Den Cuppern abgeschaut: Wingsegel für Elan37 Fahrtenyacht

Verleiht Flüüüüüügel…

Beim ersten Anblick zuckt wohl jeder zusammen, der nicht gerade auf America’s Cuppern seine Wochenenden verbringt: Die futuristisch wirkende Flügeltechnologie auf einer Elan37! HighTech auf einem Cruiser mit dem Potential eines… nun, eben eines Fahrtenschiffes!

Rundum frei rotierender Mast mit zwei geteiltem Segelplan © omer sails

Rundum frei rotierender Mast mit zwei geteiltem Segelplan © omer sails

Doch das Konstrukt ist einen zweiten Blick wert. Denn die Flügel sind nicht starr wie bei den AC-Boliden („Segel setzen“ wird dort bekanntlich wörtlich genommen und vom Kran erledigt), sondern können ganz normal gehisst werden.

Seit 2005 testet das damals neu gegründete britische Omer Sails gemeinsam mit dem französisch-holländischen Rigg-Konstrukteur Formula Marine bereits die (für Fahrtenschiffe) revolutionäre Technik.

Die ist im Prinzip mit der aller starren Flügel identisch – nur können die Segel im Schwingen-Schnitt eben auf herkömmliche Weise gehisst, gerefft und eingeholt werden. Übrigens: Wie im Video zu sehen, kann der vordere, kleinere Teil des Großsegels getrennt gehisst werden.

Im Mittelpunkt: Der Mast!

Auch hier dreht sich buchstäblich alles um die Palme. Die ist aus einem Verbund aus Karbonglasfaser gebacken, steht auf einer Kugel in der Bilge und wird von einem Rollenlager im Deck gehalten. Freistehend, wohlgemerkt, ohne Wanten und Backstagen etc. Das Deck der Elan 37 wurde hierfür verstärkt.

Geteilter Mast mit Wishbone-Profil © omer sails

Geteilter Mast mit Wishbone-Profil © omer sails

Die zuletzt getestete und für funktionell befundene Mastform hat ein Wishbone- bzw. A-Profil, durch das der Baum (für vorne und hinten) durchgesteckt wird. Sieht ebenfalls gewöhnungsbedürftig aus, funktioniert aber bestens, wie Omer Sails versichert!

Das Flügelsegel ist aus gängigem Segeltuch und erhält nach dem Heißen seine Flügelform mittels durchgängiger Segellatten. Der Clou: Das Segel greift am Mast bei ca. 25-30% der Profillänge. Soll heißen: mindestens ein Viertel der Segelfläche befindet sich VOR dem Mast. Dieses „Vorlieksegel“ wird von einem feststehenden, nach vorne ausgerichteten Baum in Form gehalten; ein normal dimensionierter Teil des Großbaums zeigt wie immer nach hinten.

Mehr Power, leichter zu bedienen

Die Leistungsverbesserungen mit dem neuen Prinzip sollen eklatant sein. Vor allem am Wind soll die Test-Elan mehr Höhe laufen und dabei erheblich schneller als mit herkömmlichem Rigg sein. Das Schiff krängt mit dem Flügelsegel deutlich weniger, sagen die Macher. Die ausgesprochen einfache Handhabung  – auch beim Reffen, wie beim Gaffelsegel – sei prädestiniert für das Einhand- bzw. Familiensegeln.

Die Elan 37 mit dem revolutionären Rigg und Segelkleid soll Anfang 2013 in Serie gehen, und zudem als Vorbild für größere Yachten dienen, bei denen das neue Konzept besonders in Sachen „Handling“ offenbar noch mehr Sinn macht.

Über den Preis der Flügel-Elan schweigen sich Omer Sails und Formula Marine noch aus. Er soll sich aber im bezahlbaren, sprich: fahrtentauglichen Bereich ansiedeln.

Stellt sich nur die Frage, ob die Gemeinde der Fahrtensegler bereit ist für eine “Revolution”? Oder doch lieber weiter am Vorsegel zupft, die Wanten nachspannt, den Gennaker zieht oder mit der „Blase“ vor dem Wind geigt?

Website Omer Sails mit ausführlichen technischen Beschreibungen des Wirkungsprinzips

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Michael Kunst

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8 Kommentare zu „Den Cuppern abgeschaut: Wingsegel für Elan37 Fahrtenyacht“

  1. avatar SR-Fan sagt:

    Hatte nicht auch “Wally” mal eine Kooperation mit Omer Salis? Hat sich wohl noch niemand gefunden, der genug Risikokapital einsetzen wollte? 😉
    Wie sieht das denn mit Spi- oder Genacker aus? Vorwind dürfte sich der Vorteil des Riggs ja egalisieren?

    VG

    PS: Ich meine mich zu erinnern, Omer-Sails sei eine israelische Firma?!

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  2. avatar NK sagt:

    Sieht ja ziemlich fix aus in dem Video… Bin mal auf weitere Tests und Vergleiche gespannt…

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  3. avatar Christian sagt:

    jede Wette, dass das Ding downwind ein echtes Performance-Problem hat. Ein Gennaker dürfte da unumgänglich sein. Wenn der möglich ist, dann könnte das Ding tatsächlich eine interessante Alternative sein.

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    • avatar Minifahrer sagt:

      Warum sollte das nicht Gennaker-tauglich sein? Die 45er bzw. 72er Kats (AC) haben das doch auch. Sogar mit einer Genua, wenn auch klein. Dürfte eher eine Kostenfrage werden, so ein Rigg wird nicht billig sein.

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    • avatar Uwe sagt:

      Downwind gibt’s Null Probleme, da das Segel einfach weiter aufgefiert wird und dadurch effektiv angeströmt wird. Es sind ja keine Wanten im Wege. Siehe: http://www.omerwingsail.com/air-flow-de/
      Man segelt nicht platt vorm Wind sondern fährt einen leichten Zick-Zack-Kurs. Ideales Segel für kleine Crews.

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  4. avatar Heini sagt:

    Ja, im März 2010 hat Wally kräftig getrommelt, siehe: http://www.liveyachting.com/wally-omer-wing-sail-presents-wow-wing-sail-technology-for-large-cruising-yachts

    Passiert ist aber rein gar nix. Also mal abwarten, ob diesmal auch wirklich Taten folgen.

    PS: Ich finde das Konzept der “P28 foiler” besser als das von “Omer” ( http://www.p28foiler.com/en/the-thick-profile-sail/ )

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  5. avatar JohaKu sagt:

    Im Video scheint diese Technik vollkommen ohne Stage und Wanten auszukommen. Ist dem wirklich so?

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