Branchenwechsel im deutschen Spitzensport: Mit Frank Weiland wechselt einer der profiliertesten Sportpsychologen des deutschen Fußballs fest in die internationale Segelliga SailGP. Nach fast einem Jahrzehnt beim Hamburger SV tauscht Weiland ab dem 1. Juli den Rasen gegen die Hightech-Katamarane. Sein Auftrag: Das deutsche Team psychisch auf das nächste Level zu heben.

„Mit Frank Weiland holen wir uns Expertise ins Boot, die über den Tellerrand des Segelsports hinausblickt“, sagt Tim Krieglstein, CEO des deutschen SailGP Teams. „Seine Erfahrung im Umgang mit Drucksituationen im Profifußball wird uns helfen, entscheidende Prozentpunkte auf dem Wasser zu finden.“
Highspeed-Schach auf dem Wasser: Kognitive Höchstleistung bei 100 km/h
Während im Fußball wöchentlich Routine, feste Taktiken und eingespielte Abläufe im Stadion dominieren, wartet beim SailGP eine neue Dynamik auf den 42-jährigen Psychologen. Auf den foilenden Katamaranen agieren Athlet:innen in einem Umfeld, das maximale kognitive Höchstleistungen unter physischem Stress abverlangt.

Frank Weiland zu seiner neuen Herausforderung: „Die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung im SailGP ist weltweit einzigartig. Es gibt kaum Vorbereitungszeit vor Ort, die Rennen sind extrem kurz und nicht wiederholbar. Entscheidungen müssen auf Knopfdruck und unter ohrenbetäubendem Windlärm über die Headsets fallen. Das verzeiht keinen Bruchteil einer Sekunde des Zweifelns.“
Vom Einwechselspieler zum „Schatten-Training“: Die Parallelen zum Rasensport
Trotz der Unterschiede sieht Weiland Parallelen im Bereich der Teamdynamik. „Das Spannungsfeld auf dem Boot ähnelt dem eines zweiten Torwarts oder eines Auswechselspielers in der Bundesliga“, so Weiland. Beim SailGP entscheidet sich oft erst wenige Minuten vor dem Start, wer an Bord geht – abhängig von Wind und Regularien. Wer draußen bleibt, muss trotzdem von der ersten Sekunde an mental rennbereit sein, ohne sich vorher auf dem Feld „warmzulaufen”.

Um das Team rund um Steuermann Erik Kosegarten-Heil optimal zu kalibrieren, setzt Weiland auf ein hybrides Konzept: In strategischen Remote-Sessions zwischen den Events wird das Fundament gelegt; direkt vor Ort an den Rennwochenenden analysiert er die Kommunikation des Teams hautnah an Land und vom Begleitboot (Chaseboat) aus.
Das Ziel: Den perfekten Wettkampfmodus zu finden. „Im Training müssen wir Fehler analytisch zerlegen. Doch am Renntag selbst müssen die Athlet:innen die Kopflastigkeit ablegen. Sportler:innen sind dann am besten, wenn sie intuitiv handeln und die Angst vor Fehlern ausschalten.“ Genau dieser fast tranceartige Zustand – in der Psychologie als „Flow“ bezeichnet – entscheidet über Sieg oder Schnittfehler.

„Für mich schließt sich mit diesem Wechsel ein Kreis“, sagt Weiland über seine neue Aufgabe. „Nach vielen Jahren im Spitzenfußball reizt es mich, meine Erfahrung in ein dynamisches Umfeld wie den SailGP einzubringen. Das deutsche Team hat eine enorme sportliche Lernkurve hinter sich. Jetzt geht es darum, die mentale Stärke auf das Wasser zu bringen. Ich spüre im gesamten Team einen Hunger auf Erfolg und diesen Prozess aktiv mitzugestalten, ist eine fantastische Herausforderung.”
Das Flow-Prinzip: So schalten Sie im Alltag auf Höchstleistung
Egal ob vor 57.000 Zuschauer:innen im Stadion, beim Highspeed-Rennen auf dem Wasser oder vor einer wichtigen Präsentation: Der „Flow-Zustand“ lässt sich trainieren. Sportpsychologe Frank Weiland gibt drei konkrete Tipps, wie man im Alltag das volle Potenzial abrufen kann:
Vom Lern- in den Leistungsmodus wechseln: Vorbereitung und Leistung sind zwei verschiedene Phasen. Wer kurz vor dem entscheidenden Moment noch versucht, sich zu verbessern oder Fehler zu korrigieren, lenkt seine Aufmerksamkeit weg von der eigentlichen Aufgabe. Wenn es darauf ankommt, vertrauen Sie auf das, was Sie bereits trainiert und vorbereitet haben. Jetzt geht es nicht mehr ums Lernen, sondern ums Abrufen.
Selbstvertrauen stärken und der eigenen Intuition vertrauen: Fehlt das Vertrauen in die eigene Leistung, hilft oft der Blick zurück. Erinnern Sie sich bewusst an Situationen, in denen Ihnen eine bestimmte Fähigkeit bereits geholfen hat, eine Herausforderung zu meistern. Konzentrieren Sie sich auf diese Stärke und rufen Sie sie gezielt ab. Wer gut vorbereitet ist, darf zudem darauf vertrauen, dass viele Fähigkeiten und Entscheidungen automatisch verfügbar sind. Statt jeden Schritt zu kontrollieren oder zu zerdenken, hilft es häufig, den eigenen Impulsen und der Intuition Raum zu geben.
Fokus auf das Kontrollierbare: Akzeptieren Sie Faktoren, die Sie nicht beeinflussen können. Konzentrieren Sie Ihre mentale Energie ausschließlich auf das, was in Ihrer eigenen Hand liegt: Ihre direkte, lösungsorientierte Reaktion auf die neue Situation.
Über Frank Weiland:
Frank Weiland (42) studierte Wirtschaftswissenschaften und Psychologie. Er verfügt über einen Master of Science (M.Sc.) in Sportpsychologie sowie einen Master of Science (M.Sc.) in Klinischer Psychologie und absolvierte zudem eine systemische Therapieausbildung. Derzeit promoviert er an der Deutschen Sporthochschule Köln zum Thema Coaching im Leistungssport. Weiland verfügt über 17 Jahre Erfahrung im Spitzensport. Nach Stationen u. a. bei Tennis Borussia Berlin (U19), den Füchsen Berlin (Handball) und dem Club an der Alster (Hockey-Bundesliga) war er seit 2017 für die HSV Fußball AG tätig. Dort leitete er zuletzt die Persönlichkeits- und Leistungsentwicklung im Nachwuchsleistungszentrum. Ab dem 1. Juli 2026 unterstützt er das Germany SailGP Team. Weiland lebt mit seiner Familie in Hamburg.

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