Bootsbau: Spannender Binnenkreuzer “Avanti” sucht Werft

Talsperrendatsche

Moderne Anhängsel mit tiefem T-Kiel und Spatenruder dürften die Avanti 26 gescheit segeln lassen © Hans-Jürgen Segbers/Performance Yacht Design

Moderne Anhängsel mit tiefem T-Kiel und Spatenruder dürften die Avanti 26 gescheit segeln lassen © Hans-Jürgen Segbers/Performance Yacht Design

Ein Segler aus Olpe am Biggesee hat einen komfortablen, trailerbaren 8,15-Meter-Kreuzer für die NRW-Talsperren entwickelt. Jetzt sucht er weitere Eigner und eine Werft zum Bau einer Kleinserie.

Der bei SegelReporter und anderenorts viel diskutierte Kommentar zum modernen Serienbootsbau ergab außer dem geschilderten Gespräch mit Karl Dehler auch einen Kontakt mit Hans-Jürgen Segbers aus Olpe in Westfalen.

Segbers ist selbständiger Vermögensberater und segelt eine 7 m lange Sailart 24 auf dem Biggesee. Er mag sein Boot, möchte aber ein etwas größeres, trailerbares und törntaugliches Kajütboot fürs Hausrevier und den Urlaub an der Ostsee, in Schweden oder auf dem Gardasee.

2,15 m lange Plicht und Traveller hinter der Pinne © Hans-Jürgen Segbers/Performance Yacht Design

2,75 m lange Plicht und Traveller hinter der Pinne © Hans-Jürgen Segbers/Performance Yacht Design

80 – 100 Tausend Euro sind zu teuer

Entscheidend für die Segeleigenschaften und auch die Trailerbarkeit ist, dass die Gewichte beim Bau eingehalten werden und somit der Ballastanteil des Bootes stimmt. Da werden leider oft Milchmädchenrechnungen ohne die üblichen Ausstattungen gemacht.

Auf seinem Wunschzettel stand: • Zulassung für die Talsperren in NRW, d.h. Länge x Breite in Metern < 20 • keine herkömmlich schwere Einbaumaschine • Holz außen und innen fürs Herz • eine hübsche moderne Konstruktion, die gut aussieht und gut segelt, sprich zeitgemäß leicht gebaut ist • ein modernes Rigg • trailerbar • Klo und Küche, vier Kojen • 1,45 m Bückhöhe unter dem Aufbau.

Boote wie die “Seascape 27” oder “Saphire 27” findet Segbers „zwar seglerisch klasse, aber knapp 80 Tausend Euro sind mir für nacktes Gelcoat zu teuer. Die Saffier 26, Tofinou oder ähnliches erscheinen mir für etwa 100 Tausend Euro als im Grunde offene Kielboote auch nicht interessant.“

Doch der 54-jährige Diplom-Kaufmann lässt es nicht beim Meckern. Er stellt den Schöchels zur Interboot 2011 seine Idee vor. Daraus wird im Prinzip die Sunbeam 28.1. Leider überschreitet sie mit dem Faktor 21,65 das erwähnte NRW-Talsperrenkriterium.

Edles Grau, schönes Holz und Karbonspieren © Hans-Jürgen Segbers/Performance Yacht Design

Edles Grau, schönes Holz und Karbonspieren © Hans-Jürgen Segbers/Performance Yacht Design

Unbrauchbare Vorentwürfe

Also bittet Segbers erst einen deutschen Bootskonstrukteur um Ausführung seines Konzepts. Dann den nächsten. Dann noch einen. Die Ergebnisse sind ernüchternd. „Es blieb bei unbrauchbaren, kostenpflichtigen Vorentwürfen, in denen meine Vorgaben nicht umgesetzt wurden. Und was soll ich mit einem Konstrukteur, der verbindliche Angaben zum Gewicht ausschließt obwohl gerade die bei so einem Boot entscheidend sind? Der dritte fängt erst gar nicht richtig an zu zeichnen.“ Segbers wendet sich an eine namhafte Adresse, wo ihm ein phantastisches Budget genannt wird.

