Superyacht Phocéa: Vom Einhand OSTAR-Renner zum Drogenschmuggler

Mega-mysteriös

Dies ist die Story einer Mega-Yacht, die Geschichte(n) schreibt. Einem grandiosen Segelschiff, das als Superlativ zu Wasser gelassen wurde und sich über Jahrzehnte hinweg als solches behauptete – wenn auch unter teils fragwürdigen Umständen.

War lange Zeit Die größte Segelyacht der Welt: 78m-Phocéa © Fraser-Yachts

War lange Zeit die größte Segelyacht der Welt: 78m-Phocéa © Fraser-Yachts

Eine Yacht, die immer unter dem Motto „Größenwahn“ segelte, über viele Jahre hinweg der Inbegriff für Höchstgeschwindigkeit war, als Botschafter Frankreichs über die Weltmeere schipperte, auf der sich später die Reichen und (mitunter) Schönen räkelten und die jetzt unter Verdacht steht, als Schmuggelschiff für Waffen und Drogen zu dienen.

Seit dem Sommer liegt die Phocéa schon vor Vanuatu bewacht auf Reede – nun wurde der Kapitän gegen eine geringe Kaution überraschend freigelassen. Höchste Zeit, das Schiff in Sicherheit zu bringen, denn die Zyklon-Saison naht.

Länge läuft

Es ist in der Epoche breithintriger Gleityachten mit Neigekiel eigentlich kaum zu glauben, aber es gab tatsächlich Zeiten, als der Erfolg beim Regattahochseesegeln auf eine einzige Formel beschränkt war: Länge läuft!

Entsprechend wuchs in den 70iger-Jahren des letzten Jahrhunderts, zu Beginn der großen Offshore-Einhand-Regatten wie etwa OSTAR, der Hang zu einer gewissen Gigantomanie. Damals, als die durchschnittliche Länge einer Hochseeyacht noch bei 9 m lag, tauchte plötzlich Segellegende Eric Tabarly mit der knapp 23 m langen Ketsch Pen Duick VI auf und segelte –einhand !– mit dem „Riesen“ gnadenlos allen Konkurrenten davon.

Alain Colas kurz vor dem Start zur OSTAR 1976 © OSTAR

Alain Colas kurz vor dem Start zur OSTAR 1976 © OSTAR

Grund genug für Alain Colas, von dem es damals hieß, er sei der einzige, der dem großen Tabarly seglerisch das Wasser reichen könne, mit einem Megaschiff aufzutrumpfen, das dieses Superlativ mehr als verdient hatte:  Die „Club Mediterranée“ war sage und schreibe  75,15 m lang, hatte 4 Masten mit Bermuda-Rigg und sollte von Colas ebenfalls einhand gesegelt werden!

Tatsächlich lag er bei der OSTAR 1976 mit großem Vorsprung vor Tabarly, als er wegen eines technischen Problems bei schwerem Wetter in Halifax/Neufundland Hilfe von außen in Anspruch nehmen musste. Was ihm wiederum eine Strafe von zusätzlichen 58 Stunden Segelzeit einbrachte – Tabarly siegte erneut!

Ein Regattamonster als Botschafter Frankreichs

Was nun? Alain Colas  segelte zwei Jahre als „Repräsentant Frankreichs“ mit der (im Unterhalt irrsinnig teuren) „Club Med“ im Mittelmeer, in der Karibik und vor den USA, der namensgebende Sponsor vercharterte die Megayacht inkl. Skipper leidlich amortisierend, bis Colas bei der Route du Rhum auf seinem Trimaran „Manureva“ in einem Sturm sein Leben ließ.

Für die Club Med bedeutete dies: Warten auf den nächsten Exzentriker, der sich mit ihr und den enormen Nebenkosten (damals geschätzte 2 Millionen FFrancs) abgegeben wollte.

Phocéa, ex Club med, heute unter welcher Flagge? © Fraser Yachts

Phocéa, ex Club med, heute unter welcher Flagge? © Fraser Yachts

Womit der schillernde Bernard Tapie auf der Bildfläche erschien, der später die Mehrheit an Adidas erwarb und 1993 als Präsident von Olympique Marseille Champions League Sieger wurde. Er kaufte das Schiff 1982 und ließ es für eine nie genannte Unsumme vollständig umbauen.

Aus dem Regatta-Giganten wurde eine monströse Luxusyacht, die pompös im farbenfrohen Stil der frühen Achtziger-Jahre eingerichtet wurde: 9 großzügige Gästekabinen, eine Eignersuite, 1 Friseursalon, jede Menge Jacuzzis und Pools sowie Kabinen für 18 Personen Stammpersonal mussten untergebracht werden.

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Superyacht Phocéa: Vom Einhand OSTAR-Renner zum Drogenschmuggler“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Geiler Krimi, schreibst Du super!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  2. avatar hurghamann sagt:

    Geile Story,
    hatte die nicht ursprünglich einen Uran Kiel in ihrer Regattakarriere. Ich meine mich an sowas zu erinnern.

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    • avatar hurghamann sagt:

      Nee, ich les grad es war die Konkurenz:
      Taberlys PEN DUICK VI hatte einen Kiel aus abgereichertem Uran, wurde aber später gegen Blei getauscht.

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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