Bretonische Klassiker-Regatta – im Glück auf Lady Maud

Keine Winsch, keine Ausrede

Der Autor wollte eigentlich nur Vorurteile bestätigt bekommen: zu viel Lack, zu viel Tradition, zu viel Klub-Blazer. Dann stand er in Bénodet auf Lady Maud, einem fast 120 Jahre alten Gaffelkutter, zog ohne Winsch Segel hoch, kämpfte mit Klüver, Gaffelgroß und Leichtwind – und musste feststellen: Manchmal ist Nostalgie unter Segeln verdammt nah am Glück.

Klassiker im Morgendunst: Lady Maud auf dem Weg zur Startlinie © Ma ThiAs

Eigentlich sind Klassiker-Regatten schon per se nicht nach dem Geschmack des Autors dieser Zeilen. Weil sie meistens einen Beigeschmack haben: Zu viel Gedöns um Tradition, Standesdünkel, aus der Zeit gefallenes Auftreten in „angemessener Garderobe“, Bootsparaden mit Fähnchen und Tralala und last not least unnötig zur Schau getragener Mammon. Was dagegen ausdrücklich gefällt, sind die Formen der Boote und Schiffe, deren Segelkleider, ihr „altes Holz“ und überhaupt der Anblick solcher Schönheiten, wenn sie in der Flotte Richtung Luv-Tonne kreuzen oder vor dem Wind ihre ganze Segelpracht entfalten.

Entsprechend zögerlich war dann auch die Reaktion auf die Einladung von Freunden, auf dem fast 120 Jahre alten Gaffelkutter „Lady Maud“ mitzusegeln (mehr zum Boot siehe auch Kasten). Erst als ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass man Segler benötige, die zupacken und anständige Manöver fahren können, wurde es interessanter. Dass es abends noch „ein gemütliches Beisammensein flussaufwärts“ geben sollte – geschenkt!

 

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