Megayachten: “Nomad” 33,50 m-Ausnahmeyacht mit Turbolader

Spaßquotient "Sieben"

Dank reichlich Tuch laufen die 51 t schon bei wenig Wind © Maxi Dolphin

Dank reichlich Tuch laufen die 51 t schon bei wenig Wind © Maxi Dolphin

Manchmal reduziert sich ein Thema auf eine einzige Zahl. Die Segeltragezahl verrechnet die Quadratwurzel der Am-Wind-Besegelung mit der Kubikwurzel des Bootsgewichtes. Sie ist der Agilitätsfaktor, steht für den Spaßquotienten eines Bootes.

Gurken dümpeln mit dem Gähnwert von 4, moderne Boote nehmen mit einer 5 Fahrt auf. Eine 45er Swan ist mit 5,3, die Brenta 60 oder Wally 80 mit 5,8 unterwegs. Beim leeren Daysailer und Regattaboot liegt er höher. Hasso Plattner brettert mit seinem 45 m-Schlitten „Visione“ mit 6,4. Profihardware wie ein Volvo 70-Füßer ist netto mit 6,8 unterwegs. Das seglerische Nirwana.

Es ist aus mehreren Gründen (Konzept, Komfort, Kosten, Technologiestufe, Tiefgang) fast unmöglich, sehr große tourentaugliche Boote so zu bauen, dass sie segeln und Spaß machen.

Bei „Nomad IV“ einer komplett ausgestatteten 33 m-Megayacht mit Miele-Einbauküche und Essecke steht unter dem Strich die Sieben. Hier könnte der Artikel enden. Denn mit dieser Zahl ist alles über das Boot gesagt. Man kann sich den Film vom Probeschlag, Bilder und Zeichnungen angucken, fertig.

Schnellsegler mit Polstergarnitur und farblich passenden Kissen in der Frischluft-Lounge © Maxi Dolphin

Schnellsegler mit Polstergarnitur und farblich passenden Kissen in der Frischluft-Lounge © Maxi Dolphin

Nachzutragen bleibt, wie dieser sensationelle Agilitätsfaktor möglich ist:

Reichlich Tuch mit „fat-head“-Großsegel am 46-Meter-Mast. Darunter ein Boot, das die Garderobe überhaupt aufrecht im Wind hält: Die brutale, bis zur senkrechten Bordwand ausgereizte Breite macht es möglich. Drittens tief durchs Meer gezogener Bleiballast, dazu 9 ½ Tonnen Wasserballast unter der Luvkante als Turbolader. Viertens die zeitgemäß leichte Hightech-Bauweise.

Welch’ kühne Konsequenz einen Open 60 in eine große, leicht gebaute Fahrten- und Luxuscharteryacht zu übertragen. Auf 8,30 m Breite gibt es reichlich Platz und kaum Krängung.

So ticken, so denken und zeichnen Franzosen, so bauen Italiener. Eine Megayacht mit Eignersuite, sechs Kajüten und sehenswerter Beibootgarage, die bei Mittelmeer-üblicher Thermik nicht nomalelend herumsteht, sondern fährt. Klasse!

 

Länge über alles 33,48 m, Deckslänge 30,48 m, Wasserlinie 29,80 m, Breite 8,30 m, Tiefgang (Hubkiel) 5,90/3,50 m, Verdrängung 51 t, Kiel 15 t, Wasserballast 9,5 t, Am Wind Besegelung 690 qm, Frischwasser 2.000 l, Diesel 4.000 l, Maschine 300 PS, Bauweise Carbon, Epoxid, Nomex Waben, SAN Schaum.

Die Maxi Dolphin-Werft  liegt an der Autobahn E 64 Mailand-Venedig zwischen Bergamo und Brescia. Sie wurde 1987 vom lombardischen Bauunternehmer Vittorio Moretti gegründet und blickt auf mehr als 300 Boote zurück, darunter die Wally „Gebie of the Lamp“, die Frers Slup „Viriella“ oder die beliebten „Joker“.

Designkriterium für die großen Maxi Dolphin-Werftbauten sind die Brücken der italienischen Autobahnen, welche die Tieflader mit Fracht passieren müssen.

Das Konstruktionsbüro Finot-Conq blickt auf vier Jahrzehnte und tausende nach eigenen Plänen gebaute Boote zurück. Darunter die First, Oceanis oder Pogo, Regattaschiffe wie DCNS, Generali oder Hugo Boss. Sehenswert sind auch der 60 Füßer „Ourson Rapide“ oder die 51- und 63-Fuß Konzepte.

avatar

Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *