„Pilar Rossi“ – Der Umbau einer Motoryacht zu einer Mega-Segelyacht

Mobo? Kommt drauf an, was man draus macht

Hier staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: seit der Verwandlung zum Schoner ist die Pilar Rossi schon ein Hingucker, hier 2010 in der Karibik © Inges und Thomas Urlaubsbilder

Hier staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: seit der Verwandlung zum Schoner ist die Pilar Rossi schon ein Hingucker, hier 2010 in der Karibik © Inges und Thomas Urlaubsbilder

Die Verwandlung der „Pilar Rossi“ zeigt wie aus einer gewöhnlichen butterschiff-weißen Motoryacht mit Wulstbug und ausgekragtem Steven ein Hingucker wird.

In den siebziger Jahren wurde mit folgendem Spruch für das unterschiedlich beliebte Baumaterial geworben: „Beton – Es kommt darauf an, was man daraus macht.“ Nun ist der Trimaran „Pilar Rossi“ nicht aus Beton, sondern aus Stahl mit Aufbauten aus Aluminium. Dennoch passt der Claim, denn der 64 m Schlitten war mal ein Motorboot. Und wie die Geschichte des Schiffes zeigt, ist es nie zu spät, aus so einem Untersatz was segelbares zu machen.

Die Pilar Rossi als konventioneller Verdränger mit Wulstbug, ausgekragtem Vorschiff und seitlichen Schwimmern vor ihrem ersten Umbau in Brasilien © Inace Werft

Die Pilar Rossi als konventioneller Verdränger mit Wulstbug, ausgekragtem Vorschiff und seitlichen Schwimmern vor ihrem ersten Umbau in Brasilien © Inace Werft

Er entstand 1989 als „Pacific Star“ in Istanbul, war 33 m lang, weiß wie ein Ausflugsdampfer mit geneigtem, kühn ausgekragtem Vorsteven. Nun hat so ein Motorboot mit hohen Aufbauten die unangenehme Neigung, übel zu schaukeln. Da halfen die „Stützräder“ in Gestalt kurzer Schwimmer achtern.

Natürlich hat so eine Motoryacht unbestreitbare Vorteile: Es gibt keine Schererei mit dem Rigg. Die ganze Arbeit mit den Segeln entsteht erst gar nicht. Man muss die Kaffeetasse praktisch nie absetzen und mal raus, um nach dem Rechten zu sehen. Man kommt meist pünktlich an. Andererseits sind Motorboote leider laut, müffeln und an der Kasse der Tankstelle wird angesichts der Spritrechnung regelmäßig klar, wie teuer der Spaß ist.

Mobo eines Formel 1 Piloten

So sah die Pilar Rossi nach dem ersten Umbau 2004 aus. Die Veranda spendete als permanentes Bimini achtern Schatten. Auf dem stb Schwimmer der Daysailer. Das Thema Segeln lag bereits in der Luft © EB

So sah die Pilar Rossi nach dem ersten Umbau 2004 aus. Die Veranda spendete als permanentes Bimini achtern Schatten. Auf dem stb Schwimmer der Daysailer. Das Thema Segeln lag bereits in der Luft © EB

Nun waren Krach und Gestank für den Eigner Nelson Piquet kein Thema. Als erfolgreicher Formel 1 Pilot kam der Brasilianer damit klar. Die Kosten drückten aber schon, zumal sich damals das Ende seiner Karriere in verschiedenen Grand Prix Rennställen abzeichnete. Nun hatte sein Onkel Mauricio Piquet, ein Schiffbauingenieur, ihm bereits die kühne Verlängerung des Bootes um einige Meter bei einer brasilianischen Werft organisiert. Abgesehen von den seitlichen Schwimmern sah die „Pilar Rossi“ beinahe aus wie die Titanic. Ein markanter Vorsteven schnitt durch das Wasser. Das Boot war jetzt dunkelblau und Welten cooler als ein fünfziger Jahre Butterschiff mit Wulstbug und ausladendem Vorschiff.

1. Umbau der „Pilar Rossi“


Auf dem steuerbord-seitigen Ausleger fand sich sogar Platz für ein kleines Kajütboot als Daysailer. Mit diesem handlichen Beiboot kriegt man in Monacos Port Hercule ziemlich sicher einen Schwimmbad-nahen Platz zwischen den Angel- und Badebooten.