Segbers Fazit: „Viel Zeit vertrödelt und außer Spesen nichts gewesen. Ich hätte mir Engagement für Konstruktionen, die auch gebaut werden und nicht fürs Zeichnen von Vorstudien gewünscht.“

Segbers erkennt auch: „Werften nutzen die technischen Möglichkeiten des GFK-Bootsbaues zur zeitgemäß Gewicht sparenden Bauweise zu wenig. Die Sunbeam 28.1 oder Saffiere 8 m sind mir segelfertig ausstattungsbereinigt zu schwer. Hinzu kommt der reduzierte Ballastanteil der meisten Serienboote, wenn die Ausstattung mit eingerechnet wird.“

Der 54-jährige Hans-Jürgen Segbers im Attendorner Becken seines Hausreviers Biggetalsperre © Segbers

Der 54-jährige Hans-Jürgen Segbers im Attendorner Becken seines Hausreviers Biggetalsperre © Segbers

“Sehr zufrieden – feiner Mann!”

Hier hätte die Geschichte enden können. Aber Segbers gibt nicht auf. Durch einen Artikel über die Waarschip 700 LD wird er auf den holländischen Bootskonstrukteur und ORC Vermesser Arthur Peltzer aus Rotterdam aufmerksam. Peltzer ist durch den Entwurf aktueller Waarschip Modelle mit der leichten, individuellen und preiswerten Holz-Epoxidbauweise vertraut. Er entwirft ihm das Boot zügig für ein nachvollziehbares Budget. „Mit Herrn Peltzer bin ich sehr zufrieden. Ein guter Konstrukteur und auch ein angenehmer, feiner Mann.“

Das Ergebnis ist ein 8,15 m langes Kajütboot, das theoretisch, sofern Peltzer richtig gerechnet hat und die Gewichte beim Bau eingehalten werden, mit der interessanten Segeltragezahl von 5,3 und einem Ballastanteil von 44 Prozent an den Wind geht. Das Blei wird im Torpedo des zeitgemäßen T-Kiels in 1,80 m Tiefe untergebracht. Das ergibt ein steifes und sicheres Boot. Tiefgang ist an Talsperren wie dem Biggesee kein Thema.

Segbers bezeichnet die Konstruktion als Performance Weekend Sailor. Um bei der Länge und vertretbaren Aufbauhöhe 145 cm unter dem Kajütdach unterzubringen, erhielt das Boot einen ein Meter hohen Bug. Das Freibord ist achtern 87 cm.

Als Binnensegler wäre ich mit einer Dyas, Soling, einem Drachen oder H-Boot glücklich. Das sind hübsche, sportliche Boote. Darin lässt sich im Sommer auf dem Hauslago oder beim Segelurlaub unterwegs passabel übernachten.

Avanti 26 Prototyp

Wer etwas Komfort erwartet und keine Bleibe (Ferienwohnung, einen Wohnwagen oder Zelt) in der Nähe hat, für den ist der mit der „Avanti 26“ vorgestellte Kompromiss aus Komfort und Segeleigenschaften vielleicht interessant.

Die Ausstattung des Avanti 26 Prototypen mit achterstagslosem Karbonmast, Fat Head-Großsegel, Bartels unter Deck Fockroller, Karbonrüssel für den 62 qm Gennaker, Harken Beschlägen zeigt: die Talsperren-Datsche wird kein Bummelboot.

Zum Kochen ist eine Pantry mit Ceran-Kochfeld vorgesehen. Außerdem gibt es eine Kompressor-Kühlbox für’s kühle Krombacher. Es wird Batterien, Landanschluß und vier Kojen geben.

Als Flautenschieber ist ein 24 Volt Aquamot E-Motor 2000 Watt vorgesehen. Die Ausstattung ist in den vorgesehenen 1,85 t Nettoverdrängung (d.h. leere Tanks) enthalten. Segbers mag keine Milchmädchenrechnungen.

Die Hürde der Konstruktion seines Traumbootes hat Segbers im fünften Anlauf genommen. Jetzt sucht der Mittfünfziger Gleichgesinnte zum Bau einer Kleinserie von drei bis fünf Exemplaren. Dann wird der Bau und auch der Einkauf vom Material und Zubehör günstiger. Und er sucht einen Bootsbauer, der das ordentlich macht und keinen Murks aus der Abteilung Pfusch & Co. liefert.

Unter Deck wird die Avanti 26 gewissen Komfort fürs Wochenende oder den Sommerurlaub bieten © Hans-Jürgen Segbers/Performance Yacht Design

Unter Deck wird die Avanti 26 gewissen Komfort fürs Wochenende oder den Sommerurlaub bieten © Hans-Jürgen Segbers/Performance Yacht Design

Wo sind die Nachfolger von H-Boot und Co.?

Segbers sieht Potential für seinen speziellen Mix aus Komfort und Segeleigenschaften: „Allein auf den Talsperren in Nordrhein Westfalen liegen mehr trailerbare Segel-Kajütboote als Yachten an der deutschen Ostseeküste. Die meisten sind von Dehler oder H-Boote und dreißig Jahre alt. Nicht, weil die Eigner kein Geld für ein neues Boot hätten – sondern weil es nichts qualitativ vergleichbares Neues gibt. Wo sind die Nachfolger vom Folkeboot, H-Boot, International 806 oder der Larsen 25 mit modernen Linien und aktuellem Rigg?“

Segbers glaubt, „dass es für ein qualitativ gut gebautes Holzboot mit diesem Konzept Interessenten gibt. Käufer, die auch bereit sind, einem engagierten Bootsbauer einen fairen Preis zu zahlen. Aber müssen es denn gleich incl. Segel und Trailer phantastische 200 Tsd. Euro sein?”

Website

Länge 8,15 m, Wasserlinie 7,64 m, Breite 2,45 m, Tiefgang 1,80 m, Kajütinnenhöhe 1,45 m, Verdrängung mit den erwähnten Ausstattungen und leeren Tanks 1,85 t, Ballast 850 kg, Ballastanteil 45 %, Am Wind Besegelung 43 qm (Groß 27, Fock 16), Raumschots mit 62 qm Gennaker 89 qm, Segeltragezahl 5,32, CE Kategorie B, GPH 656, Yardstick 96. Das Boot ist mit LÜA x BÜA 19,96 = < 20 auf den Talsperren in NRW zugelassen. Brückendurchfahrtshöhe mit gelegtem Mast auf Trailer ca. 3,70 m. Konstruktion Artur Pelzer Rotterdam (http://www.peltzer-design.com/). CE Kategorie B

Holz-Epoxid-Bauweise, bestehend aus beidseitig mit Glasfaser-Gelegen beschichteten Western-Red-Cedar-Leisten im Unterwasserschiff und Bootsbau Sperrholz oben. Als Semi-Custom lässt sich der Entwurf innerhalb konstruktiver Grenzen günstig an Eignerwünsche anpassen.

avatar

Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
Spenden
http://nouveda.com

10 Kommentare zu „Bootsbau: Spannender Binnenkreuzer “Avanti” sucht Werft“

  1. avatar digger.hamburg sagt:

    Moin Hans-Jürgen.

    Ich hoffe, ich konnte Dir mit den Werften ein wenig weiter helfen.

    Ganz ganz viel Glück für Dich und Dein schönes projekt

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 23 Daumen runter 7

  2. avatar Erdmann sagt:

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  3. avatar kuehlwein@highlight-boats.de sagt:

    Moin Hans-Jürgen,

    wir haben im Jahre 1998/2000 unsere Highlight 9,0 x2,85 x 2,0, Gewicht 1400kg gebaut, Ein Cruiser Racer, mit Canting/ Hub- Kiel aber auch Familenboot mit Übernachtungsmöglichkeiten, etc.
    Es gab und gibt bis heute nichts vergleichbares.
    Wir waren auch bei verschiedenen Konstrukteuren wollten auch ein Bergström Ridder Rigg, die haben alle abgewunken, wollten uns Backstagen und ein 2000kg Boot verkaufen. Nur Nissen machte uns damals nach unseren Vorgaben Pläne, das alles ohne Zertifizierung, da wir sonst mit den Sicherheiten wieder bei viel mehr Gewicht gestrandet wären. Highlight segelt super, hat Yardstick 86, erfüllt alle Erwartungen auch als Badeboot.
    Aber:
    Beim Bau sind unsere Kosten und unsere Zeit davon gelaufen.
    Auf der Messe in Düdo, hatten wir 12 Interessenten, die wollten alle so ein Boot haben…, wir waren ja so begeister von unserm Konzept!!
    Zum Schluss wollten alle doch wieder etwas anderes oder waren nicht bereit das Geld, damals 100.000.- zu zahlen, oder einfach nur Schwätzer.

