Braschosblog: Der Doppelender-Schärenkreuzer “Kaa” von Jo Frowein

Die Super-Schäre

`Kaa´ segelt in Nynäshamn Ende Juli. © Jorma Rautapää

`Kaa´ segelt in Nynäshamn Ende Juli. © Jorma Rautapää

“Never do it with an architect” murmeln Insider zu einer der schönsten Beschäftigungen überhaupt, den Entwurf und Bau von Segelbooten. Denn Architekten wissen, dass bis zum Schluss und „solange der Beton noch nicht trocken ist“ geändert werden kann.

Als Segler und Architekt steckt Prof. Joachim Frowein tief in der Materie. Frowein segelte viel Jahre die „Hathi“, eine Henry Rasmussen Konstruktion und A&R Werftbau von 1930. Das 12,34 m lange und 2,05 m breite Boot verkaufte er anlässlich der Fertigstellung seines neuen Dreißigers nach Berlin.

Bei der „Kaa“ wurden Bo Bethge, dem schwedischen Konstrukteur wie den Bootsbauern Thomas Larsson und Jonas Lorensson der „Yachtsnickeriet“  in Saltsjö-Boo bei Stockholm einiges abverlangt. „Viele Ideen kommen eben erst beim Bauen“ berichtet Frowein augenzwinkernd. Thomas Larsson fasst lakonisch zusammen: “the problem is normaly not the project, it´s the client”.

Die Tatsache, dass Konstrukteur und Bootsbauer im Oktober vergangenen Jahres bei der Taufe der „Kaa“ in St. Tropez dabei waren, spricht trotz mancher Änderung bis weit in die Bauphase hinein für ein gelungenes Projekt. Frowein berichtet, die Schweden und er seien sogar gute Freunde geworden. Bemerkenswert ist auch, dass das Boot innerhalb der vorgesehenen zwölf Monate zum vereinbarten Budget entstand. Eine planmäßige Lieferung zum vereinbarten Preis ist im Bootsbau bekanntlich eher die Ausnahme.

Doppelender mehr als Anachronismus

Ungewöhnlich für diesen, gemäß dem Dachverband Svenska Skärgårdskryssare Förbundet (SSKF) vermessenen 30er Schärenkreuzer ist darüber hinaus das spitz zum Doppelender zulaufende Heck anstelle des in der Klasse üblichen Spiegels. Uffa Fox und Francis Lewis Herreshoff der Sohn des berühmten Nathanael Herreshoff, haben zuletzt vor dem zweiten Weltkrieg solche Boote gezeichnet. Doch das eigenwillige Heck ist mehr als ein Anachronismus.

„Im Heimatrevier der Schärenkreuzer, in den geschützten ostschwedischen Schären, gibt es meist guten Wind bei wenig Welle. Dort spielt der gekrängt segelnde Rumpf mit seinen langen Überhängen seine Vorteile aus“, fasst Frowein zusammen. „Kaa wurde aber für den Bodensee entworfen, wo es entweder wenig Wind und glattes Wasser gibt oder viel Wind mit unangenehm steiler Welle.

Bei viel Wind und kurzer steiler Bodenseewelle rumst es bei den 30ern ordentlich. Da ist dann ein geschicktes Ansteuern der Welle wichtig. Leider bremsen zu viele Bewegungen des Ruderblatts aber. Hinzu kommt, dass der 30er von seinem langen achteren Überhang vorn regelrecht in die Welle gedrückt wird. Die Idee war, mit dem filigranen Achterschiff des Doppelenders Volumen und auch Gewicht aus dem Heck zu nehmen.

Insgesamt ist das ähnliche Volumen um Vor- und Achterschiff vorteilhaft, weil sich bei zunehmender Krängung der Längstrimm nicht ändert. Auch wird das Boot drehfreudiger, was dem Wenden zugute kommt.“ Einzig raumschots sieht Frowein Nachteile aufgrund des fehlenden Volumens achtern.

Vergrößertes Schiebeluk als Aufbau

Anstelle des 30er-typisch puppenstubengroßen Kajütaufbaues erhielt das Boot eine Art Skylight im Stil klassischer Yachten.  Es sitzt auf einem Sockel, der achtern ins Süll übergeht. Als Schiebeluk konzipiert, lässt sich der Spi von hier bergen, ohne den Längstrimm des Bootes zu ändern.

Zugleich bietet das aufgeklappte Dach bei trockenem Wetter volle Stehhöhe. Der Nachteil ist, das man von der Plicht aus nur geduckt unter dem achtern oben geschlossenen Kajütdach hindurch in die Kajüte gelangt. Der lange Plicht- und Skylightausschnitt musste der Festigkeit halber von einer Verbindung der beiden Seiten unterbrochen werden.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Braschosblog: Der Doppelender-Schärenkreuzer “Kaa” von Jo Frowein“

  1. avatar Minifahrer sagt:

    Sieht von achtern ein bisschen nach ‘Geisterfahrer’ aus. Aber ein sehr schöner… Schön auch der Ausdruck ‘Salon’ für die Hundehütte. 🙂

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  2. avatar Torsten sagt:

    Toll, was man mit ein paar Ideen so bauen kann – und dass es auch jemand tut!
    Besonders gut gefallen mir das Heck, der Holzmast und der Eingang zur “Kajüte”, der zeigt, dass das Boot zum Segeln gebaut ist. Schnelle und faltenfreie Segel würden die Schönheit m.E. noch verbessern.

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