Braschosblog: Die Geschichte vom geplanten Röhrenboot für Fiat Boss Agnelli

Die Welt der Traumyachten

 

Brentas geplantes Röhren-Design für den erhofften Agnelli-Auftrag. Drei Röhren fangen den Stauchdruck des Mastes auf. © Brenta Design

Drei Röhren fangen Druck auf

Die Neigekieltechnologie war damals noch ziemlich neu. Und das Schiff sollte in der ultraleichten  Faserverbundtechnologie entstehen. Dazu konnte ein innovatives Konzept zur Neutralisierung der Druck- und Zugbeanspruchung des Rumpfes durch das Rigg den entscheidenden Beitrag zu einem überzeugenden Leistungsgewicht bringen.

„Man verbaut ziemlich viel Material für Stringer, Rahmenspanten, Schotten, Knie und Beschlagsaufhängungen, wenn man den Mast wie gehabt ins Schiff stellt”, erklärten Lorenzo Argento und Luca Brenta bei einem Besuch in ihrem Mailänder Büro. Der Unterbau sei schwer, wenn man den Stauchdruck der Maströhre und den Zug aus Vor-, Back- und Achterstagen konventionell abfängt.

„Also haben uns gedacht, man könnte so ein Boot über die moderne Bootsbautechnologie hinaus noch leichter machen, indem wir den Mast an Deck stellen und den Druck direkt von dort mit drei Röhren gleich dahin weiterleiten, wo der Mast vom Vor- und den Back- sowie Achterstagen gehalten wird.

Radikaler Design-Vorschlag für Agnelli. Schmale Linien mit Neigekiel und Twin-Foil Rudersystem. © Brenta Design

Wir wussten, dass Agnelli sich eher für ultimativen Segelspaß und weniger für den Komfort unter Deck interessiert. Er hatte die „Extra Beat“ überwiegend als Daysailor genutzt, kam also immer gezielt zum Segeln an Bord und hatte oft eine Motoryacht als Domizil in der Nähe. Da nahmen wir an, die drei Rohre des Fahrgestells unter Deck stören ihn nicht.“

Aber es blieb nur beim Rendering. Denn die beiden ideenreichen Konstrukteure, die seit der wegweisenden Ketsch „Wallygator“ 1994  mit funktionalen wie ansehnlichen Booten zu Repräsentanten der segelnden Alta Moda geworden sind, haben nie etwas von Agnelli gehört.

Der hielt sich stattdessen an die Pläne des Agnelli Hauskonstrukteurs German Frers und gab bei Green Marine die „Stealth“ in Auftrag . Ein yachtbaulich ausgereiztes 28 Meter Boot mit herkömmlichem Festkiel.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

Ein Kommentar „Braschosblog: Die Geschichte vom geplanten Röhrenboot für Fiat Boss Agnelli“

  1. avatar Christian sagt:

    mit Superyachten und so’n Gedöns hab ich es ja eher nicht… aber das hier ist exzellenter Journalismus. Sowohl informiert als auch edelfedrig locker-flockig geschrieben.

    Die Formulierung “Passivgurke” merk ich mir. Der Tag wird kommen, an dem man sie jemandem an den Kopf werfen kann 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 0

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