Braschosblog: Der Doppelender-Schärenkreuzer “Kaa” von Jo Frowein

Die Super-Schäre

Abgesenkter Ballast

Auch der Kiel ist zwar gemäß schwedischen Bauvorschriften klassenkonform, aber anders. Im Unterschied zu den üblichen Renndreißigern ist „Kaa“ mit einer unten angedickten Kielsohle unterwegs. Sie senkt den Ballastschwerpunkt um 15 Zentimeter ab, was bei einem schmalen Boot interessant ist. „Die Kielform ist frei. Lediglich die Kiellänge und Tiefe sind reglementiert“ erklärt Frowein.

Auch bei der Aufteilung der Vor- und Großsegelfläche wurde ein anderer Weg gegangen. Beim Bijou-Typ gemäß Vermessung der „Internationalen Vereinigung der 30 qm Schärenkreuzer-Klasse“ wird auf eine Vorsegelbasis (J Maß) von 2,90 m und mehr gesetzt. Das ist am Wind gegenüber einem etwas kürzeren J Maß eigentlich ungünstig.

Raumschots bietet es mit einem größeren Spinnaker bis zu 125 qm Vorteile. Das J Maß entspricht der Spibaumlänge. Frowein zufolge gelten J Maße von 2,35 bis 2,50 m am Wind optimal. Sein Neubau hat nur 2,25 m. „Ich setze stark auf das Großsegel, was an einem drehbaren, mit neuem Profil versehenen Holzmast hängt. Wie beim Rumpf kann man da ganz eigene und neue Wege gehen.“

Profilmast

Mit Profilmasten wurde zuletzt in den dreißiger Jahren in der Klasse experimentiert. Uffa Fox baute für „Waterwitch“ und „Avocet“ beispielsweise zwei drehbare Exemplare. Auch Knud Reimers, einer der international bekanntesten Schärenkreuzer-Konstrukteure, beschäftigte sich damit. „Das hat mich inspiriert“ berichtet Frowein.

„Mein Mast basiert in der Verstagung auf diesen Masten, das Profil ist aber 180 Grad gedreht. Also vorne schmal. Das ist mit einem Mastbauer der AC´s vor zwei, drei Jahren abgesprochen. Ideale Anströmung, schnelles Ablösen und wieder Anlegen der Strömung in Lee waren wichtig. Konstrukteur Bo Bethge hat die Bauweise gerechnet. Er wurde aus Holz gebaut, am neuen Gewichtslimit orientiert. Eine regelkonforme Karbonverstärkung im Top bringt die nötige Steifigkeit.

Einziehbare Schraube

Eine pfiffige Lösung für den Flautenschieber und die Anlegehilfe für enge Häfen wurde von einem Lacustre übernommen. Anstelle der unschönen wie unpraktischen Außenborderhalterungen am Ende des langen Achterschiffs oder seitwärts neben der Plicht wurde der Motor in einem Schacht montiert und das untere Ende des Schafts mit einem Deckel versehen, der bündig mit der Außenhaut abschließt, wenn der Motor angehoben ist. „Die Lacustres segeln damit ihre Meisterschaften, ohne den Motor zu entfernen. Das wiegt insgesamt etwa 40 Kilo“ berichtet Frowein.

Die Extrawurst mit dem Außenborderschacht wurde in Süddeutschland gebraten. „Sämtliche Beschläge, vom Poller bis zum Ruderschaft sind aus Bronze oder Messing und im Sinne schöner Funktionalität von mir selbst gemacht. Wenn der Eigner die Hardware selbst liefert, vervielfältigt das die Schnittstellen. Es macht keinen Sinn, für solche Petitessen wiederholt nach Stockholm zu fliegen“ berichtet Frowein. Deshalb wurde das Boot in Süddeutschland gebeizt, lackiert und ausgerüstet.

Taufe in St. Tropez

Nach der Taufe anlässlich der Segelwoche von Saint Tropez und ersten Probeschlägen stellte ein schwedischer Vermesser zur Saison 12 einen Messbrief gemäß SSKF Bestimmungen aus. Über den Klüngel mit den verschiedenen Bauvorschriften bei den 30er Schärenkreuzerklassen und den süddeutschen Sonderweg der „Internationalen Vereinigung der 30 qm Schärenkreuzer Klasse“ informiert der SR Beitrag „Der 30er Schären-Fight“.

Da Frowein wie andere Renegaten, deren Schiffe zwar der Vermessung des schwedischen Dachverbands entsprechen, allerdings nicht dem süddeutschen One-Design, kategorisch von den 30er Regatten auf dem Bodensee ausgeschlossen sind, ergeben sich nur wenige Gelegenheiten zum Vergleich der Bo Bethge Konstruktion mit der Segelnummer GER 300 mit anderen 30er Schärenkreuzern.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

2 Kommentare zu „Braschosblog: Der Doppelender-Schärenkreuzer “Kaa” von Jo Frowein“

  1. avatar Minifahrer sagt:

    Sieht von achtern ein bisschen nach ‘Geisterfahrer’ aus. Aber ein sehr schöner… Schön auch der Ausdruck ‘Salon’ für die Hundehütte. 🙂

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  2. avatar Torsten sagt:

    Toll, was man mit ein paar Ideen so bauen kann – und dass es auch jemand tut!
    Besonders gut gefallen mir das Heck, der Holzmast und der Eingang zur “Kajüte”, der zeigt, dass das Boot zum Segeln gebaut ist. Schnelle und faltenfreie Segel würden die Schönheit m.E. noch verbessern.

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