Braschosblog: Vierer aus der Schweiz, Portrait der Mini-Meterklasse 15 qm SNS

Die Bonsai Meterklasse

Farbenfroh gings bei der diesjährigen schweizer Meisterschaft der 15 qm SNS von Prangins bei Nyon auf dem petit Lac, dem westlichen Ende des Genfer See zu. © Jean François Hervo

Farbenfroh gings bei der diesjährigen schweizer Meisterschaft der 15 qm SNS von Prangins bei Nyon auf dem petit Lac, dem westlichen Ende des Genfer See zu. © Jean François Hervo

Neulich fand vor Prangins auf dem sogenannten petit lac, am westlichen Ende des Genfer See, die Schweizer Meisterschaft der 15 qm SNS statt. Ein Anlass, diese kuriose wie interessante, außerhalb der Schweiz kaum bekannte Klasse einmal vorzustellen.

Teurer noch als die Beschäftigung mit Segelbooten im Allgemeinen ist das Vergnügen im Rennstall der noblen Meterklassen. Die Rede ist von den Regattabooten gemäß 1906 in London vereinbarter International Rule, wie es sie von der 5 mR-Yacht, über Sechser, Achter, Zehner, Zwölfer, 15er, 19er bis hin zum 23er gibt.

Das Einsteigermodell, der Fünfer, ist als handliches wie trailerbares offenes Kielboot mit den Dimensionen eines Drachen noch eine bezahlbare Sache. Doch bereits beim Sechser (circa 10 x 1,80 m) wird die Sache interessanter, mit erheblichem Ballastanteil (bis zu 76 Prozent) Gesamtgewicht (rund 4 Tonnen) und verschleißträchtiger Genua aber auch aufwendiger. Für den Sechser braucht man bereits einen LKW, um zu Regatten zu fahren. Ein etwa neun Tonnen schwerer Achter wird entweder auf eignem Kiel überführt oder per Tieflader gebracht. Ein Zwölfer schmeißt etwa 20 Tonnen Wasser zur Seite.

Meterklassen sind herrlich antiquiert und gelten aus gutem Grund als Quintessenz des Segelsports. Sie gehen dank ihres großen Ballastanteils rasant an den Wind. Naß und anstrengend wird Meterklasse-Segeln bei frischem Wind, wo die Boote unnachgiebig durch die Welle gehen.

Meterklassen sind eine Droge für Segeljunkies. Ihren besonderen Nimbus verdanken sie dem jahrzehntelangen Status als Olympia- (Zwölfer, Achter, Sechser) und America’s Cup Klasse (Zwölfer). Hinzu kommen die Möglichkeiten, sich mit segeltechnischen Finessen in der Konstruktionsklasse auszutoben. Die Formel hat sich als äußerst produktives Korsett für kompetitives Regattasegeln erwiesen.

Es ist kein Zufall, dass diese Möglichkeiten im Meterklassen-Derivat des 5,5ers nach wie vor mit beharrlichen Neubauten und wachsendem Interesse in deutschen Revieren genutzt werden. Das 1949 von Charles Nicholson entwickelte Boot ist im Wesentlichen ein leichterer, trailerbarer Sechser mit real statt nominell vermessener Segelfläche. Letztlich haben die Kritiker mit ihrer Skepsis gegenüber der von Haus schweren und somit teuren Meterklasse recht behalten.

Einsteigermodell 15 qm SNS

Die 15 qm SNS ist von der Formel her an sich ein "Vierer"

Die 15 qm SNS ist von der Formel her an sich ein “Vierer”

Doch es gibt noch eine weitere Meterklassen-Variante, eine Art verkleinertes Einsteigermodell, die 15 qm Serie Nationale Suisse, kurz 15 qm SNS genannt. Dieses offene Kielboot mit nominell 15 qm Segelfläche (Großsegeldreieck plus 70 % des Vorsegeldreiecks) wurde Anfang der dreißiger Jahre am Genfer See entwickelt. Wie ein Blick auf die leicht abgewandelte Meterklassenformel zeigt, ist es im Prinzip eine 4 m-R Yacht, ein Vierer. Das Boot wurde damals mit zahlreichen Neubauten rasch angenommen. Mit 128 Exemplaren war es von 1940 bis 70 ein gefragter Typ.

Der Erfolg ergibt sich aus den kompakten Maßen. Mit dem sieben Meter langen, gerade einen Meter tief gehenden Schiff findet man in den notorisch engen Häfen der Schweizer Seen einen Liegeplatz. Bei Regatten beschäftigt die Bonsai-Meterklasse drei Segler. Sie 15 qm SNS läuft dank deutlich überlappender Genua bereits bei leichtem Wind. Hinzu kommt, dass es sich als handliches Boot auch allein vom Steg schubsen und segeln lässt. Die 15 qm SNS ist problemlos zu trailern und der Eigner kann sich im nächsten Winter das nächstschnellere Schiff zum erträglichen Budget ausdenken. Die Bonsai-Meterklasse ist ein reelles vernünftiges Boot, aber dabei nicht langweilig.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Braschosblog: Vierer aus der Schweiz, Portrait der Mini-Meterklasse 15 qm SNS“

  1. avatar SöSö sagt:

    Dank für den netten Bericht! Verfolge die Klasse schon länger, und wenn ich mal groß bin….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  2. klein aber fein … Bereits 1951 äusserte sich der bekannte Bremer Yachtkonstrukteur A. Miglitsch dahingehend, dass die 15m2 SNS die ideale Yacht für das Segeln auf Binnengewässern sei. Diese Aussage hat auch heute noch Gültigkeit.

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