Alternative Energien: Wellenkraftwerk-Prototyp von Olympiasegler Peckolt in der Nordsee

Auf der Erfolgswelle

So funktioniert das Nemos Wellenkraftwerk © nemos

Wie man die Wellenkraft für den Vortrieb nutzt, lernte Jan Peckolt als 49er-Segler (2008 Bronzemedaille vor Qingdao). Doch dann wollte er mehr – z.B. aus Wellenkraft Energie gewinnen!

Ein Segler, der nach dem Gewinn einer Olympischen Bronzemedaille dem Element Wasser auch beruflich treu blieb und dortselbst alternative Energien erzeugt – geht’s noch cooler?

Die Peckolt Brüder gehörten zu den weltbesten 49er Teams. © Marina Könitzer

Jan Peckolt, der 2008 vor Qingdao gemeinsam mit seinem Bruder im 49er die lang ersehnte olympische Segelmedaille für Deutschland nach achtjähriger Wartezeit holte, hat dieses Kunststück bravourös geschafft (SR-Bericht).Und wird mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit mit seinem Projekt auf einer Erfolgswelle für alternative Energien surfen. Was durchaus im doppelten Wortsinne zu verstehen ist.

Peckolts Kraftwerk

Der Duisburger Ingenieur und nach wie vor begeisterte Segler Jan Peckolt gründete 2011 das Maschinenbauunternehmen Nemos. Erklärtes Ziel des nordrhein-westfälischen Start-Ups: Die Nutzung der Wellenenergie in einem tatsächlich effizienten Wellenkraftwerk. 

Nach jahrelanger Forschungsarbeit, nach unzähligen Testversuchen, etwa im größten Wasserbecken von NRW (200 Meter lang, 10 Meter breit), tanzt nun der gelbe Prototyp eines Nemos-Wellenkraftwerks  in der Nordsee vor Oostende/Belgien. 

Energie durch das Auf und Ab der Wellen © nemos

Nun ist ein Wellenkraftwerk nicht unbedingt etwas Neues oder gar Sensationelles. Es gibt bereits Energie liefernde Anlangen auf Gibraltar, in Spanien und in Irland. Doch das Wellenkraftwerk von Nemos besticht durch eine relativ simple und somit wirtschaftliche Arbeitsweise, vor allem aber durch eine hohe Nutzung der Wellenenergie: Peckolts Kraftwerk wurde so konzipiert, dass es 70 bis 80 Prozent der Wellenenergie in Strom umwandelt. Bisher eingesetzte Anlagen kommen auf Werte zwischen 35 und 45 Prozent. 

Zunächst an Windmühlen angehängt

In einer ersten Entwicklungsphase war der Nemos-„Wellenenergie-Umwandler“ so konzipiert, dass er direkt mit den Säulen von Windkraftanlagen verbunden sein sollte. Das Prinzip war denkbar einfach: Ein Schwimmkörper tanzt auf den Wellen, setzt über ein Rollensystem einen Mechanismus in Gang, dessen Auf- und Ab-Bewegung entlang der Windmühlensäulen in einem Generator Energie respektive Strom erzeugt. Bis zu fünf Nemos-Wellenkraftwerke sollten jeweils eine Windkraftanlage „umtänzeln“. Doch aus wirtschaftlichen Gründen musste von dieser direkten Anbindung an Windkraftwerke Abstand genommen werden – eine Nutzung der Windgeneratoren-Stromleitungen zum Festland bleibt jedoch essentieller Bestandteil des Nemos-Projektes. 

Der Prototyp vor Oostende. Im Hintergrund ein Beobachtungsturm © nemos

Der derzeit aktive Nemos-Prototyp arbeitet nach dem gleichen Bewegungsprinzip: Auf der Wasseroberfläche tanzt ein Schwimmkörper (8 x 2 Meter) auf den Wellen. Der Schwimmkörper ist über zwei Seile und Umlenkrollen mit einer fest verankerten Unterkonstruktion verbunden. Hebt eine Welle den Schwimmkörper an, entsteht Zug auf den Seilen und in den Umlenkrollen, die wiederum einen Generator „in Schwung“ bringen. Senkt sich der Schwimmkörper wieder ins Wellental, zieht eine speziell konstruierte Rückholfeder die Seile wieder in Position. 

Es ist nachvollziehbar, dass vor allem die Seile, Umlenkrollen und Rückholfedern besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Entsprechend konzentrierten sich die Nemos-Ingenieure neben der Entwicklung des Kraftwerks auch auf spezielle Seile/Taue, die fortwährenden, harten Umweltbedingungen ausgesetzt sind. Auch die Rückholfeder ist ein technisches Meisterwerk: Sie wurde aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff hergestellt, wiegt 75 Prozent weniger als vergleichbare Federn und dient als kurzzeitiger Speicher für die vom Schwimmkörper erzeugte, kinetische Energie. 

Bald im Megawattbereich?

Peckolt und sein Nemos-Team hoffen, dass sie mit deutlich größeren Wellenkraftwerken, die schon in Kürze „in Serie“ gebaut werden sollen, Energien im Megawattbereich erzeugen können. 

Das World Energy Council schätzt das weltweite Potential von Wellenenergie auf ein Terrabyte. Was etwa dem Leistungspotenzial von 700 Kernkraftwerken mittlerer Größe entspricht. Ob von diesen riesigen, bislang nur rudimentär genutzten Kraftreserven bald schon bedeutende Mengen zur Erzeugung von Strom generiert werden können, hängt zu einem großen Teil von den nächsten Testwochen und -monaten ab. In der Fachwelt gilt das von Olympiasegler Peckolt entwickelte Nemos-Kraftwerk bereits als vielversprechend. Es ist sogar die Rede von einer Revolution für die alternative Energiegewinnung. Hoffen wir also für den 49er-Segler Peckolt, dass er mit Nemos weiter auf der Erfolgswelle reiten wird. 

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

4 Kommentare zu „Alternative Energien: Wellenkraftwerk-Prototyp von Olympiasegler Peckolt in der Nordsee“

  1. avatar Herr zu Runkel sagt:

    Das World Energy Council schätzt das weltweite Potential von Wellenenergie auf ein Terrabyte.

    Falsche Einheit??

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    • avatar Marc sagt:

      Die Energie wird digital auf schnellen SSDs für den kurzfristigen Strombedarf und großen HDDs gespeichert 😉

      Ich glaube er meinte Terawatt

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  2. avatar Michael Kunst sagt:

    Jepp, Terrawatt. 😳

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  3. avatar Jenny Sommer sagt:

    Hat das Ursula Stenzel geschrieben?
    Die meint auch wir haben ein paar Gigabyte zuviel CO2.

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