Braschosblog: Markus Daniel und sein America’s Cup Zwölfer “French Kiss”

Der Bayernzwölfer

Briand Bürzel mit zufriedenem Schmatzen

Nun lag sie mit ihrem bürzelartig abgerundeten Briand Spiegel am Quai-Saint-Pierre. Die Sonne schien und gelegentlich meldete sich der achtere Überhang mit zufriedenem Schmatzen. Ein Werkstattwagen stand als Basislager für laufende Arbeiten am Schiff und zur Bewältigung der Überraschungen, die ein in die Jahre gekommener Cupper nach einigen Jahrzehnten bereit hält, gleich hinter dem „Schifferl.“

Eigentlich hatte der Daniel ja die Kirche im Dorf lassen und den Zossen in den Starnberger See heben wollen. Da wäre der Weg zu den „Trainingseinheiten“ halt kürzer gewesen. Er hatte aber schweren Herzens eingesehen, dass der dortige Kran und die angedachte Boje vor dem Deutschen Touring Yacht-Club nicht für das Kampfgewicht eines Tanklastzugs gemacht sind. Solchen Fakten muss man sich beugen. Wenns dahoam nicht passt, segelt man halt südlich der Alpen.

Beeindruckender als der Schlitten waren die Pläne von Daniel und seiner Combo überwiegend bayrischer Segler. Die Wasserlinie des Starkwindbootes für Fremantle sollte von Yachtkonstrukteur Axel Mohnhaupt, der unter anderem für den ersten deutschen America’s Cupper verantwortlich zeichnet, durch Gewichtsentnahme und -verlagerung zugunsten einigen Quadratmetern zusätzlicher Segelfläche an das Leichtwindrevier Mittelmeer angepasst werden.

Ein neues Rigg und neue, dazu passende Garderobe stand auf Daniels Shopping Liste. Nun ist der Daniel aber kein Schwätzer. Wenn ihn was interessiert, macht er es. Außerdem hatte er ja grad gewissen Nachholbedarf. Zunächst wurden als warm up unter Anleitung des seinerzeitigen „French Kiss“ Skippers Marc Pajot einige Dutzend Halsen in der Bucht von Cannes absolviert, bis die Wundertüte ohne einzufallen vor dem Mast stehen blieb und was man sonst noch so können sollte, um im feinen Club der last edition Zwölfer nicht bloß gegrüßt, sondern auch ernst genommen zu werden.

Regatten in Antibes und Portofino

Es wurden Cannes 2009 und adäquate Regatten in Antibes und Portofino im Jahr darauf besucht. Geübt wurde vor der Marina di Carrara, wo der Bayernzwölfer seinen Liegeplatz hat. Gegenüber vom Marmor-Verladehafen gibt es Kapazitäten zum Herein- und Herausheben sackschwerer Schiffe. Herrschaftszeiten, der Daniel und seine Jungs nahmen die Materie ernst. Es gab einen neuen Baum und der süddeutsche Mastbau Guru Peter Andrin „Andy“ Steiner laminierte klassenkonform einen schornsteindicken und schweren Mast.

Wenn mal was kaputt ging, öffneten die Bayern einfach einen Container, in dem sich das gesamte Harken Equipment in passender achtziger Jahre Ausführung befand. Ansonsten half die lokale Caterpillar Baumaschinen Vertretung mit amerikanischen Helicoils weiter. Zöllig ist zöllig und fragen kostet ja erst mal nichts.

Mit Löwenbräu geht’s besser

Zur Herstellung des günstigen Betriebsklimas in fremden Häfen – man ist mit solch einem Material intensiven Sportgerät in potentiell segelfeindlichen Biotopen wie der gesamten Mittelmeerküste, wo in erster Linie das Hand aufhalten beherrscht wird, unbedingt auf kurze Dienstwege angewiesen – hatten der Daniel und sein Segelfreund Christoph Schmidt stets zwei Fässer Löwenbräu dabei.

Es ist nicht nur bei Gebirgsvölkern, eigentlich bei jedem Stamm ein bewährter Brauch, das Beste seiner heimischen Kultur mitzubringen und den Einheimischen anzubieten. Erstens weil es gescheit schmeckt, zweitens weil gerade der Italiener dringend mal einen persönlichen Eindruck von einem trinkbaren Bier braucht.

So hätte die Geschichte auch im Norden weiter gehen können. Doch schon im vergangenen Jahr waren die Bayuwaren entgegen ihrer Ankündigung nicht mit dem Briand Zwölfer und ihrem dunkelgrünen Sprinter mit breit gefächertem Werkzeugsortiment und trinkbarem Bier an der Ostsee erschienen.

Kulturell wäre die Begegnung auf und an der Kieler oder Flensburger Förde vielleicht bereichernd gewesen. Seglerisch aber eher müßig, weil die „French Kiss“ in der Flotte der klassisch, langkieliger Holzschiffe überwiegend aus den 30er Jahren zwar eine routiniert gesegelte, aber halt keine ebenbürtige Konkurrenz angetroffen hätte.

Das Seglerlebensgesamtkunstwerk

Außerdem sind Aufbau, Erhalt und die Unterhaltung eines Seglerpools im Umfang von mindestens Fußballmannschaftsgröße zum artgerechten Betrieb eines Zwölfers keine einfache Sache. Diese Komponente kommt zum Seglerlebensgesamtkunstwerk eines Zwölfer Eigners noch dazu. Sie verlangt Fingerspitzengefühl, sonst hat der eine grad ne neue Freundin, der andere einen Schnupfen, der dritte einen neuen Job, der nächste eine Familienfeier und so weiter. Das Bermudadreieck kennt unzählige Gründe, nicht segeln zu gehen.

Bezüglich der derzeit endenden Saison ist der Daniel gerade etwas einsilbig. Möglicherweise muss er sein künftiges Absenzkontingent gerade mit konsequentem Landleben auffüllen.

Gut möglich, dass der Daniel daheim das „Zamperl“ (hartdeutsch „Hund“) ausführt oder des häuslichen Friedens halber mit dem Vintage Bentley durch Oberbayern schiebt. Letzteres ist ganz bestimmt eine exquisite Sache, kann aber nicht halb so viel Spaß machen, wie in der open air Muckibude die Minicooperfelgen großen Winschen surren zu lassen.

Bestimmt hält der Daniel den Ball grad  „supperflach“, um 2013 mental top vorbereitet vor Portofino ins Renngeschehen einzugreifen. Dieser zum noblen Naturhafen gentrifizierte Fischerunterschlupf mit schattigen Gelegenheiten zum Kaffee trinken und Shoppen gilt als sehr Segler-Ehe-kompatibel. Es gibt dort sogar ähnlich sauteure Flagship Stores wie in der Maximilianstraße.

Der Hamburger Segelfotograf Thomas Eibenberger mit einen sehenswerten Portfolio von Bildern klassischer und moderner Yachten begleitete die „French Kiss“.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

Ein Kommentar „Braschosblog: Markus Daniel und sein America’s Cup Zwölfer “French Kiss”“

  1. avatar Kollege sagt:

    der Danilu baut gerade ein Haus oben in den österreichischen Bergen

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