Wally Yachts: Dritte Wallycento im Bau – Wie es um die Edel-Marke bestellt ist

Lebenszeichen von Wally

 

 Die Wallycento Klasse

Wally Gründer Luca Bassani über die Wallycento Klasse: „In den vergangenen Jahren entstanden Megayachten mit großer Verdrängung. Obwohl es sich bei diesen Booten eigentlich um Fahrtenschiffe handelt, wird mit ihnen zunehmend Regatta gesegelt. Parallel entstanden immer extremere, ausgereizte Regattaboote wie „Esimit Europe 2“ (ex Alfa Romeo II), „Wild Oats“, „Speedboat“ und andere. Diese Boote segeln ausgezeichnet, neigen bei hart gesegelten Hochseeregatten aber zum Bruch. Hinzu kommen die hohen Betriebskosten und der erhebliche Wertverlust in kurzer Zeit“.

Zwischen diesen beiden Bootskategorien sieht Bassani eine Nische für eine vergleichsweise vernünftige, 100-füßige Konstruktionsklasse, welche die Ansprüche des Regatta- und zugleich des Fahrtenseglers erfüllt: Die Wallycento. Dabei knüpft die Klasse an das Motto „Fast and easy“ an, mit dem er in den Neunziger Jahren Wally gründete.

Vor einigen Jahren präsentierte er seine Idee einer Konstruktionsklasse Eignern wie Sir Lindsay Owen-Jones, einem der ersten Wally-Kunden. Owen-Jones trug mit vielen eigenen Ideen, beispielsweise der Klasse als Box Rule zu dem Konzept bei.

Wichtig erschien auch eine zeitgemäße Umsetzung des bewährten Cruiser-Racer Konzepts. Die Wallycento sollte ein schnelles, dennoch von kleiner Crew zu handhabendes Boot werden. Sie sollte mit der Familie oder Freunden, also einer zwei bis dreiköpfigen Mannschaft zu segeln sein.

Der Segelplan entspricht mit einem Fat Head-Groß und großen asymmetrischen Vorsegeln am langen Bugspriet den Bedürfnissen des Regattaseglers. Zum Fahrtensegeln lässt sich die Wallycento mit einem herkömmlich dreieckigen Groß zur backstagslosen Handhabung bewegen.

Die neue Klasse (700 qm am Wind bei 45-50 t) sollte deutlich schneller als die früheren 100 Fuß Wallys wie „Y3K“ und „Indio“ (600 qm bei etwa 60 t) werden und bei 7 bis 18 Knoten auf einem Up and Down Kurs mit aktuellen Maxis vergleichbar segeln.

Das alles mit einer komplett zum Fahrtensegeln mit Generatoren, Klimaanlage, Seewasserentsalzer, ausgebauten Kajüten, Pantry und Teakdeck. Dazu tragen ein 6,2 m tief gehender Hubkiel mit Trimmklappe, die gewichtsbewusste Bauweise in Verbindung mit beachtlicher Formstabilität dank nach achtern durchgezogener Breite. Zugleich kann der kostenbewusste Eigner sich für eine 10 bis 15 Prozent günstigere Racing Cruiser Version mit beispielsweise 5 m Festkiel und etwas weniger Tuch entscheiden. Der Nachteil gegenüber der sogenannten Grand Prix Variante wird durch ein klasseninternes Handicap aufgefangen.

Wallycento #3 Daten

Länge 30,48 m
Breite 7,20 m
Tiefgang (Hubkiel) 6,20 – 4,40 m
Verdrängung 49,95 t
Am Wind Besegelung: 640 qm
Konstruktion: Reichel/Pugh
Interieur und Exterieur Design: Wally/Luca Bassani
Kajüten für sechs Personen und eine zwei bis vierköpfige Crew
Werft: Green Marine UK
Klassifikation: Germanischer Lloyd
Rigg: Southern Spars TPT, stehendes Gut aus EC6Z
Reisegeschwindigkeit unter Motor: 11 kn  (300 PS Diesel)
Salon zur Bewirtung von 10 Personen

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

8 Kommentare zu „Wally Yachts: Dritte Wallycento im Bau – Wie es um die Edel-Marke bestellt ist“

  1. avatar Klaus sagt:

    “Das liegt an der geplatzten New Economy-Blase und weiteren Eintrübungen des Wirtschaftslebens. Sie hinterlassen seit einem Jahrzehnt heftige Bremsspuren in der Luxusgüterindustrie Yachtbau.”

    Die böse Wirtschaft und Ihre folgen auf die Superyachtbranche:

    2013 saw some interesting statistics for a supposedly downward turning industry.
    338 new superyachts were sold.
    79 Million was the most expensive.
    77m was the largest.
    180m was the largest launched.
    120m was the largest ordered.
    36m was the average length placed on order.
    235 superyachts were launched.

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  2. avatar Erdmann sagt:

    Klaus,

    1. die von mir erwähnte Entwicklung ist eine Tatsache, die nicht wegzureden ist. Wally hat vom Optimismus der New Economy profitiert. Dann platzte die Blase, kam 9/11 und so weiter. Doch das ist, wie im Artikel zu lesen, nur ein Teil der Geschichte.

    2. Deine Statistik ist ja ganz schön, nur bezieht sie sich überwiegend auf Motoryachten. Der Bau sehr großer Segelyachten war für Werften wie Abeking & Rasmussen beispielsweise entweder ein riskantes, zögernd wahrgenommenes Schaufensterprojekt – siehe „Extra Beat“, „Arrayan“ oder „Hetairos“ – oder wurde/wird, wie bei Lürssen – siehe „Twirlybird“ oder „Eos“ – nur ausnahmsweise gemacht.

