserem Software-Setup gearbeitet. Wir hatten mit drei zweiten Plätzen ein für uns sehr gutes Resultat!“

Ausblick: Mit weiteren geplanten Testrennen in den kommenden Wochen und der bevorstehenden Vorregatta in Vilanova i La Geltrú in nur zwei Wochen sind sowohl Fans als auch Teams gespannt auf das, was als nächstes kommt. Regatta-Direktor Iain Murray hat den genauen Zeitplan noch nicht bestätigt, aber es ist sicher, dass die AC40s in den kommenden Wochen weiterhin im Mittelpunkt stehen werden.

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