Geht’s noch ein paar m länger?

Die Motoryacht nach der Verwandlung zum Schoner. Mittschiffs ist noch die Kimmkante des früheren Vorschiffs-Ansatzes zu erkennen. Auf den Schwimmern blieb Platz für die Beiboote © EB

Die Motoryacht nach der Verwandlung zum Schoner. Mittschiffs ist noch die Kimmkante des früheren Vorschiffs-Ansatzes zu erkennen. Auf den Schwimmern blieb Platz für die Beiboote © EB

Also fragte Piquet seinen Onkel, ob man da nicht nochmal ran könne und bei der Gelegenheit aus dem Schlitten gleich einen flotten Segler machen. Nun ist selbst einem Lateinamerikanischen Ingenieur keine Aufgabe zu schwer, weshalb das Schiff wieder auf die Helling und unter die Schneidbrenner kam und kurzerhand auf 64 Meter verlängert wurde. Abgesehen vom Vor- und Achterschiff sind Motoryachten im Prinzip rechteckige Kästen mit paralleler Bordwand. Da lassen sich ein paar Spanten dazwischen stellen, der Kiel, die Stringer und das Deck verlängern, der Steven und das Heck ein paar Grad abschrägen und alles mit geschickt angebrachten Planken zu machen, spachteln, schleifen und wieder schön weiß anmalen. Natürlich war die Sache etwas komplizierter, aber hier geht es ums große Ganze, um den grundsätzlich positiven Schritt vom Stinkpott zum Segler.

Auch achtern wurde das Schiff verlängert, was der Decksfläche zugute kam. Auf dem 14 m breiten Achterschiff blieb sogar Platz für einen kleinen Pool mit separatem Blubberbecken © EB

Auch achtern wurde das Schiff verlängert, was der Decksfläche zugute kam. Auf dem 14 m breiten Achterschiff blieb sogar Platz für einen kleinen Pool mit separatem Blubberbecken © EB

Auch an Deck wurde das Schiff mit einigen Retuschen angepasst: Die schattenspendende Veranda achtern über der Badeplattform, eigentlich eine praktische Sache unter südlicher Sonne, wurde abgeflext und durch einen Pool mit separatem Blubberbecken ersetzt. Viviane Piquet, die zweite Ehefrau des Rennfahrers, kümmerte sich um die Einrichtung. Die verwandlung der Yacht war Familiensache.

 

Praktische Rollware

Die Mövensperspetive zeigt ein kapitales Schoner Rigg, die achtern gewonnene Decksfläche durch die Verlängerung des Rumpfes und auch der Schwimmer © Monaco Eye

Die Mövensperspetive zeigt ein kapitales Schoner Rigg, die achtern gewonnene Decksfläche durch die Verlängerung des Rumpfes und auch der Schwimmer © Monaco Eye

Es wurde ein beeindruckende Schonerrigg an Bord gehoben. Die beiden Viersalingsmasten machen auf Reede was her. Die seitlichen Schwimmer wurden zugunsten des Segeltragevermögens verlängert. Der uncoole Daysailer, wie man ihn von Talsperren im tiefen Binnenland kennt, wurde durch einige flotte Tender ersetzt. Die Handhabung der Segelfläche (alles Rollware) geriet einfach. Pilar und seine Familie muss bloß an vier Strippen, den Schoten der Fock, des Fisherman (aus dem Fockmast gerollt), des Stagsegels und des Schonersegels (ebenfalls ein Rollgroß) ziehen. Geht doch, oder?

Von der „Pacific Star“ zur „Pilar Rossi“

Gebaut in Istanbul von der Werft Alukraft Gemi Endustrisi AS als 33,50 m lange Motoryacht aus Stahl mit Aluminium-Aufbauten nach einem Entwurf des genuesischen Motoryachtkonstrukteurs Prof. Vincenzo Ruggiero als „Pacific Star“. Weißer Rumpf mit weißen Aufbauten, Stapellauf 1989

2004 Verlängerung der „Pilar Rossi“ durch die brasilianische Inace Werft mit davor gesetztem Vorschiff und senkrechtem Steven nach Plänen von Mauricio Piquet. Dunkelblauer Rumpf

2007-9 zweiter Umbau der „Pilar Rossi“: Verlängerung auf 64,35 Meter und Verwandlung in einen Schoner. Breite 14,10 m, Tiefgang 2,20 m, 280 Tonnen, zwei 729 PS MAN Diesel, 70.000 l Sprit, 10.000 l Wasser, Platz für 18 Gäste, siebenköpfige Crew.

avatar

Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
Spenden
http://nouveda.com

14 Kommentare zu „„Pilar Rossi“ – Der Umbau einer Motoryacht zu einer Mega-Segelyacht“

  1. avatar SR-Fan sagt:

    Soso, so was kommt also raus, wenn man das ästhetische Empfinden von Motorbootfahrern in den Segelsport “einbringt”….

