Braschosblog: Die Geschichte vom geplanten Röhrenboot für Fiat Boss Agnelli

Die Welt der Traumyachten

Altes Rendering von Designer Brenta für Fiat Boss Gianni Agnelli. © Brenta

In der Bootsbauszene gibt es technische Entwicklungen, die es nie auf ein Boot geschafft haben. Die Ideen mögen zu spinnert sein, zu radikal für die Zeit als sie geäußert wurden. Aber es könnte sich lohnen, einmal zurückzublicken. Wie auf das Röhrenboot von Luca Brenta, eine abgefahrene Konstruktion. Vielleicht wird sie ja doch irgendwann einmal realisiert.

Die Idee entstand Anfang der Neunziger Jahre als der schwerreiche, italienische Industrielle Giovanni Agnelli über ein neues Boot nachdachte. Er hatte vorher gemischte Erfahrungen mit seinem 36 Meter Maxi „Extra Beat“ gemacht, den die Werft Abeking & Rasmussen nach Plänen von German Frers 1988 gebaut hatte.

Der Aufwand für die „Extra Beat“ war erheblich. Ergänzend zur 32 Tonnen Flosse unter dem rundspantig flachen Rumpf hielten sechs Tonnen Wasserballast das acht Meter breite Schiff aufrecht. Sie wurden in einer Minute nach der Wende auf die neue Luvseite gepustet.

"Extra Beat" von Fiat Boss Agnelli. 116 Fuß Mega-Yacht von 1987. © Frers Design

Neuland mit “Extra Beat”

Das riesige Vollschweberuder war in einer Karbon- und Titanmischbauweise entstanden. Der knapp 49 Meter lange Karbonmast war ebenso Neuland wie das dazu gehörige Mega- Lattengroß, das ebenfalls noch keiner gebaut hatte.

Agnellis Boot hatte das Format von Michael Fays America’s Cup Monster für 1988. Mit dem Unterschied, dass bei ihm keine 40 Leute auf der hohen Kante hockten und dass das Boot bei allen denkbaren Bedingungen im Mittelmeer, also auch Mistral oder einem gepflegten Tramontana bestehen musste und nicht nur im Leichtwindrevier vor San Diego.

Frers und die Spezialisten der Abeking & Rasmussen Werft hatten also eine anspruchsvolle Aufgabe im Auftrag des leidenschaftlichen Seglers gelöst, der bei der Übernahme des Schiffes bereits 67 Jahre alt war und mit einem Herzschrittmacher lebte, daher angeblich der Name des Bootes “Extra Beat”. Aber es hieß, die viel beachtete Mega Slup hätte die Erwartungen von Agnelli nicht recht erfüllt.

Davon hatten die beiden italienischen Yachtkonstruktions-Newcomer Luca Brenta und Lorenzo Argento gehört. Sie witterten einen Auftrag und dachten sich für den in Turin lebenden Fiat-Konzern-Boss einen 90 Fuß Daysailor mit sämtlichen Schikanen, Neigekiel und Bugruder aus.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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Ein Kommentar „Braschosblog: Die Geschichte vom geplanten Röhrenboot für Fiat Boss Agnelli“

  1. avatar Christian sagt:

    mit Superyachten und so’n Gedöns hab ich es ja eher nicht… aber das hier ist exzellenter Journalismus. Sowohl informiert als auch edelfedrig locker-flockig geschrieben.

    Die Formulierung “Passivgurke” merk ich mir. Der Tag wird kommen, an dem man sie jemandem an den Kopf werfen kann 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 0

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