Braschosblog: Überfälliges Bekenntnis gegenüber Motoryachteignern

Von "fett blubbernden Motoren"

Die Osterhasen-Gehilfen müssen auch schon mal zum Mobo greifen © Klink & Krüger (www.klink-krueger.de)

Dies ist keine zielgruppenbeglückende Seglerglosse über blöde Motorbootfahrer, auch kein Versöhnungsversuch, wie er an Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten naheliegt, sondern ein überfälliges Bekenntnis.

Seitdem ich mit einem etwas lang geratenen Segelboot unterwegs bin, lege ich in Häfen, wie beispielsweise dem architektonisch nicht ganz gelungenen Grömitz, schon mal zwischen großen Motoryachten an. Ein Vorteil solcher Liegeplätze ist, dass man im Schutz dieser Ginpaläste, sie werden von bösen Zungen auch Cocktailshaker oder Haremstransporter genannt, auch bei richtig üblem Wetter in einer geschützten Schlucht ankommt, wo sich das Boot ohne lästigen Seitenwind in aller Ruhe vertäuen lässt.

Auch gibt es hier keine fachmännischen Tipps von Experten, welcher Poller, welche Klüse zu nehmen, warum auf Slip legen besser ist, wie der Kopfschlag geht, oder wo die Fender hingehören.

Auf den großen Pötten nebenan geht es so ruhig zu, dass vorerst unklar bleibt, ob sie überhaupt bewohnt sind. Motoryachteigner ab der gefühlten 50 Fuß Klasse scheinen bei Petitessen wie dem fachmännischen Anbinden eines Schiffes keinerlei Ambition zu haben und auch nicht dieses lästige schulmeisterliche Sendungsbewusstsein, wie man es von Segelschulen und ihren Zöglingen, den frisch geprüften Scheininhabern kennt.

Peinliche Schnecken

Anscheinend bindet der Motoryachteigner seine Wumme einfach kurz und schmerzlos an, um sich interessanteren Themen zu widmen. Oder er hat Personal zur Erledigung solcher Sachen. Auch die peinlichen Schnecken, dieses Fancywork artige Dekor zum maximal feuchtigkeits- wie Mövenschiss bindenden Aufrollen der Festmacherenden, gibt es hier sympathisch selten. Dafür diese eigenartigen Schilder mit der Darstellung schwarzer Pumps auf weißem Grund zwischen einem roten Rand, durchgestrichen natürlich.

Bei den in unseren Breitengraden üblichen Wochenend-Temperaturen im immerhin oberen einstelligen Celsiusbereich öffnet der Motoryachteigner seine oben herum mit Aufbauten, Targabügeln, Gerätschaften zur weltweiten Kommunikation, Soft Tops oder Veranden abgeschirmten Datsche ungern.

Wenn überhaupt, geht nach einer Weile irgendwo neben dem Steuerstand eine mindestens druckwasserfeste, wahrscheinlich auch schußsichere Tür auf. Ein mitleidiger bis verständnisloser Blick schweift in die Tiefe über das schmale Deck mit der endlosen Aufräumagenda baumelnder Fallen, nasser Segel, Schoten, von Westen und Ölzeug. Nach einem knappen „Moin“ oder einem „Moin-Moin“, das in Schleswig-Holstein Ausdruck von Herzlichkeit ist, schließt sich das Luk wieder. Irgendwie schon sympathisch, diese Motoryachteigner.

Also, im Unterschied zur Mehrheit der Segler, deren Sport zu einem Großteil aus Lästern, Kopfschütteln und Spott über Motorboote und deren Besatzungen besteht, bekenne ich, Motorbooteigner zwar nicht recht zu verstehen, sie aber als freundliches Hafeninventar zu akzeptieren. Auch finde ich es prima, wenn sie ab und zu mal ablegen und einen dieser windstillen Canyons am Neureichensteg ihres Millionärsbeckens für arme ausgefrorene Segler nach der selbstgewählten Fron einer feuchtfröhlichen Kreuz bei viel von vorn hinterlassen.

Außerdem leben wir in einer multikulturellen Gesellschaft, da gehört der Motorbootfahrer, mag er mir noch so fremd bleiben, doch irgendwie dazu. Auf diesen Umstand hat der zehnte Präsident der Bundesrepublik Deutschland, dessen Name mir gerade nicht einfällt, wenn auch in anderem Zusammenhang, hingewiesen.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Braschosblog: Überfälliges Bekenntnis gegenüber Motoryachteignern“

  1. avatar sinkmaster sagt:

    gut… sehr gut!

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  2. avatar Immanuel sagt:

    Vielen Dank, außergewöhnlich guter Beitrag.

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  3. avatar Thomas sagt:

    herrlich!

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  4. avatar Guido sagt:

    HaHa, genial….

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  5. avatar Klaus sagt:

    Nun hab’ ich schon bei allen Vorpostern das Like-Häkchen gesetzt, aber trotzdem: einsame Spitze, Herr Braschos. Mehr davon, viel mehr.

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  6. avatar T.K. sagt:

    Köstlich!

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  7. avatar Manfred sagt:

    Ganz großes Kino. Gut beobachtet und in die Tasten gehauen. Möge uns der Erdmann und seine Schreibe noch lange erhalten bleiben.

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