    “Die Geschmäcker sind alle verschieden. Bis auf den schlechten Geschmack. Der ist nicht totzukriegen.” (Karl-Heinz Karius)

    VG

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 9

  2. avatar Stefan sagt:

    “Geht doch, oder?”

    …ne, geht gar nicht!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 2

  3. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Auch mit Masten drauf bleibt das Ding die fettärschige Karikatur eines Schiffes!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 3

  4. avatar dubblebubble sagt:

    War dann doch zuviel Getue mit dem Segelzeugs, oder warum gibt es nicht ein Foto davon?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  5. avatar o nass is sagt:

    Das Ding war in jeder Ausbaustufe entsetzlich. Es gibt ja durchaus hübsche Mobos, dieses hatte da aber nie eine Chance. Und als Quasi-Segler auch nicht.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 1

  6. avatar Erdmann sagt:

    @ dubblebubble,

    gute Frage. Es gibt (seltsamerweise?) kein einziges Foto von der “Pilar Rossi” unter Segeln. Nur Hafen- und Ankerbilder.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

    • avatar Christoph Zeiser sagt:

      Ich würd den Konstrukteur verklagen, der behauptet hat, er bringt diesem Flugzeugträger das Segeln bei. Stellen wir uns das mal bei Schräglage Amwind vor. Mit dem Brett achtern muss das Ding doch abartig leegierig sein.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

      • avatar heuler sagt:

        Christoph, der Schrupper hat chipgesteuerte Foils….da passiert nix…nönö 😉

        Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 3

  7. avatar dubblebubble sagt:

    In der Draufsicht – insbesondere der Version 2004 mit scharzem Rumpf – fällt auf, daß es sich bei der “Pilar Rossi” um ein langes Gerät mit unten zwei dicken Dingern dran handelt. Wenn man dazu bedenkt, daß Pilar auf deutsch Pfeiler bedeutet, könnte man eine Idee davon bekommen, was die Inspiration für diese Bootsform war.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  8. avatar <°((( ~~< sagt:

    Uiuiui – die haben das Teil tatsächlich auf fast das Doppelte verlängert? Ein Foto vom Urzustand mit Wulstbug hätt ich auch gern mal gesehen.

    (beim nächsten Refit wird der Whirlpool am Heck verräumt und dort ein Tennisplatz eingerichtet. Für die Zuschauertribüne wird der rechte Ausleger ein weiteres Mal verlängert)

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

    • avatar Erdmann sagt:

      Guck Dir mal Bild 2 an, da siehst Du die “Pilar Rossi” als weißes Butterschiff mit Wulstbug

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

      • avatar <°((( ~~< sagt:

        Ah, sorry, “Auuuufmerksamkeitsdefizitsyndrooom!”. Das Butterschiffhafte an dem Sowieso-Yachtmonster will sich mir jetzt zwar nicht so direkt erschließen, aber das Foto hatte ich übersehen. Naja.

        Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

        • avatar Erdmann sagt:

          Als “Butterschiffe” werden im Luxusyachtbau große, geräumige Verdränger im “Wappen von Hamburg” Look bezeichnet. Genau so sah die “Pilar Rossi” zunächst aus: Mit kühn geneigtem, weit ausgekragtem Vorsteven und Wulstbug (Verdrängernase).

          Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  9. avatar Schärenkreuzer sagt:

    Sorry, aber ist so ein Sch…. einen Artikel auf dieser sonst so tollen Seite wert??
    Trotz seines bekannten Interesses für echte Klassiker, verläuft sich Hr. Braschos immer mal wieder
    (und viel zu oft) zu den absurden Hässlichkeiten… Die schiere Größe scheint ihn zu beeindrucken…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 16

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *