Braschosblog: “Hamilton” Wally Cento Baunummer eins – von Judel/Vrolijk

Die Wally Party geht weiter

Wally Cento hart am Wind. © Wally

Man muss im Gespräch bleiben, das gilt besonders für die monegassische Marke Wally , deren Gründer Luca Bassani Antivari in den neunziger Jahren als Yachtbauträger begann und mit aufmerksamkeitsstarken wie konzeptionell interessanten Booten bei verschiedenen Werften von sich reden machte.

Luca Bassanis Ideenfeuerwerk, auch die von anderen entwickelten, als Wally etikettierten Konzepte, sorgten für eine Menge Unterhaltung, Spiel und Spaß besonders an der Cote d’ Azur, der italienischen Riviera und an der Costa Smeralda. Dort meint es die Natur mit Wind und überwiegend tiefem Wasser für Menschen mit gut gepolsterten Brieftaschen besonders gut.

 Yachten statt Gegensprechanlagen

War ja auch Welten interessanter, den großen Cruiser-Racer als Wally neu zu erfinden oder ein Batman-Boot im Format von Gianni Agnellis „Extra Beat“ in den Magra Fluß zu heben, mit dessen 17 Tausend PS sich krachlaut und schweineschnell von Monaco nach Portofino nageln lässt. Das ist doch cooler als Gegensprechanlagen, biedere Türöffner und Lichtschalter der Marke „BTicino“ bauen, mit denen Bassanis Vater geschäftlich recht erfolgreich war.

Die erste Wally Cento wird aus der Halle geschoben nach 15 Monaten Bauzeit. © Wally

In den vergangenen Jahren ist es etwas ruhiger um Wally geworden. Das liegt daran, dass die Spendierhosen von Luca Bassani Antivari eher zugenäht als weit geöffnet sind und die vieler Kunden, darunter mancher Glücksritter der einen oder anderen zwischenzeitlich geplatzten Wirtschaftsblase, auch.

Natürlich lancierte der Ideengenerator weiterhin unbeirrt manches abgefahrene Yachtkonzept bis durchgeknallte Rendering. Allerdings wurde der Abstand zwischen der Realität und Bassanis Konzepten unübersehbar, nein Besorgnis erregend klaffend groß. Der vermögende Mensch muss in seiner blühenden bis wuchernden Phantasie, womit man an der Cote noch auffallen könnte, schon soeben noch abgeholt, er muss mitgenommen werden.

Kein Zweifel, die „Wally Island“, ein mit Palmen und Pool dekorierter Massengutfrachter in Edelausführung, oder die „Why“ , eine 60 x 40 Meter große, Ufoartige Badeplattform mit reichlich Platz zum Umkleiden fürs Abendessen  waren kühne, witzige, raffinierte Ideen. Aber mit einem 40 Meter breiten Heck macht man sich nicht mal als normalrüpeliger Russe in den kreischend engen Marinas im Süden beliebt.

Zwar hat Wally neben der Kleinserienfertigung kleiner bis mittelgroßer Motoryachten die vergangenen Jahre noch die eine oder andere große Segelyacht, wie Albert Bülls „Saudade“ abgeliefert, oder neulich die „Better Place“ mit schrill „bugattiblauer“ Farbwahl und gewöhnungsbedürftig padogenartigem Aufbau im Auftrag des neuen Wally Teilhabers. Jedoch hat die insgesamt trübe wirtschaftliche Großwetterlage, das kommerziell für Wally offenbar nicht eben beglückende Ergebnis von „Saudade“ und die Tatsache, dass weltweit von den Nachahmern unterschiedlich clever auf- und abgeräumte me too Boote a la wally gebaut werden, in Monaco Bremsspuren hinterlassen.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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3 Kommentare zu „Braschosblog: “Hamilton” Wally Cento Baunummer eins – von Judel/Vrolijk“

  1. avatar Andreas Borrink sagt:

    Also ehrlich, bei aller Liebe für ausgefeilte Formulierungen und einen gesunden Sarkasmus: langsam übertreibt Ihr es. Kommt wieder runter und „berichtet, erklärt und steckt an“, sowie wie es in Eurer Eigendeklaration geschrieben steht. Auch die „schweineschnellen“ Reichen mit den „gut gepolsterten Brieftaschen“ haben ein Recht auf einen ausgewogenen Bericht ohne dieses (neidvolle??) Rumgeätze in einer Sprache, die mehr an „die2“ erinnert als an seriösen Yachtjournalismus.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 10

  2. avatar Minifahrer sagt:

    Irgendwie ungewohnte Töne von EB. Gerade die Mega-Yachtszene war doch bisher (gefühlt) eher die Domäne desselben – oder irre ich da?
    Wie auch immer. Die neuen Schiffe sind wirklich schön anzusehen. Wenn sich das jemand leisten kann – um so besser. Auf so einem Teil mitsegeln – supergern. So einen Brocken unterhalten, Crew organisieren etc. – äääh – nöh, danke.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

  3. avatar Christian1968 sagt:

    Ich bin wirklich ein Braschosfan – ein großer sogar.
    Aber lieber Herr Braschos, ihr Stil droht gerade abzugleiten. Der Text liest sich wirklich ganz grauselig, was den unglücklichen Formulierungen geschuldet ist. BITTE: ein klitzekleines bißchen weniger progressive Suche nach Formulierungen, die nicht sein müssen.
    Und bei Artikeln, die von einer Wally Cento handeln, wäre es fein, wenn diese nicht nur im letzten Absatz Erwähnung fände. 😉
    Ansonsten bitte weiter so, die Themen sind nämlich grandios, der Sachverstand mindestens auch und der Stil erfrischend (meist ;.)

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

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