Hochglanz-Segeln verkauft sich gut: Palmen, Downwind, Drohnenbilder. Doch es gibt auch die andere Seite des Traums unter Segeln – Staub, Flex, Prellungen und finanzielles Risiko. Raf und Sascha bauen einen vom Hurrikan zerstörten Luxus-Katamaran aus den Mangroven in Eigenarbeit neu auf.
Schaut man sich in der großen, weiten Welt der Segel-Influencer etwas intensiver um, fällt eine regelrechte Klassenteilung auf. Da sind die Hippen und Coolen, die mit ihren professionell gedrehten Videos von Törns zu paradiesischen Inseln auf luxuriösen Traumyachten Millionen Menschen „mit auf die Reise nehmen“. Wie Elayna und Riley mit ihren beiden Söhnen auf dem Zwei-Millionen-Trimaran Rapido 60 „La Vagabonde“, die allerdings nun (gelangweilt?) aus dem „Segel-Business“ aussteigen wollen (allein bei Youtube zwei Millionen Abonnenten).
Sie sind ein repräsentatives Beispiel für eine Influencer-Kategorie, die mit vielen anderen eine Gemeinsamkeit teilt: Sie scheinen in einer Art Dauer-Urlaub unterwegs zu sein, bei dem die einzige Sorge ist, ob am nächsten Traumstrand auch wirklich Spielkameraden auf die lieben Kleinen warten. Arbeit? Nebensache. Geld? Vorhanden, auch dank der zahlreichen Fans.

Und es gibt die anderen, die das genaue Gegenteil (ebenfalls per Video) vermitteln: Die sich ihren Traum unter Segeln wirklich hart erarbeiten. Und zwar mit händischer, eigenständiger „Maloche“ am „Objekt der Begierde“. Die enorme finanzielle Risiken eingehen, alles auf eine „Karte“ setzen und bis zuletzt nicht aus der Risikozone herauskommen. Auch solche haben interessanterweise hohe Follower-Werte zu verzeichnen. Vielleicht, weil es die gemeine Couch-Potatoe klasse findet, wenn andere scheitern. Aber auch, weil harter Eigeneinsatz, hohes Risiko und die Lust am Selbermachen immer mehr Menschen begeistern.
Traumyacht aus dem Mangrovenschlamm
Ein typisches Paar für diese letztgenannte Kategorie sind Sascha und Raf. Die beiden jungen US-Amerikaner fanden vor eineinhalb Jahren während einer Hilfsaktion für die vom Hurrikan Beryl besonders betroffenen Menschen auf der Grenadinen-Insel Carriacou ihr Traumboot: einen Lagoon450S-Katamaran.
Der Haken an diesem Fund war spektakulär: Der Luxus-Kat war vom genannten Hurrikan weit in die Mangroven hineingeschleudert worden und lag kopfüber im Wasser und Schlamm. Trümmer im Inneren, Technik teils zerstört, Elektronik geplündert. Von der Versicherung als Totalschaden abgeschrieben, war der Preis für den Luxuskat das sprichwörtliche Schnäppchen: 110.000 Dollar, inklusive Kran-Bergungskosten. Allerdings waren strukturelle Schäden an den Rümpfen, am Aufbau etc. nicht einsehbar. Was wiederum schon die Bergungsaktion mit einem Schwimmkran zu einem Drahtseilakt machte.

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