Nachts mitten in der Fahrrinne ankern, morgens freundlich rausgewinkt werden – und dann klemmt der Anker. Willkommen auf den Kapverden. Für Seemannschaft-Puristen ein Albtraum, für „Blue Horizon“ perfektes Material. Leonie Maßmann und Thilo Ernst sind wieder unterwegs: neues Boot, neue Crew, neue Ambitionen. Und dieses Mal soll es wirklich einmal um die Welt gehen.
Sogenannte Segel-Influencer gibt es mittlerweile zu Hunderten. Sie schippern mehr oder weniger erfolgreich über die Weltmeere, wobei Erfolg bekanntlich nicht in seglerischen Leistungen, sondern in Aufmerksamkeitswerten gemessen wird. Die wiederum werden durch möglichst eindrucksvolle Videos und Fotografien der Reise generiert – gestreng nach dem Motto: Es kommt weniger darauf an, wie gut du etwas machst, sondern was du daraus machst!
Euphorisch, ehrlich, selbstkritisch
Mit einer klassischen Berichterstattung ist das selten vergleichbar. Es geht um Können vor und hinter der Kamera und neuerdings am Remote- oder FPV-Controller der über den Yachten fliegenden Drohnen. Peinlichkeiten und Unschönes werden meist rausgeschnitten oder gar nicht erst gefilmt. Es gelten die Prämissen: schön, sonnig, lässig und „geil“.
Doch auch hier gibt es bekanntlich Ausnahmen. Sie wiederum bestechen durch eine gewisse zwischenmenschliche Ehrlichkeit auch in den eher seltsamen bis peinlichen Momenten, durch außerordentliche Transparenz (was etwa die Finanzierung ihrer manchmal allzu exotischen Abenteuer betrifft) und letztlich durch eine steile Lernkurve bei ihren dokumentierenden Video-Arbeiten.
Leonie Maßmann (26) und Thilo Ernst (27) sind in der deutschen Segel-YouTube-Szene unter dem Label „Blue Horizon“ längst keine „Kids auf dem Boot“ mehr. Seit sechs Jahren liefern sie für mittlerweile 217.000 Abonnenten auf Youtube Langfahrt als Serie: mal euphorisch, mal improvisiert, oft erstaunlich ehrlich – inklusive Materialstress, Selbstkritik und den kleinen Logistik-Katastrophen, die unterwegs eben passieren.
Die Seglerinnen und Segler auf der Blue Horizon – damals noch zu dritt – hatten ihre Intentionen bereits früh formuliert: Sie wollen intensiv erleben, es kommt weniger auf die Strecke in ihrer Länge an, sondern auf den Erlebnismoment. Sicherlich kein neuer Anspruch für junge, abenteuerlustige Menschen, jedoch in der konsequenten Ausführung bemerkenswert. Der erste große Schritt war 2019 der Bootskauf: 11,70 Meter Roberts Offshore, Stahl, zwei Masten, Baujahr 1986 – und mit einer Vorgeschichte, die zur Erzählung passte: Dieses Boot sei zuvor schon 16 Jahre auf Weltreise gewesen. Auf dieses „Basic-Set-up“ folgte eine steile Lernkurve: Atlantik, Langfahrtalltag, Materialprobleme und -pflege, Entscheidungen unter Druck. Mehrere deutschsprachige Medien porträtierten das Projekt 2021 bereits als konsequente Blauwasserreise – inklusive Ankunft an der brasilianischen Küste.
Schon länger dabei
SegelReporter griff Blue Horizon früh in seiner Berichterstattung auf. Etwa 2020, als ihr Videomaterial im Kontext der ersten Orca-Zwischenfälle vor Spanien/Biskaya auftauchte. Und 2022 meldete SR den nächsten Marker: 100.000 Abonnenten – während aus dem ursprünglichen Trio inzwischen ein Duo geworden war.
Kurz: Leonie und Thilo haben „schon einiges hinter sich“ – vom Stahlboot-Refit über Atlantik-Etappen bis zu einem Projekt, das heute nicht mehr nur Reise, sondern auch Expeditionscharakter haben soll. Doch davon später mehr.

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