Fundstück: Schwimmende Bootsgarage auf der „J’Ade“

Einfach einparken

"J'ade" gebaut von CNE 2013 © CNE

“J’Ade” gebaut von CRN 2013 © CNE

Wir Bootsmenschen sind seltsame Leute. Jeder fängt mal klein an, ist nahe dran. Eigentlich könnte und sollte es dabei bleiben. Dennoch muss es immer das nächstgrößere, -schnellere und noch komfortablere Boot sein. Das ist bei Seglern nicht anders als beim Motorbootfahrer der plötzlich beim veritablen Dreidecker wie der „J’Ade“ angekommen ist. (Es soll ja auch Segler geben, die sich einen Warmwasserboiler ins Boot einbauen lassen!) 737 Tonnen Nettoabtropfgewicht drücken was weg. Entsprechend aufwändig ist die Handhabung. Auch die Fahreigenschaften lassen zu wünschen übrig. So ein Pott fährt im Prinzip wie ein Butterschiff. Da hilft auch der kühn geneigte Vorsteven wenig. Mal eben spontan ablegen geht nicht mehr.

Das Beiboot zum Pott

Beibootsgarage auf der "J'ade" © CME

Beibootsgarage auf der “J’Ade” © CRN

Also muss wieder was Sportliches her. Das Beiboot zum Mutterschiff wenn es in Saint Tropez, wie üblich, keinen Platz für die 60 x 10 m Arche gibt oder man mal flott zum Baden an den Strand von Pampelonne möchte. Man kennt das von großen Wohnmobilen, wo es ohne Smart als Großstadttender auch nicht mehr geht. Der Eigner der „J’Ade“ entschied sich für eine „Riva Iseo“. Die ist acht Meter lang, verdrängt drei Tonnen und mit bis zu 40 kn beinahe so schnell wie ein aktueller America’s Cupper. Damit kann man sich im Vieux Port von Saint Tropez und an ähnlichen Tender-Anlegestellen blicken lassen.

Wohin mit dem Tender?

Meist wird so ein Beiboot mit einem Davit ausgesetzt und verschwindet, wie beispielsweise bei der „Wallyace“, in einer Beibootgarage mittschiffs. Leider hat diese Unterbringung zahlreiche Nachteile. Sie erfordert mehrere, meist vom kundigen Personal auszuführende Handgriffe (anschäkeln, anheben und auf dem Oberdeck oder hinter einer Luke sanft absetzen, den ganzen Kram abledern und abdecken). Das wird auf praktisch jeder großen Motoryacht so gemacht. Deshalb guckt da keiner mehr hin.

Gut beleutchtet © CME

Die Garageneinfahrt ist gut beleuchtet © CRN

Bei „J’Ade“ wird eine Garagengroße Öffnung achtern an Backbord angesteuert. Die Luke schließt sich und nach drei Minuten, so behauptet es die Werft, sind gut 18 Tonnen Meerwasser abgepumpt, steht das Beiboot trocken im Achterschiff. Damit die Ansteuerung des schwimmenden Bootshauses auch im Dunkeln bei der Rückkehr von der Kneipe klappt – und das Manöver einen gewissen, für Motorbootfahrer essenziellen Effekt hat – ist das Dock mit Unterwasserspots wie ein Pool ausgeleuchtet.

Natürlich sieht so ein Beibootshaus nicht aus wie der unaufgeräumte Hobbykeller daheim oder die Garage mit lieblos reingezimmerten Billigregalen vom Möbel-Discounter. Das Boatport der „J’Ade“ ist gediegen maritim vertäfelt. Da nimmt man nach dem lässigen Eindocken in der Sitzgarnitur des Achterschiffs gern noch einen Drink, genießt die verdutzten Blicke von den Nachbarbooten und tut so, als wäre dieses James Bond Gadget völlig normal.

© CRN

„J’Ade“ in Zahlen

Stahlverdränger mit Aluminiumaufbauten, Länge 58,20 m, Breite 10,20 m, Tiefgang 3 m, Werft CRN, Stapellauf 2013, Verdrängung 737 t, Klassifizierung Lloyds und MCA, zwei MTU 12-Zylinder Diesel mit jeweils 2.010 PS, 16 kn Spitze, 14 kn Reisegeschwindigkeit, 107.000 l Diesel, 20.000 l Wasser, 3.000 sm Reichweite.

Beiboot Riva Iseo aus Gfk mit eingelegtem Mahagonifurnier und Kotofugen, Gelcoat farblich passend zum Mutterschiff, 8,24 m lang, Wasserlinie 7,08 m, 2,50 m Breit, Tiefgang (beladen) 96 cm, 330 l Dieseltank, 88 l Frischwasser, eine Koje im Vorschiff, eine Naßzelle, Motorisierung 260 bis 320 PS, elektrohydraulisches Klappverdeck, max. 6 Personen, ab 290.000 €, Werft Riva

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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3 Kommentare zu „Fundstück: Schwimmende Bootsgarage auf der „J’Ade““

  1. avatar SR-Fan sagt:

    Was sind das für Zeiten …. ein Riva aus Plastik! Wo soll das noch hinführen….

    VG

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  2. avatar Erdmann sagt:

    In dieser furchtbaren Zeit, wo nichts mehr bleibt wie es sich gehört, selbst die neuen Rivas als Plastik (frozen snot) sind, ist tröstlich, das es noch die eine oder andere alte, schön zurecht gemachte Riva wie die letzte Tritone aus den sechziger Jahren gibt: http://www.tritone258.de/

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  3. avatar hanseatic sagt:

    Hach ja – “…..der plötzlich beim veritablen Dreidecker wie der „J’Ade“ angekommen ist.” An dem “plötzlich” arbeitet mein Mann bei der Lottoannnahmestelle noch….. aber die Garagencrew hab ich vorsichtshalber schon mal zum Training geschickt… 😉

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