    Große Werften bauen, wenn Sie erfolgreich sein wollen, sehr große Motoryachten. Das sind schon der Größe halber konventionelle, clever verpackte, mit Gadgets bestückte Verdränger. Die Branche nennt sich ‚Butterschiffe’. Butterschiffe gehen anscheinend immer.

    3. Zum Thema mittelgroße Segelyachten der 50, 80 oder 100 Fuß Kategorie:

    Sieh Dir mal die Produktbereinigung bei Nautor auf wenige, vergleichsweise konservative Modelle von 53 bis 115 Fuß an. Dazu den Versuch Ferragamos, eine eigene Motoryachtrange ins Laufen zu kriegen.

    Oder die Übernahme von Baltic Yachts durch die deutsche Firma Otto Bock: Den Versuch der Finnen das Geschäft mit Refits auch anderer Fabrikate abzupuffern, zugleich die gezielte Neuausrichtung auf Branchen, wo sich das abgefahrene Komposit Know How nun auch unterbringen lässt.

    4. Abpuffern: die holländische Royal Huisman Werft, hat längst eine Refitabteilung gegründet. Das ist mehr als Kundenbindung. Das ist laufendes Geschäft.

    Ein fehlender Großauftrag oder zwei fehlende kleinere Boote und es wird eng für solche Segelyachtspezialisten, die schon lange sehr gute Yachten bauen, einen Ruf, einen Namen haben. Also lassen die sich unterschiedliche Antworten einfallen.

    Wally überlebt mit Motorbooten und macht neuerdings jedes Jahr mit der nächsten Wallycento von sich reden.

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  3. avatar Christian1968 sagt:

    In jedem Fall mal wieder ein typischer Braschos-Artikel: einfach gut, superinteressant und mit Informationen, die zumindest ich sonst nirgends bekomme. Danke!

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  4. avatar x-claim sagt:

    Geht da nicht was durcheinander? Mit deinem Hinweis auf die geplatzte Blase der New Economy etc. deutest du doch an, das kein Geld da ist um solche Boote zu kaufen. Und Klaus listet auf, was so an Yachten im letzten Jahr verkauft wurde – egal ob Motor- oder Segelyacht: Geld ist da! Möglicherweise ist der Markt mit segelnden Superyachten übersättigt? Möglicherweise ist das Konzept des Herrn Luca Bassani doch nicht so genial?

    Wenn ich mir die Inneneinrichtung dieser segelnden Superyachten angucke, dann habe ich das Gefühl in der Designer Abteilung eines Möbelhauses zu stehen und nicht auf einer Yacht. Zum segeln sind diese Einrichtungen denkbar ungeeignet. Hierin unterscheiden sich auch Yachten wie Wild Oats und Wally. Die einen werden kompromisslos gesegelt, die anderen wollen auch im Hafen etwas “Her machen”. Das Problem ist meiner Meinung, das die Yachten alla Wild Oats immer schneller segeln werden als diese Yachten al’a Wallygator. Und ich kann mir nicht viele der potenziellen Kunden einer Wally vorstellen, die sich wegen des leckeren Cappuccino im eigenen Salon gerne vom Konkurrenten auf der Regatta-bahn überholen lassen.

    Das Wally Konzept funktioniert evtl. als Einheitsklasse – aber auch dort muss man sich dann die eigenen schwächen schön trinken. Man könnte auch sagen der schöne Schein der der Wallys hält nicht was er verspricht.

    Gehört hier evtl. nicht wirklich hin, aber: Neulich sah ich bei einem Yachtdesigner auf der Seite eine 44 Fuß Yacht mit 4 Kabinen und 4 (vier) Toiletten – natürlich für den Chartermakrt, aber ich frage mich ernsthaft – was soll son Mist?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 4

  5. avatar andreas borrink sagt:

    Man kann über über Bassani sagen, was man will, aber er hat jedenfalls dieses wohl typisch italienische Gefühl für Formen und guten Stil.

    Für mich die absolute Traumyacht:

    http://www.wally.com/nano/

    Größer muss nicht und Pink kommt gut. Mit sowas an einem warmen Augustabend bei SO 3 nach Wedel und zurück, das würde mir völlig reichen. Immer schön bescheiden……..

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Leider ist die Konstruktion am Markt nicht so erfolgreich gewesen, wie von den Bassani/Hoek erwartet. Das mag auch daran liegen, dass in dieser Bootsgröße/Zielgruppe deutlich mehr Anbieter unterwegs sind und schon kurz danach ähnliche Boote den Markt “überschwemmten” – je nach Fasson sportlicher oder auch klassischer gelagert.

      VG

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      • avatar andreas borrink sagt:

        Habe aber noch keines gesehen, das auch nur annähernd so gut gelungen ist!

        Vermutlich haben die “potentiellen” Kunden sich beim Preis verschluckt. Den kenne ich zwar nicht, aber aus Giebelstadt, Greifswald oder Fronkreisch gibt es für den Kurs vermutlich 60 Füsse (mit 8 Klos UND Badeleiter)!

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        • avatar SR-Fan sagt:

          Wenn ich das richtig in Erinnerung habe lag der Preis bei rund ner 1/4 Mio. EUR. Keine Ahnung ob das für die Zielgruppe ein Problem darstellt – ich gehöre (leider) nicht dazu ;-(

          VG

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