Segel-Historie: “Rugosa” Halsey Herreshoffs New York 40 Einheitsklasse

Anderthalbmaster

„Rugosa“, die One-Design-Yacht von Halsey Herreshoff  und die traditionsreiche New York 40 Klasse vom berühmten Großvater Nathaniel Herreshoff.

Rugosa, Herreshoff Anderthalbmaster

Rugosa, Herreshoff Anderthalbmaster am Liegeplatz vor Bristol/Rhode Island. © Herreshoff Design

Dieses Boot, das da in Bristol/Rhode Island an der Mooring schlummert, bezaubert nicht mit den üblichen Reizen klassischer Yachten. Es kommt nahezu ohne Deckssprung und ohne Teakdeck daher. Aber „Rugosa“ ist eher ein zweckmäßiges Boot. Sie entstand 1926 für den Sprinklerfabrikanten Russell Ginell gleichzeitig mit „Marrilee“ als eine von zwölf Einheitsklasse-Yachten vom Typ  „New York 40“, auf die sich Mitglieder des New York Yacht Clubs geeinigt hatten.

Konstruktion von 1915

Yachten dieses Aussehens wurden früher als Anderthalbmaster bezeichnet. Darunter verstand man eine Ketsch , deren Besan mit etwa halber Länge des Großmastes maßgeblich zur Besegelung beitrug. Dieses Rigg war eine Weile auf den Regattabahnen beliebt, weil der Besan Gelegenheit zum Setzen unvermessener oder schwach besteuerter Stagsegel bot.

Die Konstruktionszeichnung datiert schon von 1915 und stammt von Nathanael Herreshoff. Seit 1986 gehört „Rugosa“ Halsey Chase Herreshoff, dem Enkel des berühmten Konstrukteurs und Teilhabers der Herreshoff Werft.

Der 1933 geborene Halsey Herreshoff segelte nach einer aufwendigen Restaurierung mit „Rugosa“ über den Atlantik, nahm 2001 am 150. America’s Cup Jubiläum teil und erkundete die Ostsee an Bord seiner Yawl bis nach Helsinki.

Herreshoff als Zwölfer Navigator

Er blickt selbst auf vier Amerika Pokal Regatten an Bord von Zwölfern zurück. 1958 begann er als Vordecksmann auf „Columbia“ und war zuletzt 1983 als Navigator der „Liberty“ vor Newport dabei.

Rugosa ,Yawl-getakeltes Exemplar der New York 40 Klasse

Klassisch bis hin zur ursprünglichen Segelnummer N1, die der erste Eigner Rugosa 1926 als erstem Yawl-getakeltem Exemplar der New York 40 Klasse gab. Rugosa im Mittelmeer © Halsey Herreshoff

Halsey Herreshoff ist Konstrukteur unter anderem der Freedom Fahrtenboote mit einem surfsegelartigen, unverstagten Rigg. Er leitete viele Jahre das Herreshoff Museum auf dem Gelände der ehemaligen Werft seines Großvaters. Anfang der 90er Jahre gründete er die America’s Cup Hall of Fame.

„Das Rigg ist Klasse”, urteilt Herreshoff. “Damit lässt sich die Besegelung rasch dem unsteten Wetter auf dem Nordatlantik anpassen und bei raumen Kursen zeigen wir dank des schön großen Besanstagsegels der kuttergetakelten „Marrilee“ regelmäßig das Heck“ .

 NY 40 als Alterswerk von Opa Nathanael Herreshoff

1915 entstand im Auftrag des New York Yacht Club die „New York 40“ Klasse. Die Zahl bezog sich auf die Wasserlinienlänge von 40 Fuß und sechs Zoll und zugleich auf ihr Handicap gemäß amerikanischer Universal Rule. Die „NY 40“ war insgesamt an die 20 Meter lang. Wichtig war den Auftraggebern die Wohnlichkeit an Bord und die Möglichkeit, das Boot mit einer kleinen Crew zu bewegen. Aus Kostengründen – es wurde damals meist mit bezahlter Mannschaft gesegelt – sollte die „NY 40“ von einer dreiköpfigen Crew zu segeln sein.

Der annähernd siebzigjährige Konstrukteur Nathanael Herreshoff hat dem Boot eine für damalige Verhältnisse beachtliche Breite von 4,42 m und 12 t Ballast in bis zu 2,44 m Tiefe verpasst. Das ergab ein steifes Design mit stattlichem Segeltragevermögen. Herreshoff, dank seiner erfolgreichen America’s Cup Verteidiger als „Zauberer von Bristol“ erinnert, hatte auf die amerikanische Tradition formstabil breiter Boote gesetzt und zugleich Platz unter Deck geschaffen.

Die „NY 40“ waren als Cruiser mit Regattaoption konzipiert und der Handlichkeit halber zunächst mit einem kleinen Gaffelrigg besegelt. Das wurde bald mit vergrößerten Slupriggs, Schoner- und Yawl-Konfigurationen geändert. Die anfangs erhebliche Luvgierigkeit wurde mit weiter vorn, an einem Klüverbaum gesetzten Vorsegeln ausgeglichen. Wie sich diese Maßnahmen mit dem Konzept der Einheitsklasse vereinbaren ließen, lässt Francis Herreshoff in der lesenswerten Biografie seines Vaters offen.

Ein Dutzend Boote entstand zunächst und zwei weitere Exemplare, darunter die Yawl getakelte „Rugosa II“ folgten 1926. Wie schon ihre Vorläufer, die New York 30 und die NY 50 Klasse wurden die Boote wirtschaftlich in Fordscher Manier von der Herreshoff-Werft mit mehrfach verwendbaren Mallen und vorgefertigten Teilen preiswert in Serie gebaut. Ein Exemplar der ersten Serie der „New York 40“ kostete damals 10 Tausend Dollar. Alternativ zur Pinne (dem Standard) gab es auch eine Radsteuerung. Sie wurde zweimal bestellt.

Stets ungerefft

Die Klasse kam gut an und Francis Herreshoff berichtet in der 1952 erstmals erschienenen Biografie seines Vaters Nathanael Herreshoff, die Boote seien bei Regatten stets ungerefft gesegelt worden. Ihrer Power verdankten sie die Spitznamen „Fighting Forties“ oder „Roaring Forties“.

Als sich der Erste Weltkrieg dann auch in den Staaten bemerkbar machte, kam der Yachtbau zum erliegen. Die „NY 40“ wurden weiter gesegelt. Zehn Jahre nach dem Debüt der Klasse folgte „Rugosa II“, als Bermuda getakelte Yawl. Auftraggeber war Russell Grinell, ein alter Herreshoff Kunde und Fabrikant von Sprinkleranlagen. Der generös besegelte 1 ½ Master gewann in seiner zweiten Saison das Newport – Bermuda Rennen über 647 Meilen.

Das Deck war aus preiswerter und leichter Tanne. Bis heute ist „Rugosa“ mit einem gestrichenen Deck unterwegs. Das Raum“wunder“ von damals ist mit einem leeren, als Segellast genutzten Vorschiff unterwegs. Die Kojen befinden sich mittschiffs im Salon seitlich unter dem Deck. Das Boot des 80-jährigen Herreshoff-Enkels hat dort seinen Liegeplatz, wo es entstand, in Bristol/Rhode Island.

New York 40 „Rugosa“, ex. „Rugosa II“

Bauweise: Yellow Pine Planken über dampfgebogenen Eichenspanten, Deck aus white pine.
Länge über alles 19,8 m
Länge über Deck 18 m
Länge Wasserlinie 12,34 m (40 Fuß, sechs Zoll)
Breite 4,35 m
Tiefgang 2,40 m
Herreshoff Baunummer 983, 25 t Verdrängung
12 t Bleikiel
Auftrag Dezember 1925
damaliger Preis 32.500 Dollar
57 qm Vorsegeldreieck
92 qm Groß
28 qm Besan
Es existierten noch insgesamt vier Exemplare der New York 40 Klasse.

 Vorläufer:

„NY 30“ von 1905: LÜA 13,26 m, LWL 9,14 m (30 Fuß), Breite 2,70 m, Tiefgang 1,90 m, Segelfläche circa 93 qm, Kosten damals 4.000 USD, 18 Exemplare gebaut

 NY 50 von 1913: LÜA 22 m, LWL 15,24 m (50 Fuß), Breite 4,42 m, Tiefgang  3 m, Kosten damals 17.000 Dollar, neun Exemplare gebaut

Lesenswert: Captain Nat. The wizard of Bristol (ENG)
Sehenswert: Franco Pace Bildband

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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