    Denke daran das eine Werft Gewähleistung übernehmen muss, jeder sein extra Bier gebraut haben will.
    Es wird keine Werft geben, die so etwas in schön und leicht mit Zertifizierung! für weniger als 80.000 baut.
    Und da ist weder eine Kohlepalme dabei noch sonst was aufregendes.
    Lico kann in Alu Bergström Rider Riggs bauen, haben die schon mehrfach gemacht dazu leicht, wähle immer das leichtere Profil… das dann immer noch komplettiert schwerer kommt als angegeben. zudem bezahlbar.
    Deine Gewichtskalkulation muss offiziell 10% weniger bringen, also 1700kg, da Du sowieso bei 1850 landen wirst.
    Wir hatten 1300 angepeilt und sind bei 1400 gelandet…das war Diät bei jedem Bauteil, alles wurde gewogen, und mit den Vorgaben verglichen, unsere Kasko alleine hatte 404 Kg, zertifiziert wurde da aber nichts, ist aber trotzdem stabil.
    Grüsse Christian

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 1

  4. avatar Fighter Segler sagt:

    Tja an so einem ähnlichen Konzept ist gerade SQ gescheitert.
    Die SQ25 ist wohl Geschichte.
    Dies bestätigt – leider- die Geschichte von kuehlwein@highlight-boats.de

    Auf der Sorpe gibt es keine SQ25, obwohl das mal früher das Dehler Heimatrevier war.
    Es gibt zuviele Gebrauchtboote und wer ist schon bereit 50 oder 100TE zu bezahlen. …
    Der Bau eines Bootes ist teuer.
    Hier mal ein Tipp:
    Wie macht man mit Bootsbau ein kleines Vermögen?
    – indem man vorher ein großes hat.

    Grüsse

    Stephan

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 2

  5. avatar Arne sagt:

    Schöner Artikel, der einige interessante Gedankrn enthält.
    Aber die wichtigste Frage bleibt offen; Wenn 80 bis 100 tausend zu viel für ein solches Boot sind, wie die Überschrift sagt, was soll es denn dann Kosten?
    Digger Hamburg hat im Bente-Projekt ganz richtig dargestellt; Wenn ich den Preis halten will, aber nicht an der Qualität sparen, bleibt nur Verzicht.
    Dann wird es aber nichts mit Kohlemast, e-Motor, Ceranfeld und so weiter.
    Ich kann mir nicht Vorstellen, das so ein Boot in Kleinserie unter 100.000 herzustellen ist, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
    Viel Glück für das Projekt

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

    • avatar Alex sagt:

      Bei uns in Deutschland würde so ein Bentetag 2500 – 3000 EUR kosten, ohne Material.

      Aber ein schönes Boot und man sieht, es geht auch ohne Ballyhoo.

      Viel Erfolg!

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 4

  6. avatar RotweinBoie12 sagt:

    Hut ab vor dem Projekt,
    würde mich freuen wenn wir von Bootsbau Bilder sehen würden. Es hat viele neugierige Nasen die jetzt gespannt warten. Interessant wird auch die Budget Machbarkeit, das Gewicht, etc.
    Wie heisst es so schön im leben, zwei DInge sind wahr. Leicht, steif und günstig!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  7. avatar Peter sagt:

    Verdammt schick!!! 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  8. avatar Schnappi sagt:

    Sehr interessantes Konzept, wenn der Preis nicht auch 100k Euro wird … Zudem ohne Hubkiel für normale Binnengewässer eher weniger brauchbar. Ein Jollenkreuzer reicht im Binnenbereich völlig, es gibt gute gebrachte für unter 10k €. dann ist noch genug für einen kleinkreuzer an der See übriug, und ich muss nichtmal trailern … 😀

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

    • avatar Mauersegler sagt:

      …genau aus diesen Überlegungen heraus sind wir bei einem Jollenkreuzer gelandet. Gerade der variable Tiefgang macht ihn zu einem idealen Tourenboot, wenn man die Talsperre mal satt hat. Unserer ist 40 Jahre alt und hat ein Ballastschwert – und ich war baff erstaunt, wie stabil das alte Boot damit segelt (und wie schnell!).

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *