Alternative Antriebe: Reederei K-Line setzt auf Kites – 20 Prozent Emissionen einsparen

Sauberer mit Wind

Kite, Antrieb, Frachter

Frachter unter Segeln © k-line

Alles per Knopfdruck: Die Kites steigen vom Deck der Frachter schon ab drei Beaufort auf und müssen erst bei Sturm wieder eingeholt werden. 50 Kites für 20 Jahre geordert.

Man hat lange nichts mehr gehört oder gelesen von dieser einst so hoffnungsvoll verkündeten „ultimativen Methode“, mit der bei der Handelsschifffahrt Emissionen und somit Energieressourcen eingespart werden sollen. 

Die Idee vom Lenkdrachen (neudeutsch: Kite), der Frachter und Tanker gemeinsam mit herkömmlichen Antrieben über die Ozeane ziehen soll, sorgte schon vor zwei Jahrzehnten für reichlich Aufmerksamkeit. Kurz nach der Jahrtausendwende stellte das Hamburger Unternehmen „Skyline“ bereits ein Kitesystem vor, das am Bug von Frachtern, Tankern oder Containerriesen befestigt, für Energieeinsparungen sorgen sollte. Nach anfänglichem medialen Hype wurde es nach einigen technischen Rückschlägen doch wieder ruhig um das System. Offenbar hatten sich das Unternehmen bei der Einschätzung der Akzeptanz unter den Reedereien verkalkuliert. 

Hoch ab 3, runter ab 8 Bf

Im Hintergrund tüftelten und werkelten jedoch einige andere Unternehmen weiter an der Ausführung der theoretisch eher logisch erscheinenden Idee. Das Prinzip ist denkbar einfach: Bei guten Windverhältnissen sollen Kites vom Deck der Frachter und Tanker aufsteigen, um die Schiffe bei reduzierter Motorenleistung zusätzlich per Windkraft zu ziehen. Doch vielfach haperte es am Handling der Kites und an den Windstärken aus der richtigen Richtung. 

Kite, Antrieb, Frachter

Tests an kleineren Schiffsmodellen © Airseas

Das französische Unternehmen Airseas, eine Tochter des Flugriesen Airbus, hat sich im Laufe der letzten Jahre verstärkt den „Kites am Frachter“ gewidmet und entwickelte eine Version des Lenkdrachens, die äußerst robust und mit digitalen Technologien hervorragend zu bedienen ist. Der „Seawing“ wirkt nach Angaben der Airseas-Techniker bereits ab einer Windgeschwindigkeit von drei Beaufort. Spätestens bei Windstärke Acht muss der Kite wieder eingeholt werden.
Die Steuerung des „Seawing“ geschieht per Computer: Auf Wunsch kann das System einen neuen Kurs berechnen, damit der „Seawing“ effizienter arbeiten kann. Einholen und Aufstieg des „Seawing“-Drachens, der an einer Stahltrosse über einer Rolle an Deck befestigt ist, erfolgen per Knopfdruck. Zudem weist der Computer darauf hin, wenn sich der Wind gedreht hat und der Einstellwinkel bzw. Kurs also verändert werden muss. 

Test auf Cape-Size-Riesen

Während der Pariser „Air Show“ wurde nun bekannt, dass die japanische Großreederei Kawasaki-Kisen respektive „K-Line“ 50 Kites bei Airseas geordert hat. Diese sollen in einem Zeitraum von 20 Jahren auf ausgewählten Schiffen der Reederei montiert und zum Einsatz gebracht werden. Die K-Line-Reeder erhoffen sich so einen Kohlendioxid-Emissionsrückgang von 20 Prozent und eine ähnlich hohe Sprit-Einsparung auf jedem Schiff, das von den Drachen gezogen wird. 

Kite, Antrieb, Frachter

So funktioniert’s © airseas

Während einer zweijährigen Testphase auf einem Cape-Size-Frachter – das sind die Seeriesen, die nicht durch den Panama- oder Suezkanal passen und deshalb die großen Kaps umrunden müssen – wird die Seawing intensiv getestet. Erst danach sollen weitere K-Line Cape-Size-Frachter mit dem Seawing-Kite ausgestattet werden. 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

6 Kommentare zu „Alternative Antriebe: Reederei K-Line setzt auf Kites – 20 Prozent Emissionen einsparen“

  1. avatar Manfred sagt:

    Das möchte ich sehen: 1000qm Kite an einer 400m langen Stahltrosse. (Stahldraht) Der Durchhang wird dabei schon ne Menge Energie vernichten und die Steuerung des Kites erschweren. Da wird man sich zügig für modernes Tauwerk entscheiden müssen. Hat man bei der Langleinen Fischerei vor vielen Jahren auch erkannt.
    Evtl. ein Übersetzungsfehler?

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 4

    • avatar pl_urs.dudli sagt:

      Dachte auch, dass Dyneema wohl effizienter wäre, aber halt auch teurer und weniger lange haltbar. Mal schauen, ob die 20% Einsparung den Durchschnittswert oder nur den Optimalwert erreichen…

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

      • avatar Hurghamann sagt:

        Die Frage können euch sicher die Leute von Gleistein Ropes beantworten, die haben meines wissens die Tauwerkssysteme für die SkySails (nicht Skyline) gebaut (und die waren nicht aus Draht)
        Das Foto das den Test an kleineren “Schiffsmodellen” demonstriert, zeigt die BBC SkySails mit einem Skysails System – https://www.skysails.info/presse/fotos-und-grafiken/ms-bbc-skysails/
        Somit ist das was da jetzt Gehyped getrieben wird kalter Kaffe, gibt es schon lange, funktioniert auch – eventuell hat man jetzt ein Marktumfeld erreicht in dem man was werden kann.

        Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  2. avatar Roar sagt:

    ” Die Kites steigen vom Deck der Frachter schon ab drei Beaufort auf….”

    Diese Aussage muss bezweifelt werden.

    Die Schiffe der Welthandelsflotte sind nämlich mit ca. 15 kn unterwegs.

    Das entspricht 4+ Bft.

    Es muss also mit 5 Bft und mehr von achtern wehen, wenn der Drachen aufsteigen soll.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 6

  3. avatar Waterman sagt:

    Ich empfehle den Verantwortlichen mal einen Kitekurs zu machen um ihre Traumwelt mit der Realität abzugleichen. Hoffendlich werden nicht wie bei dem ähnlich gelagerten Schwachsinn Cargo Lifter vor etlichen Jahren Millionen öffentliche Gelder verbrannt. Politiker haben da ja bekanntlich den Euro locker sitzen wenn eine entsprechende Lobby dahinter steht – siehe Dobrinth, Scheuer und Co

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

  4. avatar florian sagt:

    Z

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *