Rettung auf dem Chiemsee: Segler stellt Ablauf anders dar – Was die Blinklichter bedeuten

„Shit happens“

Am Sonntag hat ein Segler auf dem Chiemsee einen größeren Rettungseinsatz ausgelöst – und damit für verständnislose Agenturmeldungen gesorgt: Ein 68-jähriger Katamaransegler sei „trotz Starkwindwarnung“ ausgelaufen und in Lebensgefahr geraten. Klassischer Leichtsinn? Die Darstellung des Betroffenen zeichnet ein deutlich anderes Bild.

Symbolbild: Mit dem A-Cat bei Flaute vor der Fraueninsel am Chiemsee. © Andreas P. Rossteuscher

Ausgangspunkt der Berichterstattung ist eine Pressemitteilung der Polizeiinspektion Prien, die den Vorfall in die bekannte Dramaturgie einordnet: Warnlampen aktiv, Boot gekentert, Segler vermisst, Großaufgebot im Einsatz. Tatsächlich wurde der Mann schließlich im Wasser treibend gefunden und stark unterkühlt gerettet – bei Wassertemperaturen um 10 Grad zweifellos eine ernste Situation.

In der Polizei-Meldung heißt es: „Starkwindwarnung nicht beachtet – Segler gerade noch gerettet. Bereits seit dem Vormittag signalisierten die Warnlampen am Chiemsee Starkwindwarnung. Einige Wassersportler ließen sich jedoch nicht davon abhalten, den See für ihre Aktivitäten zu nutzen. Nachdem gegen 14:00 Uhr ein gekenterter Katamaran auf dem östlichen Teil des Sees mitgeteilt wurde und von der Besatzung keine Spur war, begann ein Großeinsatz unter Einbindung der Wasserwacht, DLRG, eines Rettungshubschraubers und der Wasserschutzpolizei Prien.

Wasserschutzpolizei auf dem Chiemsee. © Polizei Prien

Hierbei konnte der 68-jährige Bootsführer aus dem Landkreis Rosenheim mitten im See treibend festgestellt und gerettet werden. Die von ihm getragene Schwimmweste hatte ihm wohl das Leben gerettet. Er wurde stark unterkühlt ins Krankenhaus gebracht, während sein Boot in einen Hafen geschleppt wurde. Die Wasserschutzpolizei bittet die Wassersportler, achtsam mit den noch niedrigen Wassertemperaturen von aktuell etwa 10 Grad umzugehen, entsprechende Rettungsmittel an Bord zu haben, stets ein Mobiltelefon mit sich zu führen und vor allem auch die aktuellen Gefahren- und Warnmeldungen zu beachten.“

Doch Heinz Dieter Löb, der betroffene Segler, widerspricht der Darstellung in zentralen Punkten. Er äußert sich in Kommentarspalten zu den Artikeln. „Ich bin derjenige, der das alles ausgelöst hat, und natürlich sehr, sehr dankbar der gesamten Rettungsorganisation gegenüber! Und es ist mir auch sehr unangenehm, diesen Wirbel ausgelöst zu haben.“ Aber alleine in den Überschriften würden schon „zwei komplett falsche Punkte“ genannt.

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Ein Kommentar zu „Rettung auf dem Chiemsee: Segler stellt Ablauf anders dar – Was die Blinklichter bedeuten“

  1. Sebastian Kraft

    sagt:

    Der Chiemsee war für sehr viele Jahre auch mein Heimatrevier, Schützing unser Wahlzuhause. Ich kann den Aussagen des Seglers nur zustimmen. Dazu kommt, dass nach meinem Kenntnisstand die Sturmwarnung mit anderen Bayer. Seen gekoppelt ist… bei Vorwarnung schauen Segler aufs Wetter, Wetterapps und die lokale Erfahrung, ziehen sich gut an und fahren raus.

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