Vor dem Gericht wird protestiert, im Saal geht es um den Vorwurf sexueller Übergriffe gegen vier Frauen: Der frühere Hochsee-Held Kevin Escoffier muss sich heute in Lorient verantworten. Der Fall hat die französische Segelszene tief erschüttert – und zeigt, wie viel Druck inzwischen auf einem Milieu liegt, das lange lieber schwieg. Für Escoffier gilt dabei die Unschuldsvermutung.

Vor dem Strafgericht in Lorient ist die Stimmung an diesem Montag nicht nur juristisch, sondern auch emotional aufgeladen. Für 13.30 Uhr ist der Prozess gegen den französischen Hochseesegler Kevin Escoffier angesetzt. Bereits ab Mittag ist eine Kundgebung vor dem Gerichtsgebäude im Gange. Rund 100 Menschen haben sich versammelt. Zu sehen sind Transparente mit den Aufschriften „Stopp dem Schweigen“, „Wir glauben an Euch“ und „nie wieder sexuelle Übergriffe“. Der lediglich 80 Zuschauer fassende Gerichtsssall ist viel zu klein. Allein ca 30 Journalisten haben sich akkreditiert.
Der Fall Escoffier und das Schweigen der Szene
Damit beginnt ein Verfahren, das in Frankreich weit über einen gewöhnlichen Strafprozess hinausweist. Denn auf der Anklagebank sitzt nicht irgendwer, sondern einer der bekanntesten Offshore-Segler seiner Generation: Schiffbauingenieur, Vendée-Globe-Schiffbrüchiger, von Jean Le Cam spektakulär gerettet, Ocean Race-Champion – lange ein Name mit Glanz, Renommee und großem Leumund in der Szene. Genau dieser Kontrast macht den Fall so brisant. Der Mann, der auf See als Ausnahmefigur galt, muss sich nun wegen mutmaßlicher Taten verantworten, die an Land begangen worden sein sollen.

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